
Der Zukunftsatlas 2010 bewertet anhand von 29 Indikatoren zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, zur Konjunktur- und Arbeitsmarktlage, zur demografischen Situation und zur sozialen Lage die Chancen und Risiken aller 412 kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland.
Die Kernergebnisse des Zukunftsatlas 2010 Regionen sind:
Der Bevölkerungsrückgang schreitet weiter voran und ist auch in Westdeutschland Realität – mit weitreichenden Folgen.
Regionen mit hohen Bevölkerungsgewinnen sind heute in Deutschland die Ausnahme. Während zwischen 2001 und 2005 noch 70 Regionen ein Bevölkerungswachstum von über 2 % verzeichneten, waren es zwischen 2006 und 2009 nur noch zwölf. Inzwischen sind zwei Drittel der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland von Bevölkerungsrückgängen betroffen, Tendenz steigend. Damit sind Bevölkerungsverluste nicht mehr nur ein ostdeutsches Problem. Neben einer geringen Geburtenrate müssen sich auch zunehmend mehr westdeutsche Regionen mit Abwanderungsprozessen und einer alternden Bevölkerung auseinandersetzen. Vor dem Hintergrund dieser demografischen Entwicklung gilt es, Lösungsansätze für die weitreichenden Folgen wie Fachkräftemangel, Tragfähigkeitsaspekte kommunaler Infrastrukturen oder für die Stadtentwicklung, bspw. bezüglich notwendig werdender Rück- und Umbauprozesse, zu finden. Hier können westdeutsche Regionen von ostdeutschen Kreisen lernen.
Es zeigt sich ein anhaltender Trend zur Reurbanisierung: Städte gewinnen zunehmend an Attraktivität und Anziehungskraft und verzeichnen ein höheres Wachstum als das Umland.
Die Zeiten ausufernden Wachstums der Umlandkreise der großen Metropolen scheinen gestoppt. Die Großstädte selbst werden wieder beliebter und können trotz des fortschreitenden demografischen Wandels noch Einwohnergewinne erzielen. Drei Viertel der Regionen, die mehr als 1 % Bevölkerungswachstum verzeichnen, sind kreisfreie Städte. Diese Bevölkerungsgewinne beruhen vielfach auf Wanderungsgewinnen bei den jungen Erwachsenen und einer großen Attraktivität der Zentren für Fachkräfte. Besonders beliebt bei Hochqualifizierten sind bspw. Städte wie Hamburg, Frankfurt/Main, München, Heidelberg, Erlangen oder auch Städte im Osten Deutschlands wie Jena, Dresden und Leipzig. Von den starken ostdeutschen Städten gehen, mit Ausnahme Berlins, jedoch kaum Ausstrahlungseffekte auf das Umland aus. Die Reurbanisierung zeigt sich auch darin, dass sich bei stark wachsender Einwohnerzahlen besonders erfolgreicher Städte wie München, Frankfurt und Stuttgart das Bevölkerungswachstum der Umlandkreise abschwächt.
Hochqualifizierte sowie Forschung und Entwicklung sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit einer Region.
Innovationen sorgen für Wachstum und Wohlstand. Nur mit einer Fokussierung auf forschungs- und technologieintensive Industrien sowie wissensintensive Dienstleistungen kann sich Deutschland entscheidende Wettbewerbsvorteile im internationalen Standortwettbewerb erarbeiten. Humankapital wird dabei zur Schlüsselkomponente im Wettbewerb. Mittlerweile ist jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland hochqualifiziert, Tendenz weiter steigend. Während der Anteil der Akademiker an der Gesamtbeschäftigung im Jahr 2000 noch in 145 Regionen unter 5 % lag, trifft dies heute nur noch auf 68 Regionen zu. Auch künftig werden die Anforderungen der Unternehmen an das Qualifikationsniveau der Mitarbeiter weiter steigen. Steigende Qualifikationsanforderungen sowie der demografisch bedingte Rückgang der Zahl der Erwerbsfähigen verschärfen den Wettbewerb der Regionen um gut ausgebildete Fachkräfte.
Strukturell gut aufgestellte Regionen überstehen die Wirtschaftskrise trotz vorübergehender Einbrüche weitgehend unbeschadet.
Die wirtschaftlichen Zentren im Süden Deutschlands haben trotz Wirtschaftskrise nicht an Attraktivität und Standortdominanz verloren. Eine leistungsfähige industrielle Basis, innovationsführende Unternehmen, eine starke Forschungslandschaft sowie hochqualifizierte Fachkräfte gehören zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Zwar waren die Regionen aufgrund ihrer intensiven Einbindung in den internationalen Warenaustausch im Zuge der Wirtschaftskrise kurzfristig von hohen wirtschaftlichen Einbrüchen betroffen, gleichzeitig schaffen sie es aufgrund ihrer guten wirtschaftsstrukturellen Voraussetzungen die anziehende Konjunktur aufgrund der wieder steigenden globalen Nachfrage für sich zu nutzen.
Innerhalb der einzelnen Bundesländer gibt es erhebliche räumliche Unterschiede. Es lohnt der Blick auf eine kleinräumigere Betrachtungsebene.
Das Land mit den größten Disparitäten zwischen den einzelnen Regionen ist Bayern. In keinem anderen Land ist der Unterschied zwischen starken und schwachen Regionen so groß. Zwar hat die Region München seit dem ersten Zukunftsatlas 2004 eine Eingruppierung in die „Top-Zukunftschancen“ abonniert, gleichzeitig manifestieren sich in einigen peripheren Räumen im Nordosten Bayerns und in den Randlagen des Bayrischen Waldes die Problemlagen. So sind diese Regionen unter anderem von erheblichen Bevölkerungsverlusten durch Abwanderung geprägt.
Zudem greift das Urteil, wonach der Osten grundsätzlich schlechter positioniert ist als der Westen, in zahlreichen Fällen zu kurz. Zu groß sind auch innerhalb der westdeutschen Bundesländer die räumlichen Unterschiede. So sind Gebiete mit Strukturproblemen und vergleichsweise hohen Zukunftsrisiken nicht allein auf den Osten Deutschlands beschränkt. 2010 überwiegen in immerhin 38 aller westdeutschen Regionen die Zukunftsrisiken die Zukunftschancen. Damit hat sich die Zahl der Regionen mit Zukunftsrisiken im Vergleich zum Zukunftsatlas 2007 mehr als verdoppelt. Räumlich manifestieren sich diese Problemlagen insbesondere in einigen Städten im nördlichen Ruhrgebiet (altindustrialisierte Standorte), in peripheren ländlichen Räumen in Rheinland-Pfalz sowie im östlichen Niedersachsen.
Auch ländliche Regionen abseits größerer Zentren verfügen über Entwicklungspotenziale und können sich durch geeignete, individuelle Strategien dynamisch entwickeln.
Nicht nur die (Groß-)Städte verfügen über hohe Entwicklungspotenziale und Zukunftschancen, auch einige ländliche Räume beweisen, dass Zukunft durch die Nutzung der endogenen Potenziale aktiv gestaltet werden kann. Eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung und gute demografische Voraussetzungen finden sich beispielsweise im Nordwesten (Emsland/Vechta) oder im Süden (Biberach, Alb-Donau-Kreis) Deutschlands. Zudem zeigen einige ländliche Räume im Osten Deutschlands (z.B. Spree-Neiße), dass auch für sehr strukturschwache Regionen durchaus positive Entwicklungsmöglichkeiten existieren und somit das Abschreiben ganzer Regionen und Landstriche wenig zielführend ist. Vielmehr können bspw. eine gute Wirtschaftsförderung und eine kreative Entwicklung neuer Strategien auch in strukturell benachteiligten Regionen zu beachtenswerten Erfolgen führen.
Download: Prognos Zukunftsatlas 2010 – Auf einen Blick (PDF, 1,15 MB)
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