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Wohnen | Freitag, 07.12.2018

Suche Mitarbeiter – biete 3 Zi-Kü-Bad

Der Mangel an Wohnungen und Fachkräften gibt einer alten Idee neuen Aufschwung: Um Fachkräfte zu gewinnen, unterstützen Arbeitgeber immer öfter bei der Wohnungssuche. Schon ist die Rede von einer Renaissance der Werkswohnungen. Ein Artikel aus dem neuen trendletter.

©Fotolia/inkwelldodo

Von Prognos-Experte Leander Schulte

Wer an Werkswohnungen denkt, denkt an Siedlungen, die während der Industrialisierung zum Beispiel im Ruhrgebiet entstanden. Oder an die Wohnungen großer Konzerne wie Krupp, Thyssen oder Bayer, die nach dem Zweiten Weltkrieg dazu beitrugen, die Wohnungsnot während der Zeit des Wiederaufbaus zu bekämpfen.

Und heute? Wieder ist der Wohnungsmarkt angespannt. Gleichzeitig mangelt es an Fachkräften – kein Wunder, dass die Idee der Werkswohnungen erneut aufflammt und zum Standortvorteil bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften avanciert. Denn ein angemessenes Gehalt reicht längst nicht mehr aus, um Fachkräfte zu gewinnen. Tatsächlich können Mitarbeiterwohnungen oder die Vermittlung von Wohnraum auf dem regionalen Wohnungsmarkt im Rennen um die Fachkräfte den entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen sichern.

Auch kommunale Betriebe und Verwaltungen profitieren von diesem Konzept. Dabei sind flexible oder temporäre Lösungen in Form von Anmietungen oder Belegungsrechten durch das Unternehmen vor allem für die ersten Beschäftigungsmonate eines neuen Mitarbeiters beliebt. Häufig liegen die Wohnungen nahe oder sogar auf dem Gelände eines Unternehmens oder gut angebunden an den ÖPNV.

Werkswohnungen haben viele Vorteile: Der Arbeitgeber hat bessere Chancen, qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren. Der Mitarbeiter hat durch die gute Lage oft einen geringeren Mobilitätsaufwand, spart also Zeit und Geld. Und auch die Region oder Kommune profitiert. So wird nicht nur der Verkehr entlastet. Insbesondere dann, wenn Unternehmen selbst Wohngebäude auf firmeneigenem Gelände errichten und damit Brachflächen bebauen, die dem Wohnungsmarkt normalerweise nicht zur Verfügung gestanden hätten, kann auch der lokale Wohnungsmarkt insgesamt entlastet werden. Zudem werden Werkswohnungen in der Regel nicht renditeorientiert und damit günstiger angeboten, sodass die erhobenen Mieten dem Anstieg des örtlichen Mietpreisniveaus entgegenwirken können.

Dass ein solches Modell aufgrund der zurzeit niedrigen Bauzinsen auch für kleine und mittlere Unternehmen funktionieren kann, zeigen Beispiele von Bäckereien in Memmingen und Berlin oder von Reinigungsfirmen im Großraum München. Damit das Modell der Werkswohnung aber eine echte Renaissance erfährt, müssen Hürden für den Bau und Betrieb von Mitarbeiterwohnungen abgebaut werden.

Denkbar ist ein Freibetrag für den geldwerten Vorteil aus einer vergünstigten Miete oder die Möglichkeit von Sonderabschreibungen beispielsweise für den bauenden Arbeitgeber. Auch vereinfachte Baugenehmigungen auf Firmengeländen könnten entscheidende Anreize für Unternehmen und Wohnungswirtschaft sein. Aber Vorsicht: Positive Effekte für die regionalen Wohnungsmärkte entstehen nur, wenn Unternehmen das regionale Wohnungsangebot erweitern.

Mieten Unternehmen hingegen auf dem freien Wohnungsmarkt bestehenden Wohnraum auf Vorrat an, um ihn neuen Mitarbeitern zeitweise zur Verfügung zu stellen, kann der Trend zur Mitarbeiterwohnung sogar den Druck auf dem Wohnungsmarkt erhöhen. Städte und Gemeinden sollten Unternehmen deshalb vor allem bei Neubauvorhaben unterstützen.

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