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Mobilität | Montag, 07.01.2019

Auf dem Radschnellweg zur Arbeit

Lange Staus, überfüllte Busse und Bahnen und steigende CO2 -Werte in den Städten – die zunehmende Anzahl Berufspendler verstärkt das Verkehrschaos zu den Stoßzeiten. Können Radschnellwege einen Beitrag zur Entlastung leisten? Ein Artikel aus dem neuen trendletter.

©Stadt Göttingen/Christoph Mischke

Von Prognos-Expertin Maike Breitzke

Durchschnittlich 17 Kilometer beträgt die Strecke, die ein Pendler in Deutschland pro Tag für eine einfache Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsort zurücklegt. Angesichts der wachsenden Zahl an Berufspendlern steigt die Notwendigkeit effizienter und alternativer Mobilitätslösungen.

Distanzen im Bereich von rund 20 Kilometern sind grundsätzlich gut mit dem Fahrrad zu schaffen. Besonders in urbanen Gebieten wird das tägliche Radfahren immer beliebter. Mit dem Vormarsch der Pedelecs entsteht zudem eine klimafreundliche Alternative zum Pkw.

Damit künftig noch mehr Berufspendler, Auszubildende und Studenten auf das Rad umsteigen, braucht es eine geeignete Radinfrastruktur, die eine komfortable Fahrradnutzung möglich macht und dabei als unterstützende Verkehrsverbindung für die Stadt-Umland-Verflechtungen dient. Eine Möglichkeit, das Pendeln auf zwei Rädern attraktiver zu gestalten und die Nahmobilität zu verbessern, liegt im Ausbau von Radschnellwegen.

Der Bau von Radschnellwegen orientiert sich an den Anforderungen, die durch die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) festgelegt wurden. Demnach müssen Radschnellwege eine Mindestlänge von fünf Kilometern haben, mindestens drei Meter breit sowie für die steigenden Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h ausgelegt sein.

Die Gewährleistung eines kontinuierlichen Verkehrsflusses gilt als wichtige Voraussetzung für einen Reisezeitgewinn, Verzögerungen an Ampeln und Kreuzungen sollen vermieden werden und der Fahrbahnbelag qualitativ hochwertig sein. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass bereits vorhandene anschließende Radinfrastrukturen ausgebaut werden – Radschnellwege müssen einfach erreichbar sein und im Idealfall an ein lückenloses Radwegenetz angeschlossen werden.

Die positiven Effekte liegen auf der Hand: Durch den Bau von Radschnellwegen, wird das Fahrrad zur echten Alternative im Straßenverkehr und es kann ein wichtiger Beitrag zur Entspannung im täglichen Pendlerchaos geleistet werden.

In Zeiten des Klimawandels und drohender Dieselfahrverbote wirkt sich die Verlagerung von Verkehrsflüssen auf das Fahrrad zudem positiv auf Abgasemissionen und Klimaschutz aus. Gleichzeitig findet eine Lärmminderung statt – und die regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit der Bevölkerung. Kosten-Nutzen-Analysen für deutsche Radschnellwege zeigen, dass der gesamtwirtschaftliche Nutzen bis zu fünfmal so hoch sein könnte wie die Kosten.

Die Niederlande investieren bereits seit den 1980er-Jahren in Radschnellverbindungen. Dort nutzen 25 Prozent der Berufspendler das Fahrrad, in Deutschland dagegen nur neun Prozent. Um auch in Deutschland mehr Pendler auf das Rad zu bekommen, fördert der Bund den Ausbau von Radschnellwegen seit dem Jahr 2017 mit jährlich 25 Millionen Euro. Erste Abschnitte von Radschnellwegen sind zum Beispiel der Radschnellweg Ruhr oder der eRadschnellweg Göttingen.

Daneben erstellen aktuell mehrere Bundesländer Potenzialanalysen und Machbarkeitsstudien für weitere Verbindungen. Die vom Bund bereitgestellten Fördergelder decken allerdings nur einen Bruchteil der Kosten, die für einen Kilometer Radschnellweg zwischen ca. 500.000 und zwei Millionen Euro liegen. Für eine nachhaltige und weitreichende Förderung bedarf es deshalb zusätzlicher Investitionen und einer verstärkten politischen Ausrichtung auf den Bau von Radinfrastrukturen auf allen Ebenen.

Dann können Radschnellwege eine gute Alternative für Berufspendler bieten, die Anbindung von Metropolregionen verbessern und die Lebensqualität steigern. Der Weg dahin ist noch steinig, aber die Investition lohnt.

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