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Region | Montag, 28.01.2019

Nächster Halt: Montabaur

Ortschaften zwischen Ballungsräumen haben es oft schwer. Doch durch eine verkehrsgünstige Anbindung an übergeordnete Verkehrsachsen rücken sie näher an Wirtschaftszentren heran. Mit geschickter Planung können sie dabei im Sinne einer Entlastung nicht nur Wohnstandorte für Pendler werden, sondern auch Firmen anziehen und zum neuen Arbeitsort werden. Ein Artikel aus dem trendletter.

©Prognos/M. Breitzke

Von Prognos-Expertin Melanie Reisch

Die Bevölkerung Deutschlands konzentriert sich zunehmend auf große Städte und attraktive Ballungsräume. Die Großstädte haben dabei mit negativen Wachstumseffekten wie hohen Lebenshaltungskosten und Engpässen bei der Infrastruktur (insbesondere beim Verkehr) zu kämpfen.

Flächen und bebaubare Grundstücke sind bereits Mangelware und die Planungs- und Gestaltungsspielräume der Städte werden immer geringer. Die Suburbanisierung, also die Verlagerung von Wohnen und Arbeiten ins direkte Umland von Großstädten, ist nicht neu. Dass sich aber Gewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen in weiter entfernten, peripheren Lagen (sogenannte Standorte der zweiten oder dritten Reihe) ansiedeln, erstaunt. Tatsächlich gelingt das vor allem dort, wo eine gute Verkehrsanbindung die Region als Wohn- und Arbeitsstandort attraktiv macht.

Zu den bekanntesten Beispielen gehört die Stadt Montabaur. Als die Planungen für die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Frankfurt und Köln bekannt wurden, kämpften Kommunal- und Landespolitiker erfolgreich für einen ICE-Halt. 2002 hielt dann der erste InterCityExpress am neu erbauten Bahnhof am Stadtrand von Montabaur. Mit der neuen Anbindung an das Fernnetz der Bahn gelang den Politikern ein Geniestreich für die 13.000-Einwohner-Gemeinde. Montabaur wurde nicht nur zum idealen Wohnort für Pendler nach Frankfurt oder Köln.

Die Kleinstadt im Westerwald avancierte rasch auch zu einem interessanten Standort für Unternehmen. Auf einer Fläche von rund 30 Hektar entstanden ein neues Büro- und Dienstleistungszentrum sowie ein neuer Stadtteil als Verbindung zur Innenstadt. Auf dem Areal befinden sich heute 80 Unternehmen mit 2.200 Arbeitsplätzen.

Auch wenn mit dem Unternehmen 1&1 bereits ein wichtiger Hauptmieter für das Gebiet vorhanden war, der die Ansiedlung weiterer Unternehmen förderte, zeigt das Beispiel Montabaur eindrucksvoll, wie durch die Schaffung neuer attraktiver Verkehrspunkte zwischen oder am Rand von Ballungsräumen eine neue wirtschaftliche Dynamik gezielt aktiviert werden kann. Und Montabaur ist kein Einzelfall: Der ICE-Halt in Fulda, Erfurt als Verkehrsknoten auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke München-Berlin und Herrenberg mit IC-Halt in Richtung Zürich sind nur einige prominente Beispiele.

Sogar die 2.000-Einwohner-Gemeinde Merklingen auf der Schwäbischen Alb soll einen Halt für schnelle Regionalzüge auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ulm und Stuttgart erhalten. Die kleine Gemeinde wäre damit nur noch 20 Minuten vom Stuttgarter Flughafen entfernt und könnte perspektivisch in den Blick standortsuchender Unternehmen geraten.

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