Prognos Logo Print

Ansprechpartnerin

Felizitas Janzen

Pressekontakt
Tel.: +49 30 58 70 89 118
E-Mail: presse@prognos.com

Ansprechpartner

Dr. Michael Böhmer

Dr. Michael Böhmer

Partner | Chief Economist Corporate Solutions
Tel.: +49 89 95 41 586-701

Detailansicht
Zwischenbericht veröffentlicht | Mittwoch, 21.12.2016

Klimaschutzoptionen und Erdgasinfrastruktur

Verstärkter Ausbau von erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz könnten den europäischen Gasverbrauch deutlich verringern und potenziell Kosten einsparen. Das ist das Zwischenergebnis einer Studie von Prognos und Ecologic im Auftrag des Bundesumweltministeriums.

Gaspipline

© iStock - photosbyjim

Die Gasinfrastruktur in Europa soll kontinuierlich weiter entwickelt werden. Derzeit orientiert sich die Planung aber nur an Referenz-Szenarien (Status-Quo wird fortgeschrieben) und nicht an den angestrebten klimapolitischen Zielen.

Der Trend des sinkenden Gasbedarfs der letzten Jahre in Europa spiegelt sich nicht überall in den Szenarien für die Gasnetzplanung wider. Dies gilt zum Beispiel für den europäischen 10-Jahresplan (Ten Year Network Development Plan – „TYNDP 2015“). Die beiden Szenarien ENTSOG Green/ ENTSOG Grey, die vom europäischen Verband der Gasfernleitungsnetzbetreiber ENTSOG für den TYNDP 2015 erarbeitet wurden, gehen von einem deutlich steigenden Gasbedarf aus. In den sechs untersuchten Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien und des Vereinigte Königreich zeigten sich ähnliche Ergebnisse.

Die Planung der Gasfernleitungsnetze beruht auf sogenannten Netzentwicklungsplänen. Bei der Analyse der Pläne zeigt sich: Sowohl auf europäischer Ebene als auch in den einzelnen Ländern werden diese transparent und mit Stakeholder-Beteiligung erarbeitet. Bei den Beteiligungsmöglichkeiten gibt es teilweise noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten, so zum Beispiel eine direkte Ansprache von NGOs.
Außerdem erfolgte ein Vergleich mit Szenarien, welche die europäischen Energie- und Klimaziele erreichen oder deutlich übertreffen.

Es zeigt sich, dass mehr Erneuerbare Energien und verstärkte Energieeffizienz zu einem niedrigeren Gasbedarf führen können (z. B. im Szenario EE30, das stark auf Effizienz setzt). In einigen Szenarien steigt der Gasbedarf aber zunächst (z. B. weil Kohle und Kernenergie in der Stromerzeugung durch Gas ersetzt werden), um dann ab dem Jahr 2025 zu sinken, wie folgende Grafik veranschaulicht:

undefinedGrafik zum Download

Gasbedarf und Gasnetze verhalten sich wie Autos und Autobahnen

Führt ein sinkender Gasbedarf zu weniger benötigten Gasnetzen?
Gasnetze sind auf den kältesten Tag eines Jahres ausgelegt - die Jahreshöchstlast. Der Jahresgasbedarf spielt für die Netze nur eine untergeordnete Rolle. Die Jahreshöchstlast im Gasnetz am kältesten Tag sinkt durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz zwar auch - aber nicht so schnell wie der Jahresgasbedarf. Autobahnen müssen auch für den Tag des höchsten Verkehrsaufkommens beispielsweise an Ferientagen gerüstet sein. Auf lange Sicht dürfte sich eine geringere Verkehrsauslastung aber sehr wohl in der Infrastrukturplanung bemerkbar machen. 

Können einzelne Netzausbauprojekte benannt werden, die durch Erneuerbare Energien und Effizienz überflüssig werden? Dies erwies sich in der Detailanalyse als schwierig. Der Grund: unterschiedliche Ursachen führen zum Ausbau des Gasfernleitungsnetzes. Zum Beispiel, eine Änderung der Gasherkunft. Erdgas aus den Niederlanden wird durch Erdgas aus anderen Ländern ersetzt. Dafür werden möglicherweise neue Leitungen benötigt.

Ergänzend wurden in der Studie die Risiken von Erdgas, Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz verglichen. Es zeigte sich, dass ein hoher Einsatz von Erdgas mit höheren Risiken verbunden ist als ein hoher Einsatz von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.
Diese Zwischenergebnisse wurden in einem Experten-Workshop in Brüssel im September 2016 diskutiert. Im Jahr 2017 werden die Auswirkungen eines langfristig sinkenden Gasbedarfs auf die Importabhängigkeit und den Ausbau der Gasfernleitungsnetze vertiefend untersucht. Dabei wird auch der bis dahin vorliegende europäische Netzentwicklungsplan TYNDP 2017 berücksichtigt.

Dieser Zwischenbericht liegt auf Englisch vor.

undefinedZum Bericht (EN)