Prognos Logo Print
Detailansicht
Erneuerbare Energien | Freitag, 09.06.2017

Kohlekraftwerke nicht zwangsläufig Hindernis für Ausbau erneuerbarer Energien

Alte Meiler stehen in Ländern mit einem hohen Anteil von Kohlestrom dem Ausbau erneuerbarer Energien nicht grundsätzlich entgegen. In vielen Fällen können sie mit überschaubarem Aufwand umgebaut und flexibilisiert werden und so einen sanften Umstieg auf erneuerbare Energien ermöglichen, wie Prognos-Experten in einer Studie für Agora Energiewende zeigen.

Windräder rund um Kohlekraftwerk

© iStock - stevotion

Stromsysteme, deren Erzeugung bisher vor allem auf Kohlekraftwerken basiert, bieten viel mehr Platz für den Ausbau erneuerbarer Energien als vielfach angenommen. Denn Kohlekraftwerke können ihre Stromproduktion weitaus flexibler an die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarkraftwerke anpassen als häufig vermutet.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Prognos zusammen mit Fichtner für Agora Energiewende erstellt hat.

Um alte Kohlekraftwerke flexibler zu machen, können diese mit überschaubarem Aufwand umgerüstet werden. Länder, die bisher aus historischen Gründen Strom vorrangig mit Kohle erzeugen, können mit diesen Maßnahmen ihre Energiesysteme zu relativ geringen Kosten klimafreundlicher machen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit wahren. In Ländern hingegen, die einen hohen Anteil an Gaskraftwerken besitzen, können flexible Kohlekraftwerke die teureren Gaskraftwerke aus dem Markt drängen, was zu mehr CO2-Ausstoß führen kann, so etwa in Deutschland. Dieser Entwicklung kann nur mit politischen Maßnahmen begegnet werden – etwa mit einem Mindestpreis für CO2, der die Kohlestromproduktion verteuert.

Wie Kohlekraftwerke erfolgreich umgerüstet werden können, zeigen die Autoren anhand der Beispiele von Deutschland und Dänemark. In beiden Ländern können zuvor sehr unflexible Kohlekraftwerke inzwischen ihre Leistung in Viertelstundenintervallen auf- und abregeln und dadurch auf die Signale des Strommarktes reagieren. Damit sind Kohlekraftwerke inzwischen beinahe so flexibel wie Gaskraftwerke.

Beispiele von Stromsystemen, in denen sich eine Umrüstung von bestehenden Kohlekraftwerken anbietet, zeigen Prognos-Experten in der Studie exemplarisch anhand von Südafrika und Polen auf. Beide Länder produzieren bisher den Großteil ihres Stroms aus Kohle – und müssen nun ihren Kraftwerkspark modernisieren. Gleichzeitig verfügen sie über hervorragende Standorte für Erneuerbare Energien. Unter diesen Bedingungen ist es günstig, das Stromsystem zu modernisieren, indem Wind- und Solarenergie ausgebaut werden und gleichzeitig der bestehende Kraftwerkspark flexibilisiert wird.

undefinedZur Studie (nur auf Englisch)

undefinedZur Pressemitteilung von Agora Energiewende