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Volkswirtschaft | Freitag, 07.07.2017

Was passiert, wenn der Welthandel künftig erschwert wird?

Protektionismus und Handelsregulierungen haben massive Effekte. Prognos hat errechnet: Wenn die Handelsbarrieren sich weiter so verschlechtern wie im vergangenen Jahrzehnt, fällt das weltweite Handelsvolumen um 470 Milliarden Euro niedriger aus.

Containerschiffe

©ImagePoint – MD Images Michael Dietrich

Beim G20-Gipfel am 7. und 8.Juli in Hamburg wird es auch um die künftige Handelspolitik der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer gehen. In gleich mehreren dieser Länder gibt es aktuell politische Bestrebungen, welche einseitig die Freizügigkeit von Gütern, Kapital und Personen einschränken wollen.

Die Prognos AG hat errechnet, was passiert, wenn die internationalen Handelbeziehungen bis 2030 zunehmend behindert werden. Das Ergebnis ist drastisch: Wenn die weltweite Regulierung des Handels sich weiterhin so verschlechtert wie in den vergangenen zehn Jahren, würde alleine in den G20-Ländern das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2030 um über 440 Milliarden Euro niedriger ausfallen als bei gleichbleibenden Handelshemmnissen – ein Wegfall, der der aktuellen Wirtschaftsleistung der Schweiz entspricht.

Das Handelsvolumen (Summe der Exporte und Importe) fiele um 470 Milliarden Euro geringer aus. Dies entspräche einem kalkulatorischen Verlust von ungefähr 1,3 Prozent des Handels der G20-Länder. Für die deutsche Volkswirtschaft beliefen sich die Verluste im Jahre 2030 auf 31 Milliarden Euro (BIP) beziehungsweise auf 64 Milliarden Euro (Handelsvolumen). Zum Vergleich: Der deutsche Verteidigungshaushalt beläuft sich aktuell auf über 30 Milliarden Euro.

„Einige Staats- und Regierungschefs scheinen aktuell zu glauben, dass ihre Volkswirtschaften relativ zu anderen nicht genug profitieren“, sagt Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff. „Wenn sie dann aber Handelsbarrieren und andere Regulierungshemmnisse aufbauen, wird sich das mittel- bis langfristig als negativ für alle herausstellen – und zwar vor allem dann, wenn einzelne Länder aus dem Konzert ausscheren, die anderen aber weiterspielen lassen.“

Kalkulation der Verluste ergibt sich aus zwei Szenarien

Der Einfluss von Handelshemmnissen auf das weltweite Wirtschaftswachstum wurde mithilfe des weltwirtschaftlichen Prognose- und Simulationsmodells VIEW der Prognos AG errechnet. Dabei bezogen die Experten des Instituts nicht nur die G20 untereinander ein, sondern auch die wirtschaftliche Aktivität der 42 größten Wirtschaftsnationen, die gemeinsam mehr als 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts erwirtschaften.

Die Kalkulation der Verluste ergibt sich aus einem Vergleich von zwei Szenarien: Im ersten Szenario unterstellen die Experten, dass die Verschlechterung der regulatorischen Rahmenbedingungen in den G20-Ländern gestoppt werden kann und sie entsprechend im Jahre 2030 in etwa so gut sind wie aktuell (Szenario Konstanz).

Handelsbedingungen sollten elementare Fairness beachten

Im ungünstigen Alternativszenario hingegen nehmen die Restriktionen im internationalen Handel weiterhin stetig zu, d.h. der Indexwert für die G20-Länder sinkt weiter (Szenario Verschlechterung). Im Szenario Verschlechterung fällt als Konsequenz der zunehmenden Handelshemmnisse die Dynamik des internationalen Handels niedriger aus und damit auch das Wirtschaftswachstum aller betroffenen Länder.

„Es ist die Aufgabe der Staats- und Regierungschefs der G20, die Rahmenbedingungen weiterhin so zu gestalten, dass dadurch nicht der gesamte Welthandel abgewürgt wird“, sagt Prognos-Chef Böllhoff. Die Neuregelungen der Handelsbedingungen sollten nicht national-egoistischen Motivationen entspringen und auch elementare Fragen der Fairness beachten. „Denn wenn wir die anderen verlieren, verlieren wir mehr, als wir alleine gewinnen können.“