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Stadtentwicklung | Donnerstag, 05.10.2017

Zahl der Kinder in Großstädten wächst stark

In deutschen Städten und Metropolen gibt es einen Kinder-Boom. Dazu tragen vor allem die „Bildungswanderer“ bei, wie eine Prognos-Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt.

Vater hält Hand seines Kindes

©iStock - Saklakova

Immer mehr Kinder wachsen in Großstädten auf. Die Anzahl der unter Sechsjährigen in deutschen Metropolen hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen – etwa in Leipzig um rund 50 Prozent, in Berlin um 26 Prozent.

Insgesamt ist der Anteil der Kleinkinder in kreisfreien Städten seit 2005 bedeutend gewachsen – und ist nun mit 5,6 Prozent deutlich höher als in den Landkreisen, wo der Kinderanteil 5,1 Prozent beträgt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Prognos AG für die Friedrich-Ebert-Stiftung.

Trendumkehr ist nicht absehbar

Grund für den Kinder-Boom sind vor allem sogenannte Bildungswanderer. „Junge Leute ziehen verstärkt in die Städte, bleiben auch nach Ausbildungsende dort wohnen und gründen Familien“, sagt Prognos-Experte Tilmann Knittel.

Dies bedeutet eine tiefgreifende Umwälzung gegenüber der Situation vor zehn Jahren. Damals war die hohe Kinderzahl noch ein Phänomen westdeutscher Landkreise. Eine Trendumkehr ist jedoch nicht absehbar.  „Im Gegenteil – die künftigen Eltern sind bereits in die Boom-Städte gezogen“, sagt Sozialforscher Knittel. Aller Voraussicht nach wird die Zahl der Kinder in den Städten auch in den kommenden Jahren steigen und der Kinderanteil in den Städten weiterhin deutlich höher als auf dem Land liegen.

Erhebliche Herausforderungen für Politik und Verwaltung

Treiber des Trends sind mehrere Entwicklungen: Auf dem Arbeitsmarkt werden immer häufiger höher qualifizierte Tätigkeiten nachgefragt – und vor allem Städte bieten Arbeitsplätze in diesem Bereich. Zudem möchten sich viele junge Paare Familie und Beruf partnerschaftlich aufteilen. „Solche Familienmodelle sind auf Betreuungs-, Bildungs- und Freizeitangeboten angewiesen, die man in dieser Dichte derzeit nur in der Stadt findet“, erklärt Knittel.

Für Politik und Verwaltung in den jeweiligen Regionen stellen sich erhebliche Herausforderungen.
Wachsende Städte sind aufgrund des Anstiegs der Kinder- und Familienzahlen gefordert, bezahlbaren Wohnraum für Familien bereitzustellen – sonst werden die steigenden Preise insbesondere einkommensschwächere Familien und Alleinerziehende aus den Städten verdrängen. Zudem sollten wachsende Städte den zu erwartenden Anstieg der Kinderzahlen in ihrer Sozial- und Schulplanung gerecht werden.

Entwicklung der Kinderzahlen als zentraler Indikator für Analyse

In schrumpfenden ländlichen Regionen könnte der Wegzug der Bildungswanderer den demografischen Wandel dramatisch verschärfen. Abfedernd wirken können Maßnahmen wie die Sicherstellung von Ganztagsbetreuung, um ländliche Regionen attraktiver für junge Familien zu machen.

Die Studie zieht die Entwicklung der Kinderzahlen als zentralen Indikator für die Analyse heran. Diese Datenbasis ist zum einen sehr solide und liegt zum anderen auch regional differenziert vor. Von diesem Indikator ausgehend lassen sich auch belastbare Aussagen über die Entwicklung der Familien ableiten.

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