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Studie zu Klimaschutz und Jobs | Dienstag, 09.04.2019

Beschäftigungseffekte der Klimapfade

Welche Auswirkungen hat eine ambitionierte Klimapolitik auf den Arbeitsmarkt – etwa auf den Bergbau, die Baustoffindustrie oder die Energiebranchen? Prognos hat diese Frage im Auftrag der Stiftung Arbeit und Umwelt der Gewerkschaft IG BCE untersucht.

© Fotolia.com - Andreas Gruhl

Eine ambitionierte Klimapolitik hat Auswirkungen auf die Beschäftigung. Welche Branchen werden wie betroffen sein? Wo entstehen Beschäftigungszuwächse, wo ist mit Rückgängen zu rechnen? Dies hat Prognos im Rahmen einer neuen Analyse für sieben ausgewählte Branchen dargestellt, die besonders mit Veränderungen durch Klimaschutzmaßnahmen zu rechnen haben. Die Arbeit baut auf der Studie „Klimapfade für Deutschland“ aus dem Jahr 2018 auf.

Das Ergebnis: Unter dem Strich sind in allen drei ambitionierten Klimaszenarien die gesamt-wirtschaftlichen Beschäftigungseffekte neutral bis positiv. Es ergeben sich aber Verschiebungen zwischen den Branchen: Einige der untersuchten Branchen erleiden Beschäftigungsverluste, andere Branchen hingegen profitieren von einer ambitionierten Klimapolitik. Zusätzliche Beschäftigung entsteht vor allem im Baugewerbe und in den Dienstleistungssektoren.

Die in der Studie dargestellten Beschäftigungsentwicklungen sind vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in Deutschland zu interpretieren: Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter wird bis zum Jahre 2050 um gut acht Millionen Personen sinken. Es scheiden in Zukunft deutlich mehr ältere Personen aus dem Erwerbsleben aus als neue nachrücken. In der Konsequenz ist bereits in dem hier dargestellten Referenzszenario in fast allen Branchen und Wirtschaftsbereichen die Zahl der Erwerbstätigen rückläufig (-6,4 Mio. Personen). Höhere Erwerbsbeteiligungen und eine vergleichsweise geringe Erwerbslosenquote gehen mit dieser Entwicklung einher.

Wenig überraschend wirkt sich verstärkter Klimaschutz negativ vor allem auf die Beschäftigung in denjenigen Branchen aus, die konventionelle Energieträger fördern oder verarbeiten, sowie besonders energieintensive Branchen – hierzu gehören der Kohlebergbau, die Kokerei- und Mineralölverarbeitung, sowie z.B. die Herstellung von Papier und Pappe oder Gummi- und Kunststoffwaren. In der energieintensiven Chemie- sowie Baustoffindustrie sind die Beschäfti-gungswirkungen durch Klimaschutzmaßnahmen durchweg leicht positiv, da spezielle Produkte stärker nachgefragt werden. In den Wirtschaftszweigen, die direkt mit Stromproduktion und -versorgung sowie Wärme- und Kälteversorgung zu tun haben, sind die Effekte durchweg positiv, da hier im Rahmen von Klimaschutz und Energiewende kräftig investiert wird.

Hintergrund:

Die Prognos AG hatte im Jahr 2018 im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und in Zusammenarbeit mit Boston Consulting Group (BCG) klimapolitische Szenarien für die Bundesrepublik Deutschland (Studie „Klimapfade für Deutschland“) erstellt. Die branchenspezifischen Effekte der klimapolitischen Maßnahmen vor allem hinsichtlich ihrer Beschäftigungswirkung wurden in der BDI-Studie nur grob dargestellt. In der vorliegenden Studie werden nun die Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte dieser Szenarien (Referenzszenario und drei Klimaszenarien) für sieben ausgewählte energiewirtschaftliche sowie energieintensive Branchen vertieft untersucht.

undefinedZur Studie „Beschäftigungseffekte der BDI-Klimapfade“ (04/2019)

undefinedZu Studie „Klimapfade für Deutschland“ (2018)