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Prognos Trendletter | Freitag, 12.07.2019

Der wirtschaftliche Fußabdruck der Circular Economy

Die Circular Economy beschäftigt heute rund 7 Millionen Menschen in der EU und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 1,2 Billionen Euro. Deutschland trägt mit 1,2 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von rund 260 Milliarden Euro zu diesen Zahlen bei.

Von Prognos-Experte Richard Simpson

Die Circular Economy muss aus einer multisektoralen Perspektive betrachtet werden. Um ihre Struktur nachzuvollziehen, sind drei Segmente ausschlaggebend: die Anbieter nachhaltiger Ressourcen, die Anbieter notwendiger Technologien und die Anbieter von Waren und Dienstleistungen, die auf neuartigen Geschäftsmodellen basieren.

Die Erzeuger erneuerbarer Energien, die ökologische Land- und Forstwirtschaft sowie Dienstleister der Abfallverwertung und Rohstoff-Rückgewinnung werden als Materialanbieter bezeichnet. Die Technologien, die sie benötigen, werden wiederum von Technologieanbietern bereitgestellt. Ebenso Technologien, die es ermöglichen, Produkte möglichst materialeffizient herzustellen. Zirkuläre Geschäftsmodelle umfassen weitere neue Arten der Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen. Diese konzentrieren sich beispielsweise auf langlebige Designs und nachhaltige Strategien, Produkt-Dienstleistungssysteme und digitale Plattformen.

Europas größter Circular-Economy-Sektor, die ökologische Land- und Forstwirtschaft, beschäftigt rund 1,7 Millionen Menschen. Eine Zahl, die die Bedeutung der ländlichen Bioökonomie unterstreicht. Die Anbieter von Material- und Energieeffizienztechnologien, die besonders in der Nähe von Industrieregionen angesiedelt sind, bilden mit 1,4 Millionen Beschäftigten den zweitgrößten Sektor in Europa. In Deutschland steht dieser technologieintensive Sektor sogar an erster Stelle.

Das Entwicklungspotenzial unterscheidet sich von Region zu Region. Insbesondere Skaleneffekte ermöglichen die Rückgewinnung erheblicher Materialmengen aus Abfallströmen. Städte etwa sind stärker darin, Unternehmen anzuziehen, die innovative Technologien und Designs entwickeln, und bieten den erforderlichen Zugang zu Ressourcen, Wissen und Zusammenarbeit sowie eine realisierbare Nachfrage nach zirkulären Produkten und Dienstleistungen. Dies sind wichtige Faktoren für die zirkulären Geschäftsmodelle.

Industrieregionen können durch das Vernetzen ihres vielfältigen Ökosystems zu einer industriellen Symbiose einen Aufschwung erleben. Sie können von der Nähe zu Produktionsstätten profitieren, die für die Wiederverwertung geeignet sind, und von alten Industriearealen und -anlagen, die nun den entstehenden Sekundärrohstoffmärkten zur Verfügung stehen.

Auch der ländliche Raum kann wiederbelebt werden; beispielsweise durch die Herstellung von Biolebensmitteln oder die Bereitstellung nachhaltiger Energien und Baumaterialien, bei denen fossilbasierte Produkte durch biobasierte Alternativen ersetzt werden.

Zahlreiche Regionen haben bereits umfassende Circular-Economy-Strategien entwickelt und treiben entsprechende Initiativen voran. Neue Verbindungen unter und zwischen Verwertern und Unternehmen wurden hergestellt. Neue Indikatoren wurden entwickelt. Spezialisierte Betriebe sind entstanden. Inzwischen analysieren viele Unternehmen ihre Abläufe auf mehr Material- und Kosteneffizienz und beteiligen sich an neuen Innovationsclustern.

Akteure aus Wirtschaft und Politik spielen bei alldem eine entscheidende Rolle. Sie geben den Rahmen, setzen Ziele, verbinden Innovationszentren mit Verwertern, schaffen Einrichtungen für den Austausch und nehmen die Öffentlichkeit an Bord. Dies sind wichtige Dimensionen einer tieferen vertikalen und horizontalen Integration der Materialflüsse in regionalen Wirtschaften. Die Circular Economy wird in den kommenden Jahren deutlich anwachsen, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der Regionen sichern und deren Umwelt schützen.

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