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Prognos trendletter | Mittwoch, 08.01.2020

Verkehrsinfrastrukturen für mehr Lebensqualität

Neue Verkehrsinfrastrukturen machen das Leben leichter – und sorgen sogleich für noch mehr Beschleunigung des Alltags. Doch richtig geplant, können Verkehrsinfrastrukturen auch die Lebensqualität erhöhen.

© iStock-PeopleImages

Von Prognos-Experte Alexander Labinsky

Ob Umgehungsstraßen, U-Bahn-Tunnel oder Hochgeschwindigkeitsstrecken – wenn es plötzlich schneller, direkter und bequemer von A nach B geht, freuen sich die Bürgerinnen und Bürger. Handfeste gesellschaftliche Vorteile gibt es auch, denn wer nicht im Stau oder im überfüllten Bus steht, kann diese Zeit für sich sinnvoll nutzen. Aus diesem Grund sind Zeiteinsparungen auch ein wichtiges Element bei Nutzen-Kosten-Analysen für neue Verkehrsinfrastrukturen. Allerdings stellt sich mit der Zeit häufig Ernüchterung ein: Die neue, schnellere Verbindung ist nach kurzer Zeit genauso hoch ausgelastet wie die bisherige Verbindung. Die Ursache liegt auf der Hand: Wenn die Fahrtzeit schrumpft, werden plötzlich das Meeting am anderen Ende Deutschlands oder der Töpferkurs an der VHS im Nachbarort attraktiver als bisher. Und so sind am Ende mehr Menschen auf der gleichen Strecke unterwegs als es bisher der Fall war.

Was für den Einzelnen ein Gewinn sein mag, führt letztendlich in einen Teufelskreis: Mehr Infrastruktur führt zu mehr Verkehr und mehr Verkehr anschließend zu mehr Infrastruktur. Und die Verkehrsmengen auf den Hauptverbindungsstrecken wachsen immer weiter. Grund genug, bei der Planung neuer Verkehrsinfrastrukturen andere Maßstäbe anzusetzen. Wie wäre es mit einem Schuss mehr Lebensqualität?

Bei der Verkehrsplanung sollte eine moderne Gesellschaft nicht nur danach schauen, ob jemand durch eine neue Verbindung Zeit einspart, sondern auch wie. Nicht jede gewonnene Minute sollte der Gesellschaft auch gleich viel wert sein. Wer in einer schlecht angebundenen Gegend wohnt, profitiert meist überproportional von neuen Verbindungen. Ob Arbeitsplätze im Gewerbegebiet am anderen Ende der Stadt oder ein facettenreicheres Freizeitangebot in der Nachbarstadt – plötzlich können Angebote wahrgenommen werden, die bislang unerreichbar schienen. Das heißt nun nicht, dass statt der Förderung von Kultur- und Freizeitangeboten auf dem Land mehr Straßen gebaut werden sollen, um die Menschen zu den Angeboten in die Stadt zu bringen. Dennoch erhält damit die Verkehrsplanung eine soziale Komponente mit einem deutlichen gesellschaftlichen Mehrwert. Denn während in Ballungsräumen in der Regel sowohl die Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe (z. B. durch Freizeit- und Kulturangebote) als auch die dafür notwendigen Verkehrsverbindungen ausreichend zur Verfügung stehen, fehlt es in Randlagen oft an beidem.

Trotzdem folgt daraus nicht, dass die Hauptstrecken vernachlässigt werden sollen. Wenn der Verkehrskollaps droht, leidet die Qualität genauso wie dort, wo noch gar kein Verkehr fließt. Wer stundenlang im Stau oder der überfüllten S-Bahn stehen muss, verzichtet vielleicht auf die Fahrt – und wird damit in seinen Möglichkeiten beschnitten. Ein Ausbau bringt also auch hier einen Mehrwert. Eine stärkere Berücksichtigung der Qualität in der Planung von Verkehrsinfrastrukturen schärft den Blick dafür, dass Mobilität mehr ist als bloße (und schnellere, höhere und weitere) Ortsveränderung. Sie ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Es ist an der Zeit, diesen sozialen Aspekt des Verkehrs in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion zu stellen.

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