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Prognos trendletter | Mittwoch, 15.01.2020

Die Sozialwirtschaft – der verkannte Wachstumsmotor

Mit einem Beitrag von rund 5,5% zum BIP gehört die Sozialwirtschaft zu den größten deutschen Wirtschaftszweigen. Dennoch nehmen viele sie nur als ärgerlichen Posten auf der Gehaltsabrechnung wahr. Ein trendletter-Artikel von Lisa Krämer.

© Fotolia.com - Viacheslav Iakobchuk

Von Prognos-Expertin Lisa Krämer

Weniger Krankheitsfälle, zufriedenere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Kinder mit guten Bildungschancen – was die Sozialwirtschaft für das Gemeinwohl leistet, geht weit über sichere Arbeitsplätze hinaus. So sorgt das Gesundheitswesen beispielsweise dafür, dass Krankheiten durch Prävention verhindert bzw. durch angemessene Behandlung schnell überwunden werden. Das wirkt sich auch positiv auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum aus. In der Pflege entlasten professionelle Pflegekräfte (noch immer) vor allem Frauen bei der Pflege ihrer Angehörigen. Das sichert nicht nur Arbeitsplätze im Pflegesektor, es trägt auch zum Anstieg der Frauenerwerbsquote bei. Die Zahlen sprechen für sich: Seit der Einführung der sozialen Pflegeversicherung im Jahr 1995 stieg die Erwerbsquote von Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren von 60 Prozent auf 75 Prozent im Jahr 2017. Im selben Jahr wurden 921.900 Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 2 und höher in teil- und vollstationären Pflegeheimen durch 764.600 professionelle Pflegekräfte und anderes Personal betreut. Hinzu kamen 390.300 Beschäftigte in der ambulanten Pflege. Insgesamt belief sich die Zahl der Pflegefälle auf 3,36 Millionen. In den kommenden Jahren wird mit einem deutlichen Anstieg gerechnet, Schätzungen gehen von rund fünf Millionen Pflegefällen im Jahr 2045 aus.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wird das Sozialwesen auch weiterhin seine Rolle als Jobmotor behalten. Gleichzeitig trägt es dazu bei, den angesichts der demografischen Entwicklung absehbaren Fachkräftemangel in anderen Bereichen der Wirtschaft abzuschwächen, indem es Frauen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit erleichtert.

Allerdings: Trotz seiner volkswirtschaftlich großen Bedeutung werden im Sozialwesen Erwerbstätige häufig unterdurchschnittlich entlohnt. Gründe dafür liegen in der Schwierigkeit, die Ergebnisse ihrer Arbeit objektiv zu erfassen und zu bewerten, sowie in deren gesellschaftlich noch zu geringen Wertschätzung. Und es gibt einen weiteren Grund: Die Mehrheit der Arbeitsplätze im Sozialwesen wird über die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und zur sozialen Pflegeversicherung finanziert. Und je niedriger die Einkommen im Sozialwesen sind, desto eher kann die Bundesregierung ihr Versprechen einhalten, den Beitragssatz für die Sozialversicherung trotz des zu erwartenden Anstiegs der Pflegebedürftigen bis 2021 in Summe nicht über 40 Prozent steigen zu lassen.

Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetz zur besseren Bezahlung in der Pflege hat zum Ziel, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Gelingt dies, würde das auch positive Auswirkungen auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung haben.

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