Prognos Logo Print

Ansprechpartnerin

Felizitas Janzen

Pressekontakt
Tel.: +49 30 58 70 89 118
E-Mail: presse@prognos.com

Ansprechpartner

Dr. Michael Böhmer

Dr. Michael Böhmer

Partner | Chief Economist Corporate Solutions
Tel.: +49 89 95 41 586-701

Detailansicht
Prognos trendletter | Freitag, 14.02.2020

Wirtschaftswachstum durch Klimaschutz

„Klimaschutz kostet 1,5 bis 2,3 Billionen Euro” – so oder ähnlich lauteten Überschriften anlässlich der Studie „Klimapfade für Deutschland“. Und trotzdem sind die gesamtwirtschaftlichen Effekte der Klimaschutzmaßnahmen positiv. Wie passt das zusammen?

© Fotolia - Massimo Cavallo

Von Prognos-Experte Jan Limbers

Die genannten Billionenbeträge sind die bis zum Jahre 2050 kumulierten Mehrinvestitionen, welche für die Erreichung der deutschen Klimaschutzziele notwendig sind – zum Beispiel für die Gebäude- sanierung oder für neue Stromerzeugungsanlagen. Jährlich betrachtet machen diese Ausgaben zwei bis drei Prozent der gesamtwirtschaftlichen Investitionen aus. Modellrechnungen der Prognos-Expertinnen und -Experten zeigen: Die Klimaschutzmaßnahmen beschleunigen das Wirtschaftswachstum, den technischen Fortschritt und sorgen insge- samt für mehr Beschäftigung in Deutschland.

Aber wie kann es sich vor allem für Unternehmen positiv auswirken, wenn sie mehr in den Klimaschutz investieren? Und profitieren sie auch dann davon, wenn sie weniger Energiekosten einsparen, als die Mehrinvestitionen kosten, oder wenn andere Unternehmen sich nicht am Klimaschutz beteiligen?

Aus der Perspektive der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) ist die Frage einfach zu beantworten: Alle Ausgaben in einer Volks- wirtschaft landen als Umsatz bei den Unternehmen – und deren Bruttogewinne ergeben sich definitorisch nach Abzug ihrer Lohnkosten. Die Investitionen der Unternehmen sind Teil dieser Ausgaben. So paradox es klingt: Durch die Brille der VGR betrachtet steigen die Bruttogewinne der Unternehmen mit ihren Investitionsausgaben. Das einzelne Unternehmen jedoch hat bei seiner Investitionsplanung nur die Anpassung der eigenen Kapazitäten im Blick; der Umsatz und die Gewinne anderer Unternehmen sind hierfür irrelevant. Die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen steigert die Investitionen aller Unternehmen und erhöht als Konsequenz die Gewinn- und Lohneinkommen sowie nachgelagert die Konsumausgaben. Zudem werden Importe von Energieträgern reduziert – zusammengenommen sind positive Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt und die Gewinne der Unternehmen die Folge.

Welche Konsequenzen ein einzelnes Unternehmen verspürt, das im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in den Klimaschutz investiert, kann aus der Perspektive der VGR nicht gezeigt werden. Denkbar ist, dass Unternehmen als Folge der Mehrinvestitionen eine geringere Kredit- bonität aufweisen und dass sich ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit bzw. ihre Rentabilität verschlechtert (die höheren Abschreibungen sind Teil der Produktionskosten). Es ist auch zu berücksichtigen, dass ein Teil der zusätzlichen Investitionsgüter importiert werden muss und gegebenenfalls andere Investitions- oder Konsumausgaben verdrängt werden (Stichwort „crowding out“).

LABS spiegelt viele Eigenschaften moderner Ökonomien realitätsnah wider.

Die Berücksichtigung der genannten Einschränkungen ermöglicht ein neues ökonomisches Modell der Prognos: LABS (Large Agent Based Simulation) simuliert eine virtuelle ökonomische Welt, in der viele unterschiedliche Unternehmen, private Haushalte und der Staat – die sogenannten Agenten – mittels ihrer Entscheidungsregeln ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Sämtliche Transaktionen der Agenten untereinander und ihre Zustände werden auf der individuellen Ebene modelliert. Die gesamtwirtschaftlichen Zustände resultieren in LABS aus der Interaktion der Agenten (Bottom-up-Perspektive).

Mit LABS erstellen Prognos-Expertinnen und -Experten ein Referenzszenario, welches viele Eigenschaften moderner Ökonomien realitätsnah widerspiegelt. Die Unternehmen entscheiden darin autonom nach betriebswirtschaftlichen Kriterien über ihre Investitionen. In einer Reihe von Alternativszenarien wird die Intensität der Mehrinvestitionen (in Relation zu den Investitionen des Referenzszenarios) sowie ihre Reichweite (Anteil der zusätzlich investierenden Unternehmen an den Unternehmen insgesamt) über einen Simulationszeitraum von dreißig Jahren variiert. Von einer Verringerung der Energiekosten als Folge der Mehrinvestitionen sehen die Szenarien ab. Ihre Berücksichtigung würde sich positiv auf die Gewinne der investierenden Unternehmen auswirken.

Die Szenarien markieren aufgrund der getroffenen Annahmen (u. a. fehlende Berücksichtigung eingesparter Energiekosten, intensiver Preiswettbewerb) den unteren Rand der zu erwartenden Effekte eines verstärkten Klimaschutzes auf die Wirtschaftsleistung. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen bei der Maßnahmenplanung spricht auch in ökonomischer Hinsicht alles für eine Ausweitung der Investitionen in den Klimaschutz. Innovative Modelle wie LABS können helfen, bei der Gestaltung der Maßnahmen die Ziele des Klimaschutzes und die der ökonomischen Akteure bestmöglich aufeinander abzustimmen.

undefinedZum trendletter-Magazin „Wachsen aber richtig“

undefinedDen trendletter abonnieren