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Prognos trendletter | Donnerstag, 27.02.2020

Ist weniger wirklich mehr?

Weniger Zeit im Stau, weniger Kosten fürs Heizen und weniger Einsamkeit im Alter – weniger ist oft mehr. Warum kann das in einigen Bereichen sinnvoll sein? Und wie können wir in der Praxis tatsächlich mit weniger auszukommen?

© Nils Richter

Von Prognos-Experte Dominik Rau

Noch immer verbraucht der Mensch immer mehr statt weniger Ressourcen, zerstört immer mehr Natur,  statt sie zu erhalten. So viel steht fest: Lange wird das nicht mehr gut gehen. Jüngste Berichte über das Artensterben und den Klimawandel verdeutlichen den akuten Handlungsdruck. Ist ein von natürlichen Ressourcen entkoppeltes grünes Wachstum die Lösung? Bisher bleibt dies ein Versprechen, das nicht  eingelöst  wird. Im Gegenteil: Weltweit steigt der Materialverbrauch seit 2010 sogar schneller an als die  Wirtschaftsleistung und um die Klimakrise noch vermeiden zu können, müssen die Treibhausgas-Emissionen schnellstmöglich gesenkt werden.

Nachhaltige Lösungen bestehen nicht nur aus dem Einsatz umweltfreundlicher Technologien  wie  erneuerbarer Energien (Konsistenz) und einem sparsamen Einsatz von Energie und Ressourcen pro Mengeneinheit (Effizienz). Zusätzlich müssen sie auch Suffizienz als wichtige dritte Säule beinhalten.  Suffizienz heißt, durch ein verändertes Verhalten die Mengentreiber zu reduzieren.

Durch den weltweiten Ausbau von Straßennetzen und die Errichtung neuer Gebäude werden Flächen versiegelt, Ressourcen verbraucht sowie Treibhausgase ausgestoßen. Allein mit der Zementherstellung ist weltweit der Ausstoß von über vier Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr verbunden. Bei gleichbleibender  Bautätigkeit wäre damit ein Drittel des Treibhausgas-Budgets für die Klimaziele von Paris schon aufgebraucht. Die Wohnungsnot in Ballungsräumen scheint eine Ausweitung des Wohnungsneubaus zu rechtfertigen – andererseits hat Deutschland trotz erhöhter Zuwanderung und bis 2021 angestrebten 1,5 Millionen neuen Wohnungen aktuell etwa die gleiche Einwohnerzahl wie schon vor fünfzehn Jahren. Wie die Umwelt ohne Verzicht geschont werden kann, zeigen Ideen aus dem Bereich Wohnungsbau. Aber  könnten wir  auch mit weniger neuen Gebäuden auskommen, ohne dass es uns schlechter ginge? Das  Potenzial an ungenutzten Wohnflächen ist groß. Gut die Hälfte aller Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland ist 60 Jahre und älter. Oft wohnen sie weiterhin in ihren ursprünglich für drei, vier oder mehr Personen konzipierten Eigenheimen, auch wenn die Kinder längst aus dem Haus sind. In der Summe geht es deutschlandweit um 7,4 Millionen. Häuser mit erheblichem Anteil an leerstehenden Räumen. An Lösungen mangelt es nicht: So können die Wohnflächen dem Bedarf angepasst  oder  Flächen gemeinschaftlich genutzt werden. Auch für die Reduktion von Wohnfläche gibt  es bereits vielfältige Ideen, die in innovativen Architekturkonzepten schon heute umgesetzt werden.

Auch wo neu gebaut wird und wie neue Quartiere geplant sind, bestimmt wesentlich mit, wie  zukunftsfähig Städte sind. Die Verkehrsmengen, die durch die autofokussierten Stadtplanungen der  vergangenen Jahrzehnte heute noch spürbar sind, lassen sich durch eine umsichtige integrierte Planung verringern. Quartiere mit kombinierten Wohn-, Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten schaffen Räume mit  deutlich höherer Lebensqualität. Durch kürzere Fahrten bleibt mehr Zeit für Freizeit und Familie. Ganz nebenbei führen integrierte Quartiere zu einem geringeren CO2-Ausstoß und weniger versiegelten Flächen.

Für die Realisierung von Suffizienz und die Änderung unserer Konsummuster gibt es kluge Vorschläge und Ideen, die neben einer reinen Reduktion in anderen Bereichen erhebliche Vorteile bieten. Weniger  kann also tatsächlich mehr bedeuten – für die Umwelt, für das soziale Miteinander und damit letztlich auch für die Wirtschaft.

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