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Abfallentsorgung | Freitag, 18.12.2020

Deponiebedarf für mineralische Abfälle in Sachsen

Ein Großteil der mineralischen Abfälle in Sachsen wird verwertet. Der Rest wird auf Deponien entsorgt. Wie sich der Deponierungsbedarf bis 2035 entwickelt, ermittelte Prognos für das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

© iStock- filmfoto

Im Freistaat Sachsen wurden im Jahr 2016 rund 17 Mio. Tonnen gefährliche und nicht gefährliche Abfälle entsorgt, darunter rund 10 Mio. Tonnen Bau- und Abbruchabfälle verwertet bzw. beseitigt. Davon entfielen 4,2 Millionen Tonnen auf Boden und Steine, 3,5 Millionen Tonnen auf Bauschutt und 1 Millionen Tonnen auf Straßenaufbruch. Ein Großteil der Bau- und Abbruchabfälle wurde in übertägigen Abbaustätten (7 Millionen Tonnen), sowie in Bauschuttaufbereitungsanlagen (3,3 Millionen Tonnen) verwertet und rund 1 Millionen Tonnen deponiert.

Mineralische Abfälle stellen mengenmäßig in Deutschland wie auch in Sachsen die größte Abfallgruppe dar. „Auch in Zukunft wird es notwendig sein, nicht verwertbare mineralische Bauabfälle auf Deponien zu entsorgen,“ erläutert Prognos-Projektleiterin Nadja Schütz. Im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ging Prognos der Frage nach, wie sich der Deponierungsbedarf für mineralische Bauabfälle im Freistaat Sachsen bis zum Jahr 2035 entwickeln wird.

Bestehende und geplante Deponien

Im Freistaat Sachsen befinden sich derzeit lediglich zwei Deponien der Klasse 0 (für Abfälle mit geringem Schadstoffstoffgehalt) und eine 2018 in Betrieb genommene Deponie der Klasse I (für mäßig belastete, nicht gefährliche Abfälle) in der Ablagerungsphase. Darüber hinaus gibt es sechs Deponien der Klassen 0 und I in der Stilllegungsphase. Diese nehmen kaum belastete mineralische Abfälle an, die sie zur Herstellung des Oberflächenabdichtungssystems verwendet werden können. Aktuell sind zwei Deponien der Klasse 0 sowie eine Deponie der Klasse I genehmigt bzw. befinden sich im Bau.

Prognose für 2035

Für das Jahr 2035 prognostiziert die Studie 9,6 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle, die in Sachsen zu entsorgen sind. Das entspricht einer Steigerung von 7,5 Prozent gegenüber 2016 und einer Zunahme von 0,4 Prozent pro Jahr. „Aber nicht nur die Abfallmenge wird wachsen,“ so Prognos-Projektleiterin Nadja Schütz, „sondern aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen werden auch mehr mineralische Abfälle auf Deponien abgelagert werden.“ So führen beispielsweise die Vorgaben des „Merkblatts zu den Anforderungen an die Verwertung bergbaufremder mineralischer Abfälle in Tagebauen unter Bergaufsicht“ dazu, dass Bauschuttmengen aus den nicht bestandsgeschützten Tagebauen voraussichtlich auf Deponien verlagert werden. Das Verbot, Straßenausbaustoffe mit teer-/pechtypischen Bestandteilen zu verwerten, erhöht ebenfalls die Ablagerungsmenge und wirkt sich somit auf den Deponiebedarf aus.

Künftiger Deponierungsbedarf

Für die Deponieklasse 0 ermittelt die Studie im Basisszenario einen Deponierungsbedarf für in Sachsen erzeugte Abfälle von 500.000 Tonnen im Jahr 2016. Dieser steigt bis zum Jahr 2035 auf jährlich 601.000 Tonnen. Insgesamt ergibt sich somit im Betrachtungszeitraum 2016–2035 ein Bedarf von 11,3 Millionen Tonnen für die Deponieklasse 0. Werden die Kapazitäten auf den Deponien in der Ablagerungs- und Stilllegungsphase sowie der beiden genehmigten Deponieneuplanungen berücksichtigt, so lässt sich für das Basisszenario eine Restlaufzeit bis 2026 für die Deponieklasse 0 prognostizieren.

Für die Deponieklasse I wurde im Basisszenario ein Deponierungsbedarf von 68.000 Tonnen für das Jahr 2016 im Freistaat Sachsen errechnet. Bis zum Jahr 2035 steigt dieser Bedarf auf 159.000 Tonnen pro Jahr. Über den Betrachtungszeitraum ergibt sich im Freistaat Sachsen ein Deponierungsbedarf von insgesamt 2,6 Millionen Tonnen. Seit 2018 ist eine neue Deponie dieser Klasse in Betrieb und eine weitere wurde bereits genehmigt. Unter Berücksichtigung der errichteten und geplanten Deponie der Klasse I besteht bei dem prognostizierten Deponierungsbedarf für die Klasse I eine theoretische Restlaufzeit bis über das Jahr 2035 hinaus.

Vorgehensweise

Für die Studie wurden öffentliche Statistiken, Studien und Daten ausgewertet. Für die Berechnungen nutzte die Prognos AG eigene Modelle, etwa das Prognos-Gewerbeabfallmodell, den Prognos Economic Outlook sowie das Prognos-Deponiemodell. Um die Menge an mineralischen Abfällen zu prognostizieren, die im Jahr 2035 in Sachsen zu beseitigen sein werden, wurde die bisherige Entwicklung der Abfallmengen im Freistaat, zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und weitere Einflussfaktoren (wie beispielsweise die Entwicklung im Hoch- und Tiefbau, beim Straßen- und Wegenetz, bei den Abfällen aus thermischen Prozessen) berücksichtigt.

undefinedDirekt zur Studie „MinRessource – Deponiebedarf für mineralische Abfälle im Freistaat Sachsen bis 2035“ (Internetseite des Freistaates Sachsen)