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Überblick über unsere Veröffentlichungen und Auftragsstudien

CO2-Emissionspfade im Gebäudebereich aufgrund eines Verbots fossiler Heizungen

Analyse und Vergleich verschiedener Varianten

Der Gebäudebereich muss einen substantiellen Beitrag leisten, damit die langfristigen Klimaziele erreicht werden können. In der Schweiz haben sich die Kantone das Ziel gesetzt, bis 2050 die CO2-Emissionen aus Gebäuden um über 90 % unter das Niveau von 1990 zu senken.
Um die angestrebte Emissionsreduktion im Gebäudebereich sicherzustellen, möchte das Bundesamt für Umwelt für die Klimapolitik nach 2020 im Gebäudebereich einen CO2-Zielpfad mit Zwischenzielen für Emissionen festlegen. Gehen die CO2-Emissionen trotz den bereits geplanten Massnahmen nicht ausreichend zurück, sieht der Bund zur Sicherstellung der Zielerreichung eine Ersatzvornahme vor: Ein nationales Verbot des Ersatzes und Einbaus von fossilen Heizungen ab dem Jahr 2030.

Die Prognos AG untersuchte für das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU), welche Wirkung ein nationales Verbot des Ersatzes und Einbaus von fossilen Heizungen ab dem Jahr 2030 hätte. Hierzu wurden verschiedene Szenarien analysiert:

Zwei Varianten zum Einführungszeitpunkt der Ersatzvornahme

  • ohne Übergangsfrist (d.h. ab 2030) und
  • mit einer Übergansfrist von 5 Jahren,
Zwei unterschiedlichen Eingrifstiefen
  • Verbot aller fossiler Systeme und
  • Verbot nur von Ölheizungen

Zwei Basisszenarien für die Entwicklung bis 2050

  • WWB («Weiter wie bisher») 
  • POM («Politisches Massnahmenpaket des Bundes»)

Hierzu wurde eine modellbasierte Wirkungsabschätzung durchgeführt. Der Bestand der Heizungsanlagen wird mit Hilfe eines sogenannten Kohortenmodells im Zeitverlauf fortschreiben. In diesem werden die jährlichen Absätze und die mittlere Lebensdauer der Heizungsanlagen mit ihren spezifischen Wirkungsgraden sowie nach Energieträgern abgebildet. Durch das Verbot sinken die abgesetzten und neu eingebauten fossilen Heizungen markant ab. Aufgrund von Ausnahmeregelungen dürfen bei einem geringen Anteil der Sanierungsfälle weiterhin fossile Anlagen eingesetzt werden. Insgesamt gehen die jährlichen Absätze jedoch gegenüber den Basisszenarien ohne Verbot um über 90 % zurück. Infolgedessen nimmt nach Einführung des Verbots auch der Anlagenbestand ab 2030 stark ab.  


Insgesamt wurden acht Emissionspfade ermittelt, d.h. untersucht, wieviel CO2-Emissionen in den verschiedenen Szenarien eingespart werden können. Für die Modellierung der Emissionspfade wurde als Vereinfachung angenommen, dass sich der Erdgas- und Heizölverbrauch für Raumwärme und Warmwasser proportional zum Bestand der Heizungen verringern. Die damit verbundenen CO2-Emissionen hängen direkt vom Verbrauch ab.


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Das Verbot ist erwartungsgemäss sehr effektiv. In den Basisszenarien "Weiter-wie-bisher" (WWB) und "Politische Massnahmen" (POM) wird das Emissionsziel deutlich verfehlt (grüne Linie in Abb.). Die Umsetzungsvarianten mit einem Verbot von Heizöl- und Erdgasheizungen erreichen das Ziel. Einzig in der Variante mit einer Übergangsfrist von 5 Jahren und einer geringen Effizienzentwicklung (Pfad 2) wird das Ziel knapp verfehlt.

Bei den heutigen Preisen für fossile Energieträger ist die erneuerbare Wärmeerzeugung in vielen Fällen gegenüber fossiler derzeit nicht konkurrenzfähig. Unter diesen Bedingungen wäre die Wirtschaftlichkeit eines gesetzlichen Verbots fossiler Heizungen wahrscheinlich nicht in allen Fällen gesichert. Es könnte daher sinnvoll sein, eine solche Gesetzgebung mit einer eindeutigen Güterabwägung oder flankierenden Instrumenten (wie z.B. entsprechend hohen CO2-Abgaben auf fossile Energieträger oder Förderungen für erneuerbare Wärmeerzeugung) abzusichern.

Autor: Dr. Almut Kirchner, Dr. Andreas Kemmler, Natalie Maye

Kunde: Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Jahr: 2016

Typ: Studie

Bereich:

Themenfeld: Klimaanpassung & Nachhaltigkeit

Tags: CO2, Emissionen, Energieeffizienz, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Schweiz, Szenario, Umwelt