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Überblick über unsere Veröffentlichungen und Auftragsstudien

Weiterentwicklung des EEG im Hinblick auf die Kosten industrieller Verbraucher

Die Prognos AG wurde zusammen mit seinem Unterauftragnehmer Boos Hummel & Wegerich (BH&W) im Juli 2015 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Projekts „Weiterentwicklung des EEG im Hinblick auf die Kosten industrieller Verbraucher“ (Projekt-Nr. 40/15) beauftragt, die Auswirkungen der EEG Novelle 2014 auf die Industrie zu untersuchen. Eine zentrale Rolle der EEG-Novelle 2014 nahm zum einen die Anpassung der Umlagen-Belastung der stromintensiven Letztverbraucher in Konformität mit den im April 2014 durch die Europäische Kommission erlassenen Umweltschutz- und Energie-Beihilfeleitlinien (kurz: UEBLL) ein. Zum anderen wurde erstmalig auch die Eigenversorgung mit Strom mit der Umlage belastet. Beide Gesetzesänderungen haben Auswirkungen auf die individuelle Belastung von industriellen Stromverbrauchern.

Das Ziel dieses Vorhabens war, den Auftraggeber bei der Weiterentwicklung des EEG 2014 umfassend zu unterstützen und dazu beizutragen, den Evaluierungsprozess mit fachlichem Wissen im wissenschaftlichen Rahmen zu führen. Das Projekt konzentrierte sich auf stromkostenintensive Industrieunternehmen, die unter die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) des EEG fallen. Die Analysen gliederten sich in drei inhaltliche Teilprojekte:
  1. Besondere Ausgleichsregelung – Durchschnittsstrompreise
  2. Stromeffizienz-Benchmarks
  3. Eigenversorgung

Teilbericht 1: Besondere Ausgleichsregelung – Durchschnittsstrompreise

Die im April 2014 veröffentlichten Leitlinien für staatliche Umweltschutz- und Energiebeihilfen 2014 – 2020 (nachstehend „UEBLL“) sehen vor, dass für die Gewährung von Erleichterungen oder Ausnahmen von Finanzierungsbeiträgen zur Förderung erneuerbarer Energien zugunsten industrieller Stromverbraucher auf den angenommenen Strompreis abgestellt werden muss. Der angenommene Strompreis ist gemäß UEBLL der in den Mitgliedstaaten anwendbare durchschnittliche Endkundenstrompreis für Unternehmen mit einem ähnlichen Stromverbrauch, siehe näher dazu Anhang 4 der UEBLL.

Der Schwerpunkt der Arbeiten in diesem Teilprojekt lag auf der wissenschaftlichen Unterstützung des BMWi bei der mit den UEBLL konformen Weiterentwicklung und Umsetzung des Erhebungs- und Berechnungskonzepts für Durchschnittsstrompreise. Verschiedene Konzepte zur Berechnung von Durchschnittsstrompreisen für die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) wurden geprüft und das geeignetste Konzept weiter optimiert. Ein Fokus der Bewertung lag – neben der Genauigkeit der ermittelten Durchschnittsstrompreise – auf der ökonomischen Folgenabschätzung für die antragstellenden Unternehmen. Für jedes Verfahren zur Durchschnittsstrompreisbildung wurde untersucht, ob und in welchem Umfang sich die Zugangsberechtigung für die antragstellenden Unternehmen zur BesAR verändert.

Die Ergebnisse dieser Analyse sind als Berechnungsgrundlagen in die „Verordnung zu durchschnittlichen Strompreisen für die Besondere Ausgleichsregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes“ vom 06.01.2016 eingeflossen.

Teilbericht 2: Stromeffizienz-Benchmarks

Der anzusetzende Stromverbrauch ist eine wichtige Stellschraube für die Zugangsvoraussetzung „Strom-kostenintensität“ (SKI) der Besonderen Ausgleichsregelung. Die europäischen Beihilferichtlinien sehen vor, dass für die Berechnung des Stromverbrauchs ggf. Stromverbrauchseffizienzbenchmarks, also ein einheitlicher standardisierter Stromverbrauch für die Unternehmen einer Branche heranzuziehen ist. Anderenfalls ist das arithmetische Mittel des individuellen Stromverbrauchs des Unternehmens der letzten drei Jahre heranzuziehen (vgl. UEBLL, Anhang 4).
Das Ziel dieser Analyse war die Bewertung von Ansatzpunkten und Wirkungsweisen von Effizienzanforderungen, insbesondere von Benchmarks. Bewertet wurden die heutigen Einsatzmöglichkeiten bestehender Benchmarks und deren mögliche Weiterentwicklung für einen Einsatz in der BesAR. Im Fokus stand neben der heutigen und zukünftigen Einsetzbarkeit von Benchmarks auch die Frage, welche Effizienzanreize von den verschiedenen Optionen ausgehen.
Die Verwendung von Benchmarks und sonstigen Effizienzanforderungen wurde für einen Einsatz in der BesAR sowohl als Zugangsvoraussetzung als auch auf der Rechtsfolgenseite bewertet. Die Bewertung umfasste die  Konsistenz der Einführung mit den heutigen UEBLL und dem EEG (2014) bzw. EEG (2017), die Gleichbehandlung der Unternehmen unter Berücksichtigung der Heterogenität der Antragsteller sowie die zusätzlichen Kosten bei diesen Unternehmen. Geprüft wurde auch, welcher zusätzliche Aufwand auf Seiten der Behörden entstehen könnte.
Die Analysen ergaben, dass heute noch kein Benchmarking-System verfügbar ist, das mit vertretbarem Aufwand für Unternehmen und Behörden und unter Einhaltung des Gleichbehandlungsgrundsatzes kurzfristig in die BesAR implementiert werden kann. Dies gilt sowohl für die Zugangsvoraussetzungen als auch für die Rechtsfolgenseite.

Die Studie zeigt aber auch, dass ein um prozess- und produktbezogene Benchmarks ergänztes und weiterentwickeltes Stromeffizienz-Benchmarksystem, das die Prozesse und Produkte der Unternehmen in der BesAR, ggf. unter Hinzuziehung von Fallback-Benchmarks, weitgehend abdeckt, mit UEBLL vereinbar wäre. Allerdings ist hier noch viel Entwicklungsarbeit nötig. Übergreifend wurde festgestellt, dass Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz einfacher und rechtssicher auf der Rechtsfolgenseite implementiert werden können.

Teilbericht 3: Eigenversorgung

Analysiert wurden die wirtschaftliche Situation der Eigenversorgung (Verbrauch selbst erzeugten Stroms) im Jahr 2015 und die Auswirkungen einer EEG-Belastung auf den Betrieb von insbesondere industriellen Eigenversorgungsanlagen. Betrachtet wurden Bestandsanlagen sowie neue Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Anlagen). Die Grundlage für diese Untersuchung wurde in Form einer systematischen Übersicht über die bestehenden Stromerzeugungsanlagen erarbeitet, die im Sinne des EEG 2014 zur Eigenversorgung eingesetzt werden. Insgesamt betrug die Eigenversorgung in Deutschland 2014 rund 57 TWh, mit rund 85 % lag der Schwerpunkt in der Industrie.
Aufbauend auf dieses Datengerüst wurden die Effekte analysiert, die die 2014 eingeführte Eigenverbrauchs-regelung des EEG auf die Wirtschaftlichkeit der Anlagen einzelner Akteure hat und welche Effekte von veränderten Eigenverbrauchsregelungen ausgehen können. Hierfür wurde in einem typologischen Ansatz für insgesamt repräsentative 24 Abnahmefälle der Eigenversorgung aus Industrie, Gewerbe und Haushalten zunächst in einer Deckungsbeitragsrechnung die Wirtschaftlichkeit für den Anlagenbestand untersucht. In Vergleichsrechnungen wurde anschließend analysiert, welchen Einfluss die von der Europäischen Kommission geforderte Belastung von Bestands- und Ersatzanlagen bzw. Modernisierungen (20-prozentige EEG-Belastung) und für zusätzliche Anlagen (100-prozentige EEG-Belastung) auf die Wirtschaftlichkeit der Eigenversorgung nimmt.

Die Analysen zeigen ein differenziertes Bild der Eigenversorgung in der deutschen Industrie: Unter den heutigen Rahmenbedingungen, die die Eigenversorgung aus Bestandsanlagen nicht mit der EEG-Umlage belasten, ist der Betrieb dieser Anlagen aufgrund der eingesparten Abgaben und Umlagen wirtschaftlich. Insbesondere in Unternehmen außerhalb der BesAR können hohe Deckungsbeiträge erzielt und Kosten gegenüber dem Strombezug eingespart werden. Generell reduziert eine EEG-Belastung der Eigenversorgung die Gewinnmargen vernetzter Prozesse und verschlechtert die Situation der betroffenen Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Die Auswirkungen auf die bestehenden Eigenversorgungskonzepte sind jedoch unterschiedlich. Eine vollständige EEG-Belastung für neu errichtete Stromerzeugungsanlagen zur Eigenversorgung würde allerdings dazu führen, dass ein Großteil der Projekte in Unternehmen außerhalb der BesAR aufgegeben wird, da sie die minimalen Renditeerwartungen nicht erfüllen. Eine annähernde Wirtschaftlichkeit ist dann nur in Ausnahmefällen erreichbar, beispielsweise durch die Nutzung von Kuppelgasen und Reststoffen.

Autor: Marcus Koepp, Eva-Maria Klotz, Karsten Weinert und Dr. Heidrun Schalle (Boos Hummel & Wegerich (BH&W))

Kunde: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Jahr: 2016

Typ: Studie

Bereich: Energie & Klimaschutz

Themenfeld: Energie- & Klimaschutzpolitik

Tags: Eigenverbrauch, Energieeffizienz, Energieeinsparung, Energiewende, Energiewirtschaft, Erneuerbare Energien, Stromerzeugung, Stromversorgung