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Die Bedeutung der deutschen Wirtschaft für Europa

Studie für den vbw

Der starke deutsche Exportsektor steht anhaltend in der Kritik – dabei profitieren auch die europäischen Partnerländer von einer wettbewerbsfähigen deutschen Industrie.

Die Volkswirtschaften von hochentwickelten Ländern sind eng miteinander verflochten. Besonders stark ausgeprägt ist die ökonomische Verflechtung zwischen den europäischen Ländern. Auf Grundlage der Strukturen des Europäischen Binnenmarktes konnten sich in den vergangenen Jahrzehnten eine hochgradige internationale Arbeitsteilung und ein sehr intensiver Güteraustausch etablieren.

Deutsche Importnachfrage gewährleistet EU-weit 4,8 Millionen Arbeitsplätze

Die enge Verflechtung bedeutet auch, dass die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere in einer großen Volkswirtschaft wie Deutschland, die wirtschaftliche Dynamik in den jeweiligen Partnerländern mitbeeinflusst. Dies führt die vorliegende Untersuchung anschaulich vor Augen: Bereits die isolierte Betrachtung des deutschen Importbezugs aus den europäischen Partnerländern zeigt die zentrale Bedeutung der größten Volks-wirtschaft des Kontinents. In Ländern wie Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden oder Österreich induziert die deutsche Importgüternachfrage zwischen 7 und 8 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung – und zeigt sich damit für jeweils hunderttausende Arbeitsplätze verantwortlich.

EU-weit gewährleistet die deutsche Importnachfrage fast 4,8 Millionen Beschäftigungsverhältnisse. Für die höchsten Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte zeigt sich dabei nicht der private Konsum, sondern die Nachfrage der deutschen Industrie nach Vorleistungs- und Investitionsgütern verantwortlich – allein darauf entfallen 3,4 Millionen Beschäftigte.

Dabei zeigt sich, dass vor allem jene Europäischen Länder von der deutschen Industrie profitieren, die besonders eng mit ihr verflochten sind. Das gilt insbesondere für die mittelosteuropäischen, aber auch für die kleineren westeuropäischen Nachbarländer Deutschlands. Jene (zumeist südeuropäischen) Länder, die in den vergangenen Jahren ein vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum aufwiesen, profitieren im Ver-gleich dazu weniger stark. Neben der geografischen Entfernung zeigt sich dafür die häufig vergleichsweise schwache industrielle Basis verantwortlich: Es werden nur in geringerem Umfang Güter hergestellt, die für die Verwendung in den Produktionspro-zessen der deutschen Industrie gefragt sind.

Eine dynamische deutsche Industrie bremst also keineswegs die Entwicklung in den europäischen Nachbarländern. Vielmehr stellt sie umgekehrt eine wichtige Triebfeder für deren eigene Wachstumsdynamik dar. Dies verdeutlicht ein Szenario, in dem die deutsche Volkswirtschaft bis 2019 stagnieren würde: In diesem Fall läge die Wirtschaftsleistung der übrigen Länder der Europäischen Union in der Summe um 18 Mrd. Euro niedriger als in der Basisprognose, in dem die deutsche Wirtschaftsleistung in den Jahren 2017 bis 2019 im Durchschnitt um 1,8 Prozent pro Jahr zulegt.

Auch die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie führt nicht zu einer breiten Marktverdrängung von Unternehmen aus den übrigen Ländern. Vielmehr profitieren die übrigen Volkswirtschaften Europas von der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Sie können ihren Importbedarf günstiger decken und bedienen ihrerseits die starke deutsche Importnachfrage.

Diese Wirkzusammenhänge zeigt ein zusätzliches Szenario auf, in dem die grenzüberschreitenden Auswirkungen von höheren Lohnstückkostensteigerungen in Deutschland untersucht wurden: Eine weniger wettbewerbsfähige deutsche Industrie hätte einen niedrigeren deutschen Importbedarf und höhere Preise für deutsche Exportgüter zur Folge und würde damit die Wirtschaftsdynamik in den übrigen Ländern der Europäischen Union dämpfen. Besonders die ökonomisch eng mit Deutschland verflochtenen Länder würden leiden. Die Wirtschaftsleistung in Österreich, Ungarn, Polen und Slowakei läge in diesem Szenario im Jahr 2023 zwischen 0,2 Prozent und 0,3 Prozent niedriger als im Basisszenario.

Die Ergebnisse machen deutlich: Befürchtungen, dass eine wettbewerbsfähige und wachstumsstarke deutsche Industrie die wirtschaftliche Dynamik in anderen Ländern bremsen würde, sind unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall.

Autor: Michael Böhmer

Kunde: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw)

Jahr: 2017

Typ: Studie

Themenfeld: Volkswirtschaftliche Grundsätze

Tags: Handel, Volkswirtschaft