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Methodik

ZUKUNFTSATLAS® BRANCHEN

Methodik

Hintergrundinformationen, methodische Grundlagen und Ansätze zum Vorgehen einer Kompetenzfeldanalyse.

Die Prognos AG hat mit dem „Zukunftsatlas® Branchen 2009“ den ersten Schritt einer zukunftsorientierten Cluster-/Kompetenzfeldanalyse deutschlandweit durchgeführt. Mit der Analyse der Zukunftsfelder ist die Basis -für die aktive Nutzbarmachung vorhandener endogener Potenziale im Rahmen einer zukunftsorientierten regionalen Wirtschaftsförderung und Wirtschaftspolitik geschaffen. Vor Ort können die vorhandenen Strukturen genutzt werden, um wichtige Themen in den Zukunftsfeldern zu besetzen und zu vermarkten.

Bedingungen für Kompetenznetze und Cluster: Idealfall eines Clusters

Anhand einer Clusteranalyse lässt sich ein vollständiges Bild der Industrie- und Dienstleistungsstruktur einer Region ermitteln. Es wird - ausgehend von bedeutenden Erzeugerbetrieben im Industrie- und Dienstleistungsbereich - untersucht, ob

  • unterstützende Branchen,
  • verwandte Branchen,
  • notwendige Dienstleistungsbetriebe und
  • erforderliche Forschungseinrichtungen

in der Region ansässig sind.

Was ist ein Cluster und was ist ein Kompetenzfeld?

Ein Cluster (englisch: Schwarm, Gruppe) ist ein Verbund von Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie unterstützenden Einrichtungen, deren insgesamt hohes Entwicklungspotenzial auf ihrer engen und vielfältigen Vernetzung basiert. Durch die Zusammenarbeit stärken die Schlüsselunternehmen einander; auch für die Zulieferfirmen ergibt sich ein breites Aufgabenfeld.

Branchencluster zeichnen sich durch die Verbindung von Stufen der Wertschöpfungskette eines Produktes/einer Dienstleistung oder einer Produkt-/Dienstleistungsgruppe aus, die nicht oder nicht vollständig in einem einzigen Unternehmen gefertigt werden. Neben dieser vertikalen Dimension ist oft auch eine horizontale Dimension erkennbar, z.B. bei Kooperationen von mehreren Unternehmen auf einer Wertschöpfungsstufe. Wenn diese Aktivitäten räumlich konzentriert sind, liegen regionale Cluster vor.

Für eine Clusteranalyse sind streng genommen folgende Elemente notwendig:

  • Grundvoraussetzung: Kritische Masse (Anzahl Beschäftigte und Unternehmen)
  • Identifikationen von Wertschöpfungsketten (von FuE über das fertige Endprodukt bis hin zu nachgelagerten Dienstleistungen)
  • Identifikation von Key-Playern
  • Identifikation von Verflechtungsbeziehungen (Wer arbeitet wie zusammen?)
  • Identifikation von Technologieplattformen
  • Identifikation von Defiziten in der Infrastruktur
  • Funktionierende Cluster zeichnen sich u.a. durch folgende Bausteine aus:

    • Synergien und Komplementaritäten
    • Transfer von Technologien, Qualifikationen, Marktinformationen, Managementstrategien

Ein Kompetenzfeld ist die thematische Fokussierung auf eine bestimmte Branche bzw. ein spezifisches Technologiethema. Aus regionaler Sicht bedeutet Kompetenzfeldstrategie die Konzentration der Anstrengungen und knappen Mittel auf vielversprechende endogene Potenziale in bestimmten abgegrenzten Themenfeldern.

Eine regionale Kompetenzfeldstrategie hat das Ziel, vorhandene wirtschaftliche und wissenschaftliche Potenziale zu bündeln und zu nutzen, um die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und im Idealfall Wissens-, Technologie- und Nutzungsvorsprünge mit dem Ziel der Marktführerschaft zu erarbeiten.

Für eine periphere ländliche Region ohne Anbindung an eine Agglomeration ist es bspw. schon aufgrund der fehlenden FuE-Einrichtungen schwierig, Cluster zu etablieren. Als eine „schwächere“ Form eines Clusters wird ein Kompetenzfeld oder Kompetenznetz gesehen. Demnach ist für viele ländliche (und periphere) Regionen das Ziel eines Clusters i.e.S. nicht erreichbar, wohl aber die Etablierung eines Kompetenznetzes anzustreben.

Das Ideal eines Kompetenznetzes...

  • hat einen thematischen Fokus (= Kompetenzfeld),
  • ist explizit auf die Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette (oder zumindest großer Teile dieser) hin ausgerichtet,
  • besteht aus lokal konzentrierten aber überregional agierenden Kooperationsverbünden leistungsfähiger Partner,
  • umfasst mehrere Wertschöpfungsstufen (vertikale Vernetzung) unterschiedlicher Branchen und Disziplinen (horizontale Vernetzung),
  • ist in innovationsfreundliche Rahmenbedingungen eingebettet („innovation communities“, „innovative Milieus“),
  • zeichnet sich durch enge Interaktion und Kommunikation der Akteure ab,
  • ist in der Lage, Innovationen zu generieren, die auf dem Weltmarkt voll konkurrenzfähig sind.

In der Praxis geht es aber nicht mehr nur um die branchenspezifische Förderung eines spezifischen Clusters, sondern auch um die Schaffung von Mehrwerten für die Wirtschaftsakteure. Zu besetzende Technologiefelder und Zukunftsthemen lassen sich zwar ansatzweise über einen sektoralen Branchenansatz identifizieren, im Detail sollte dieser aber mit einer funktionalen Analyse kombiniert werden, um zu untersuchen, welche Unternehmen und Akteure in einem Themenfeld kooperieren können. Diese Notwendigkeit ergibt sich bspw aus der immer stärkeren „Verwischen der Branchengrenzen“ sowie einer einhergehenden Verknüpfung von Industrie und Dienstleistungen. So werden bspw. dem immer stärker Komplett-lösungen nachgefragt. Anbieter von (Industrie-)Produkten auf der einen und von hochwertigen wissensintensiven Dienstleistungen auf der anderen Seite stehen damit vor der Herausforderung, ihr Angebot dem Kundenwunsch anzupassen und in größerem Umfang sog. „hybride Wertschöpfung“ zu erbringen. Um einen Mehrwert gegenüber der separaten Erbringung von Sach- und Dienstleistung zu realisieren, müssen sowohl Industrieprodukte mehr Dienstleistungen enthalten, als auch Dienstleistungen stärker auf Industrieprodukte orientiert sein. Das bedeutet, Dienstleister müssen ihr Angebot gemeinsam mit Industrieunternehmen zu einem „hybriden Produkt“ entwickeln. Hierdurch verändert sich der Entwicklungsprozess für neue Produkte und Dienstleistungen hin zu hybriden Leistungen. Denn keiner der Partner kann die komplette Leistung allein erbringen, und ist auf das jeweilige Wissen und die Erfahrung des anderen angewiesen. Um verschiedene Ressourcen für „hybride Produkte“ bzw. „hybride Wertschöpfung“ zusammen bringen zu können, verändert sich die Art und Intensität der Vernetzung und Kooperation. Sie überschreitet Wert- schöpfungsketten (Cross-Innovation) und erfordert neue Organisations-formen (z.B. virtuelle Vernetzungsplattformen). Hierauf können sich auch Regionen einstellen, indem Sie den relevanten Akteuren Möglichkeiten und Plattformen für die Entwicklung von hybrider Wertschöpfung insbesondere in Zukunftsfeldern bieten.