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Christian Böllhoff ist seit 15 Jahren Geschäftsführer der Prognos AG. Er schätzt die Kombination aus politischer Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung, wie er im Interview erklärt.

"Unabhängigkeit ist unser Gencode"

Christian Böllhoff ist seit 15 Jahren Geschäftsführer der Prognos AG. Er schätzt die Kombination aus politischer Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung, wie er im Interview erklärt.

© FOTOS Koroll

Wie unterscheidet sich Prognos von anderen Wirtschaftsforschungsinstituten?

Wir sind ein selbstfinanziertes, unabhängiges Unternehmen und somit keiner politischen Ausrichtung oder Denkschule verpflichtet. Bei uns sitzt keine Partei dahinter und schaut, was wir tun. Bei jeder Anfrage haben wir die Freiheit uns zu überlegen, ob wir den Auftrag annehmen: Das tun wir nur dann, wenn wir sichergehen können, dass wir unsere wissenschaftlichen Qualitätstandards einhalten, den Auftraggeber zufrieden stellen und uns mit dem Ergebnis in der Fachwelt sehen lassen können.

Was sind die Vorteile für den Auftraggeber?

Ganz entscheidend ist: Wir können Wirtschaft. Da wir keinen öffentlichen oder politischen Fördermittel und Subventionen erhalten, denken wir selbst unternehmerisch. Aus dem gleichen Grund müssen wir es auch niemandem politisch recht machen. Und das kommt letztlich jedem Auftraggeber zugute, der die Studienergebnisse öffentlich nutzt. Eine Stimme, die sich nicht politisch vereinnahmen lässt, sondern im Gegenteil erkennbar für verschiedene Seiten arbeitet, wiegt schwerer in der Debatte. Es ist ja unter politisch Handelnden allgemein bekannt, dass wir unabhängig sind. Wir arbeiten für Gewerkschaften ebenso wie für Arbeitgeber, für Umweltorganisationen ebenso wie für verschiedene Energieunternehmen oder staatliche Stellen. Als Schweizer Unternehmen war uns diese Neutralität von Anfang an besonders wichtig. Sie speist sich aus Solidität, Substanz, Qualität und nüchterner Analyse. Das ist der Gencode unserer Firma und dafür stehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Aber bestimmen Sie mit Ihren Studien und Analysen nicht politische Entscheidungen mit?

Nein, das ist nicht unsere Rolle. Wir statten diejenigen, die politische Entscheidungen oder die öffentliche Meinung beeinflussen wollen, mit einer guten inhaltlichen Basis aus. Wir fundieren Argumente. Da unterscheiden wir uns deutlich von Politikberatern. Wenn wir eine Prognose erarbeiten und feststellen, dass etwa im Jahr 2025 soundso viele Pflegekräfte fehlen werden, dann ist es nicht unsere Aufgabe, daraus Handlungen abzuleiten. Wir stellen nur den Befund und geben Empfehlungen. Daher arbeiten wir auch nicht bei politischen Parteien mit. Damit unterscheiden wir uns deutlich von anderen Instituten, die in solchen Gremien sogar mitarbeiten.

Sie schauen bis zu 30, 40 Jahre in die Zukunft. Wie machen Sie das?

Wir können die Zukunft natürlich nicht vorhersagen. Das kann niemand. Aber wir geben eine solide Grundorientierung, indem wir aktuellste prognostische Methoden anwenden, um dann die bestmögliche Aussage zu treffen. Und das wird gebraucht! Denn wer z. B. eine Großinvestition wie einen neuen Windpark plant oder das Rentensystem ändern will, der muss ja eine möglichst genaue Vorstellung davon haben, wie sich die Dinge in den nächsten 30, 40 Jahren entwickeln. Unsere Szenarien zeigen, wie Systeme reagieren und zu welchen Abweichungen es kommen kann. Nur so können Planer fundiert entscheiden. Manchmal dienen Langfristprognosen aber auch dazu, Warnungen auszusprechen: Wie entwickeln sich die Dinge, wenn jetzt nichts getan wird? Das ist zum Beispiel beim demografischen Wandel oder beim Klimawandel wichtig. Dann sind wir sogar glücklich, wenn sich die Dinge anders entwickeln als in unserer Prognose.