Künftig müssen Vermietende bei neu eingebauten Gas- und Ölheizungen einen Teil der laufenden Wärmekosten mittragen. Das sieht der Mieterschutz im neu beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vor. Doch wie hoch fallen die zusätzlichen Kosten tatsächlich aus? Und wie stark werden Mieterinnen und Mieter dadurch entlastet? Wie stark werden Vermietende belastet? Für den SPIEGEL hat Prognos die Auswirkungen der geplanten Regelungen in unterschiedlichen Preis- und Marktszenarien analysiert. Auf Basis unserer Berechnungen hat der SPIEGEL einen interaktiven Gaskostenrechner erstellt, mit dem man die langfristigen Kostenfolgen für Mieterinnen und Mieter sowie Vermietende individuell abschätzen kann.Zum Gaskostenrechner (€)Der Gaskostenrechner ermöglicht es Nutzenden, unterschiedliche Annahmen zu Erdgaspreisen, CO₂-Kosten, Netzentgelten und Gebäudezustand zu kombinieren. Zudem kann zwischen dem Einbau einer neuen Gasheizung und dem Weiterbetrieb einer bestehenden Anlage unterschieden werden.So wird sichtbar, wie sich politische Rahmenbedingungen, Energiepreise und Gebäudeeigenschaften auf die langfristigen Kosten von Mietenden und Vermietenden auswirken können.Neue Kostenverteilung soll Anreize für klimafreundliche Heizungen schaffenDer geplante Mieterschutz greift nur dann, wenn in vermieteten Gebäuden neue Gas- oder Ölheizungen installiert werden. Ziel der Regelung ist es, Vermietende stärker an den Folgekosten fossiler Wärmeerzeugung zu beteiligen und damit Anreize für den Umstieg auf erneuerbare Wärme zu schaffen.Bislang tragen Mietende viele Kostenbestandteile der Wärmeversorgung allein. Künftig sollen bestimmte Kosten teilweise zwischen Mietenden und Vermietenden aufgeteilt werden.Dazu gehören insbesondere:Netzentgelte für die Gasversorgung,CO₂-Kosten auf fossile Energieträger sowiedie Kosten für die vorgeschriebene Beimischung erneuerbarer Gase wie Biomethan.Für bestehende und neue Heizsysteme auf Basis von Wärmepumpen, Fernwärme oder Pelletheizungen gelten diese Regelungen nicht.Schutzwirkung mit zeitlicher BegrenzungDie Berechnungen zeigen, dass die geplanten Regelungen insbesondere zwischen 2028 und 2039 zu einer höheren Kostenbeteiligung der Vermietenden führen können. Dadurch werden Mietende vor einem Teil der steigenden Kosten fossiler Wärmeerzeugung geschützt.Gleichzeitig verdeutlichen die Analysen, dass die Schutzwirkung langfristig abnimmt. Während Vermietende zunächst einen relevanten Anteil der Zusatzkosten tragen, können die Belastungen für Mietende ab den 2040er-Jahren deutlich stärker steigen. Damit macht die Regelung zwar die wirtschaftlichen Risiken neuer fossiler Heizungen sichtbarer, ersetzt aber nicht die grundlegende Herausforderung steigender Kosten fossiler Energieträger.Drei Szenarien zeigen mögliche KostenentwicklungenWie stark Mietende und Vermietende künftig belastet werden, hängt maßgeblich von der Entwicklung verschiedener Preisbestandteile ab. Für die Analyse wurden deshalb drei Szenarien betrachtet:Szenario 1: Günstige PreisentwicklungErdgaspreise sinken auf ein niedriges Niveau ohne weltweite Krisen.CO₂-Kosten werden abgeschafft.Netzentgelte bleiben stabil.Biomethan bleibt vergleichsweise günstig.In diesem Fall bleiben die Zusatzkosten für Vermietende überschaubar, gleichzeitig fällt auch die Entlastungswirkung für Mietende geringer aus. Szenario 2: Mittlere PreisentwicklungErdgaspreise bewegen sich auf dem heutigen Niveau.Netzentgelte steigen moderat.CO₂-Preise bleiben auf dem aktuellen Niveau bestehen.Biomethanpreise verbleiben im Durchschnitt auf historisch höheren Werten.Hier wird die Kostenbeteiligung der Vermietenden bereits deutlich spürbar. Gleichzeitig begrenzt die Regelung einen Teil der Kostenbelastung für Mietende. Szenario 3: Hohe PreisentwicklungWiederkehrende Krisen führen zu steigenden Erdgaspreisen.Die Zahl der Gaskundinnen und -kunden sinkt deutlich, wodurch die Netzentgelte stark steigen.Der europäische Emissionshandel erhöht die CO₂-Kosten über die kommenden Jahrzehnte deutlich.Eine hohe Nachfrage treibt die Preise für Biomethan an.In diesem Szenario steigt die finanzielle Belastung durch fossile Wärme deutlich an. Gleichzeitig zeigt sich die größte Wirkung des Mieterschutzes, da Vermietende einen wachsenden Anteil der Mehrkosten übernehmen müssen. Links und DownloadsZum Gastkostenrechner im SPIEGEL (€)Mehr zu unserer Arbeit in diesem BereichProjektteam: Dominik Rau, Sven Kreidelmeyer, Ravi Srikandam, Nils Thamling, Jens HobohmStand: 03.08.2026 Haben Sie Fragen? Ihr Kontakt bei Prognos Dominik Rau Senior Projektleiter Profil ansehen Über Prognos Wir vereinen Wirtschaftsforschung und Strategieberatung für tragfähige Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere belastbaren Daten, präzisen Analysen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse ermöglichen faktenbasierten Fortschritt – finanziell unabhängig, politisch neutral. Mehr erfahren