Geopolitische Spannungen verändern den Welthandel. Handelsbeziehungen richten sich zunehmend nach geopolitischen Linien aus. Ausfallrisiken steigen, Lieferketten werden fragiler. Für kleine, stark offene Volkswirtschaften wie Österreich bringt diese Entwicklung erhebliche Risiken. Zugleich gewinnen sogenannte Verbindungsländer an Bedeutung. Das sind Staaten, die sich geopolitisch neutral positionieren. Sie sind außenwirtschaftlich stark offen und können im fragmentierenden Welthandel als Brückenbauer stabilisierend wirken. Welche Rolle können Verbindungsländer für Österreich spielen? Welche Chancen entstehen für Unternehmen und Wirtschaftspolitik, wenn Handelsbeziehungen dahingehend gezielt ausgebaut werden? Diesen Fragen geht Eva Willer, Projektleiterin im Bereich Volkswirtschaft, in ihrem Artikel „Verbindungsländer als Antwort auf geopolitische Spannungen: Österreichs Chancen in Vietnam“ in der Frühjahresausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter (WPBl) mit dem Leitthema „Internationaler Handel“ nach. Am Beispiel Vietnams analysiert sie, wie der gezielte Ausbau von Handelsbeziehungen Österreichs außenwirtschaftliche Resilienz stärken kann. Verbindungsländer stärken außenwirtschaftliche ResilienzZunehmende geoökonomische Fragmentierung: Die strategische Rivalität zwischen den USA und China ordnet den Welthandel schrittweise neu. Der direkte Handel zwischen den beiden Großmächten wird erschwert, wodurch die Handelsströme über Drittstaaten an Relevanz gewinnen. Rolle der Verbindungsländer: Verbindungsländer haben eine hohe außenwirtschaftliche Offenheit und enge Wirtschaftsbeziehungen zu unterschiedlichen geopolitischen Lagern. Sie schlagen Brücken zwischen potenziellen Blöcken. So helfen sie, Handels- und Investitionsverflechtungen aufrechtzuerhalten. Österreichs besondere Verwundbarkeit: Österreich ist mit einer Außenhandelsquote von rund 77 Prozent stark exportorientiert. Handelsausfälle durch geopolitische Spannungen können die Wirtschaft daher hart treffen. In den vergangenen Jahren ist der Handel mit geopolitisch China-nahen Ländern deutlich gesunken. Zugleich ist der Handel mit neutralen Staaten wie Vietnam stark gewachsen. Vietnam als strategischer Partner: Vietnam gilt als eines der wichtigsten Verbindungsländer. Das Land verfolgt eine geopolitisch ausgewogene Außenpolitik. Es ist breit in internationale Handelsabkommen eingebunden und gehört zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften Südostasiens. Diese Kombination schafft stabile und berechenbare Bedingungen für den Handel.Chancen für österreichische Schlüsselbranchen: In besonders exportrelevanten, österreichischen Branchen wie Maschinenbau, Kraftwagenbau und Metallerzeugnissen gibt es erhebliche Ausbaupotenziale auf dem vietnamesischen Absatzmarkt. Zugleich bietet Vietnam Österreich Möglichkeiten, die Beschaffung von Vorleistungen stärker zu diversifizieren. Strategische Einbindung notwendig: Österreich sollte Verbindungsländer wie Vietnam stärker in seine Außenwirtschaftsstrategie einbinden. Das kann helfen, Abhängigkeiten zu verringern, Risiken zu streuen und den Zugang zu Wachstums- und Beschaffungsmärkten zu sichern. Das gilt auch unter Bedingungen zunehmender geoökonomischer Fragmentierung. Methodisches VorgehenDie Analyse wertet internationale Handelsdaten, empirische Studien zur geoökonomischen Fragmentierung und modellgestützte Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams aus. Im Fokus stehen ausgewählte Branchen mit hoher Bedeutung für den österreichischen Außenhandel.Links und Downloads Zum Artikel Haben Sie Fragen? Ihr Kontakt bei Prognos Eva Willer Projektleiterin Profil ansehen