Dossier für das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft | Freitag, 18.12.2020

Forschungslandschaft der Kultur- und Kreativwirtschaft

„Die Erforschung von interaktiven Medientechnologien zeigt, dass neue Beziehungsformen zwischen Kreativen und Publikum möglich werden“
Tobias Theel, Berater

In Deutschland gibt es 477 öffentliche Forschungseinrichtungen, die sich mit der Kultur- und Kreativwirtschaft befassen. Nahezu alle Universitäten, Fachhochschulen, Kunsthochschulen und außeruniversitären Einrichtungen decken dabei mehrere Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft ab. Besonders viele Forschungseinrichtungen beschäftigen sich mit Fragen der Software-/Games-Industrie, der Designwirtschaft, des Architekturmarkts und der Musik. Das Dossier „Die Forschungslandschaft der Kultur- und Kreativwirtschaft“ gibt einen Überblick über die Forschungsthemen in Deutschland und in einigen ausgewählten europäischen Ländern. Erstellt wurde es vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, dessen Träger Prognos und das u-Institut sind.
Forschungsthemen in Deutschland

Auffällig ist der Megatrend Digitalisierung, der sich durch alle elf Teilmärkte zieht und bereits grundlegende Umwälzungen mit sich gebracht hat. „Die Erforschung von interaktiven Medientechnologien zeigt, dass neue Beziehungsformen zwischen Kreativen und Publikum möglich werden“, erklärt Prognos-Berater Dr. Tobias Theel, „etwa in Form von Co-Creation oder interaktivem Storytelling.“ Durch immersive Technologien wie Virtual Reality entstehen darüber hinaus gänzlich neue Formate zur Einbeziehung des Publikums, beispielsweise im Markt für darstellende Künste und in der Filmwirtschaft.

Entsprechend den verschiedenen Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft stehen in der Forschung vielfach die jeweiligen Ausdrucksformen und ihre Rezeption im Fokus. In der Musikwirtschaft beispielsweise im Instrumentenbau und der angewandten Klangforschung, im Buchmarkt in der Untersuchung literarischer Mittel wie Rhetorik und Stil und in der Rundfunkwirtschaft in der Mediennutzungsforschung und Programmanalyse.

Die Forschung zeichnet sich zudem durch Aktivitäten an der Schnittstelle zu anderen Branchen aus. In der Musikwirtschaft werden etwa im Sounddesign Forschungsprojekte mit Bezug zur Automobilindustrie durchgeführt. Die Software-/Games-Forschung hat Schnittstellen zur Pädagogik und zur medizinischen Forschung, beispielsweise geht es um therapeutische Gaming-Ansätze für Demenzerkrankte. Insbesondere in der Architektur- und Designforschung befassen sich die Forschungsfragen auch mit Bereichen wie Nachhaltigkeit, Energie und Public Health, beispielsweise in den Bereichen Smart Fashion und Smart Cities.

Europäische Forschungsschwerpunkte

Im zweiten Teil des Dossiers werden verschiedene europäische Forschungslandschaften mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten skizziert. In den Blick genommen werden die kultur- und kreativwirtschaftlicher Forschungsaktivitäten in Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Dänemark, Tschechien, Estland und Spanien.

Insbesondere in Großbritannien zeigt sich eine thematisch große Bandbreite. Äußerst stark ist die Forschung hier im Innovations-Mapping und in der kultur- und kreativwirtschaftichen Impactmessung. Statistische Daten werden mit Open-Data- und Machine-Learning-Ansätzen verbunden und zeigen so neben Beschäftigungsdaten auch Spillover-Effekte an. Weitere Themen sind der kreative Arbeitsmarkt, Diversity und Inklusion sowie der Zusammenhang von digitalen Geschäftsmodellen und Urheberrecht.

Dass die Kultur- und Kreativwirtschaft als Innovationstreiber zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme in der Forschung eingesetzt werden kann, zeigt sich insbesondere in den Niederlanden. Die KKW-Forschung ist hier eingebettet in eine „missionsgesteuerte“ Innovationspolitik, die auf eine sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, angewandter Forschung, Unternehmen und sozialen Organisationen zielt. Es wird gezielt an den Schnittstellen zu den Bereichen Gesundheit, Energiewende, Sicherheitstechnologien, Ernährung und Urbanistik geforscht. Auch die kultur- und kreativwirtschaftlichen Forschungsprogramme in Tschechien und Spanien sind zum Teil ähnlich am Prinzip der Cross-Innovation ausgerichtet.

In Österreich wie auch in Dänemark zeigen sich ausgeprägte Schwerpunkte in der Organisation und des Managements von Kreativität. In Österreich wird schwerpunktmäßig zu digitaler Transformation, Plattformökonomie und kreativen Communities geforscht. Die dänische Forschung fokussiert vor allem die Themen Kreativität vs. Kommerz sowie Spillover von Innovationspraktiken aus dem Design in unternehmerische Felder.

Estland wird in Bezug auf die KKW-Entwicklung als Neuankömmling gehandelt, ähnlich wie auch andere osteuropäische Staaten. Nichtsdestotrotz gilt Estland international als Vorreiter im Bereich eGovernance und Digitalisierung. Untersucht wird beispielsweise die Frage, wie neue technologische Innovationen sicher in demokratischen Gesellschaften eingesetzt werden können. Außerdem werden hier Smart-City-Anwendungen mit besonderem Fokus auf eGovernance und Nachhaltigkeit entwickelt.

Vorgehensweise

Das Dossier beruht auf Recherchen zu öffentlichen Forschungseinrichtungen mit Bezug zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Dabei ging es vor allem darum, Forschungsschwerpunkte innerhalb der elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft zu identifizieren sowie bei den Forschungsthemen Verbindungen zu anderen Teilmärkten oder anderen Branchen aufzudecken. Bei der Recherche wurden insbesondere Themen und Einrichtungen mit Bezug zur kreativwirtschaftlichen Praxis berücksichtigt.

Das Dossier können Sie hier herunterladen (PDF von kreativ-bund.de):
Forschungslandschaft der Kultur- und Kreativwirtschaft

 

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