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Digital Health für Smarte Cities

Kategorie

Aus dem Projekt

Datum

09. Juni 2022

Was macht eine Stadt „smart“? In der Studie „Smart Cities: Digitale Lösungen in Deutschlands Städten“, die wir gemeinsam mit Spora Steria erstellt haben, haben unsere Expertinnen und Experten vier Themenbereiche untersucht, die zur „Smartness“ von Städten dazugehören: Smart Mobility, Digitale Verwaltung, Public Safety und: Digital Health. Digital Health? Während das Thema auf den ersten Blick nicht ganz in diese „Smart City“-Reihe zu passen scheint, ist es auf den zweiten Blick doch ganz eindeutig ein wichtiger Standortfaktor für Kommunen und Städte – mit großem Potenzial.  

Jan-Felix Czichon war Teil des Projektteams und erklärt in diesem Artikel, was Digital Health konkret mit Smart Cities zu tun hat und welche Herausforderungen und Potenziale es gibt.

Was bedeutet „Digital Health“?

Digital Health ist ein Oberbegriff für digitale Anwendungen, also Informations- und Kommunikationstechnologien, im Gesundheitsbereich. Diese Anwendungen versprechen eine Entlastung vor allem für das Management und die Verwaltung aber auch für die medizinisch-pflegerische Versorgung.

Diese Entlastung wird dringend benötigt, denn das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen.

Mit welchen Herausforderungen ist das Gesundheitssystem mittel- und langfristig konfrontiert?

Es sind zwei zentrale Herausforderungen: Erstens der demografische Wandel. Eine alternde Bevölkerung benötigt mehr medizinische und pflegerische Versorgung, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen. Zweitens führt die zunehmende Zentralisierung der Gesundheitsversorgung in größeren Standorten zu Versorgungslücken insbesondere in strukturschwachen bzw. ländlichen Gegenden.

Was hat Digital Health konkret mit Smart Cities zu tun?

Der Einsatz digitaler Technologien kann die Versorgung der Menschen vor Ort verbessern und die Lebensqualität erhöhen. Digital Health ist deshalb ein wichtiger Standortfaktor für Kommunen und Städte. Qualitativ hochwertige und gut erreichbare Gesundheitsversorgung ist schließlich allen Bewohnerinnen und Bewohnern wichtig – von der jungen Familie bis zur alleinstehenden Rentnerin.

Eine gute Gesundheitsversorgung ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: durch den Einsatz digitaler Anwendungen kann die Attraktivität der Gesundheitsberufe steigen und somit die Gesundheitswirtschaft vor Ort profitieren.

Digital Health sollte daher zentraler Bestandteil jeder Smart City-Strategie sein.

Welche Lösungsansätze liefert Digital Health?

Digitale Anwendungen im Gesundheitsbereich lassen sich in fünf Dimensionen unterteilen:

1. Informations- und Kommunikationstechnologien

In Krankenhäusern ist ein Ausgangspunkt für Digitalisierungsprozesse häufig das Krankenhausinformationssystem (KIS). Dieses übergreifende Informationssystem beinhaltet sowohl gesundheitsbezogene als auch administrative Daten und kann mit weiteren Anwendungen verknüpft werden.

Ein Beispiel für eine solche Technologie ist die elektronische Pflegedokumentation, die bereits rund 50 Prozent der im IT-Report Gesundheitswesen (PDF), befragten Kliniken nutzen. Alle für die Pflege relevanten Informationen, z. B. zur Wundversorgung oder Nahrungsaufnahme, lassen sich damit digital festhalten – die effizientere Dokumentation senkt den Personalbedarf.

2. Telemedizin und Telecare

Telemedizin ist die digitale medizinische, Telecare die digitale pflegerische Versorgung. In digitalen Konsultationen können Ärztinnen und Ärzte wie auch Pflegepersonal per Videokonferenzen beispielsweise die Diagnosen stellen sowie Betreuung und Behandlung aus der Ferne leisten.

Insbesondere bezüglich der regionalen Versorgungslücken kann das eine Lösung darstellen: Beispielsweise kann für ländliche Regionen mit geringerer Krankenhausdichte die spezialisierte Expertise an den zentralen Standorten mittels innovativer Lösungen der Telemedizin zugänglich gemacht werden

3. Mobile Health

Smartphones, Wearables und andere mobile Endgerät etablieren sich zunehmend in der medizinischen Versorgung. Sogenannte Mobile-Health-Anwendungen werden zu gesundheitsfördernden und präventiven Zwecken (z.B. Fitness- und Ernährungsapps) eingesetzt. Hinzu kommen Anwendungen zur mobilen Diagnostik, Therapie sowie zur Fernüberwachung von Krankheiten.

4. Big Data und KI

Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) bieten große Potenziale für den Einsatz in der Medizin. Beispielsweise kann eine KI-gestützte Bilddatenanalyse oder eine KI-basierte Entscheidungsunterstützung auf Basis der vorhandenen Gesundheitsdaten bei der medizinischen Diagnostik assistieren. Die transparente und sichere Nutzung der Daten sowie die Qualität der Datengrundlage sind entscheidende Faktoren, damit KI-Anwendungen der Durchbruch gelingt.

5. Robotik

Forschung und Entwicklung im Bereich Robotik haben in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen und bieten neue Unterstützungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen. Robotertechnologien wie beispielsweise das Da-Vinci-Operationssystem werden bereits in verschiedenen Gebieten der Gesundheitsversorgung erprobt. Insbesondere für pflegenahe und interaktive Arbeiten sind Robotersysteme jedoch technisch noch nicht hinreichend ausgereift, um Tätigkeiten vollständig autonom durchzuführen. Die Anwendung in der Praxis beschränkt sich hierbei deshalb bisher überwiegend auf Modellprojekte.

Zum Weiterlesen

Die spannendsten Lösungsansätze aus den Case Studies haben wir auf einer Website zusammengestellt: smartesdeutschland.de

Whitepapers zur Studie können Sie hier anfordern: Smart Cities: Was sie können und wie sie Bürgerinnen und Bürgern nützen

Mehr über unseren Beitrag zur gemeinsamen Studie mit Sopra Steria erfahren Sie hier

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Matthias Canzler

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