Energiewende | Dienstag, 30.03.2021

Versorgungssicherheit angesichts der Energiewende

Während die Primärversorgung mit Brennstoffen in Deutschland durch die Energiewende sicherer wird, weil die Abhängigkeit von Importen zurückgeht, entstehen in der Stromversorgung neue Herausforderungen. Der Ausbau der Netze und die Flexibilisierung des Stromsystems sind Maßnahmen, die diese Veränderungen hin zu einem Stromsystem ohne fossile Energieträger beherrschbar machen. Zu diesem Ergebnis kommt Jens Hobohm in seinem Beitrag „Thesen zur Versorgungssicherheit angesichts der Energiewende“, der in der Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung „Kohleausstieg und Strukturwandel in Sachsen-Anhalt“ erschienen ist.

Größere Versorgungssicherheit bei Primärenergie

Die Energiewende reduziert Abhängigkeiten bei der Primärenergieversorgung und erhöht dadurch die Versorgungssicherheit. Denn wenn die Energiewende vollzogen ist, müssen keine fossilen Energieträger mehr importiert werden. „Ein mögliches Risiko im Vergleich zur heutigen Situation könnte darin bestehen, dass die Diversität der Versorgungsoptionen sinkt“, erläutert Jens Hobohm, Leiter Energiewirtschaft der Prognos AG. Schließlich werden heute mit Öl, Gas, Kohle und Uran vier verschiedene Energieträger aus vielen verschiedenen Ländern importiert. „In Zukunft könnte sich das Spektrum der zu importierenden Energieträger neben Strom auf Wasserstoff und synthetische Energieträger reduzieren“, so Hobohm. „Andererseits liegt genau darin auch eine Chance für die Versorgungssicherheit.“

Wasserstoff – Energieträger der Zukunft

Wasserstoff birgt vielfältige Möglichkeiten als Energieträger. Zudem dürfte er als Produkt fast so homogen sein wie Strom, anders als Gas und Öl, die sich je nach Herkunft in ihrer Zusammensetzung chemisch signifikant unterscheiden. Außerdem gibt es viele Länder, die für seine Erzeugung infrage kommen. Dadurch könnte perspektivisch ein Markt mit hoher Liquidität und damit Versorgungssicherheit entstehen.

Stromsystem ohne fossile Energieträger

Versorgungssicherheit im Stromsystem heißt, dass zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort die Stromnachfrage durch das Stromangebot gedeckt werden kann. Daher entstehen beim Stromsystem sowohl auf der Erzeugungs- wie auf der Lastseite gravierende Herausforderungen auf dem Weg zu einem von erneuerbaren Energien dominierten System. Diese sind heute schon spürbar. Denn die Einspeisung erneuerbarer Energien ist volatil (schwankend) und führte in den letzten Jahren z.B. zu einem erheblich gestiegenen Bedarf an Einspeisemanagement. Damit die Versorgungssicherheit so hoch bleibt, wie sie ist, müssen das Erzeugungssystem und die Nachfrage flexibler werden. Auch den Ausbau der Netze gilt es voranzutreiben. Nur dann kann ein zeitlicher und regionaler Ausgleich zwischen Verbrauchs- und Einspeiseschwerpunkten situationsgerecht jederzeit sichergestellt werden.


Zur Publikation „Kohleausstieg und Strukturwandel in Sachsen-Anhalt“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF) (Website der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Jens Hobohm

Partner, Direktor Energie

Profil ansehen

Über Prognos

Wir geben Orientierung.

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert.

Mehr erfahren