Auswirkungen unterschiedlicher Sanierungsraten auf Energiesystem und Systemkosten

Auftraggeber

Stiftung Klimaneutralität GmbH

Jahr

2025


Energetische Gebäudesanierung reduziert einerseits den Energieverbrauch von Gebäuden und erfordert andererseits hohe Investitionen. Gleichzeitig hat sie sektorübergreifende Effekte auf das Energiesystem. Doch in welchem Maße?

Im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität haben wir untersucht, wie sich unterschiedliche Sanierungsraten auf den Energieverbrauch, das Stromsystem und die Kosten im Gebäude- und Energiesektor auswirken. 

Wissenschaftlich fundierte Grundlage für die politische Debatte

Die energetische Sanierung von Gebäuden senkt den Wärme- und folglich den Strombedarf von Gebäuden. Damit einher gehen verringerte Energiekosten, eine höhere Resilienz gegenüber Preisschocks und geringere Importabhängigkeiten.

Gleichzeitig ist die energetische Gebäudesanierung mit hohen Investitionen und langen Amortisationszeiten verbunden. Eine geringere Sanierungsrate senkt die Investitionskosten im Gebäudesektor, erhöht jedoch den Energieverbrauch von Gebäuden und damit die Nachfrage nach Strom und Fernwärme. Dies führt wiederum zu höheren Kosten im Energiesystem.

Diese Zielkonflikte sind Gegenstand der politischen Debatte zur Sanierungsrate im Gebäudesektor. Unsere Szenarioanalyse bildet eine belastbare quantitative Grundlage, um die Auswirkungen veränderter Sanierungsraten auf das Energiesystem fundiert bewerten zu können und leistet damit einen wissenschaftlichen Beitrag zur Diskussion. 

Minderkosten im Gebäudesektor kompensieren Mehrkosten im Energiesektor 

  • Verglichen wurde eine ansteigende Sanierungsrate auf etwa 1,8 Prozent (Hauptszenario) mit einer konstanten Sanierungsrate von 1 Prozent (Sensitivität)
  • In der Gegenüberstellung steigt der Energieverbrauch in Gebäuden in der Sensitivität im Jahr 2045 um rund 32 Terawattstunden (TWh) bzw. 5 Prozent.
  • Dieser Mehrverbrauch führt zu einem erhöhten Fernwärmebedarf (7 TWh / 4 Prozent) und Strombedarf dezentraler Wärmepumpen (5 TWh / 6 Prozent).
  • Der gesamte Strombedarf des Szenarios steigt in der Folge um etwa 0,5 Prozent.
  • Der erhöhte Strom- und Wärmebedarf führt zu Mehrkosten im Energiesektor.
  • Gleichzeitig sinken die Kosten im Gebäudesektor durch die verringerte Sanierungsaktivität.
  • Eine sektorale Verschiebung der Systemkosten ist die Folge: Im Jahr 2045 wandern etwa vier Milliarden Euro vom Gebäudesektor in den Energiesektor.
  • Bilanziell sind keine substanziellen Mehr- oder Minderkosten zu verzeichnen.

Unsere Vorgehensweise

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Sanierungsraten auf den Energieverbrauch und die Kosten darzustellen, haben wir zwei Szenarien gebildet. 

  • Das Hauptszenario basiert auf den Annahmen des 2024 veröffentlichten Szenarios „Klimaneutrales Deutschland (KNDE)“. Hier wird eine auf etwa 1,7 Prozent ansteigende Sanierungsrate unterstellt.
  • Die Sensitivität geht von einer Fortführung der Sanierungsaktivität des Jahres 2020 aus. Die jährliche Sanierungsrate liegt hier bei 1 Prozent pro Jahr. 

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der Webseite von Stiftung Klimaneutralität

Projektteam: Elias Althoff, Dr. Andreas Kemmler, Aurel Wünsch, Marco Wünsch, Inka Ziegenhagen

Stand: 16.12.2025

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