Sozioökonomische
Szenarien
für die Schweiz

Auftraggeber

Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)

Jahr

2026

Partner

INFRAS, Zoï Environment Network


Wie sieht die Schweiz der Zukunft aus? Wohlfahrtsstaat in einer gerechten Welt oder Energiefresser der Festung Europa? Wir untersuchten anhand von fünf Szenarien für die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), wie sich verschiedene politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf die Treibhausgasemissionen bis 2100 auswirken.

Zentrale Ergebnisse im Überblick

Die Modellierungen zeigen deutlich, wie stark sich unterschiedliche Rahmenbedingungen auf Energieverbrauch und Emissionen auswirken:

  • Die Kombination aus gesellschaftlicher Entwicklung und Klimapolitik ist entscheidend. Effizienzgewinne, Umweltbewusstsein oder veränderter Konsum können Emissionen deutlich senken – das Netto‑Null‑Ziel kann jedoch nur mit zusätzlichen klimapolitischen Instrumenten erreicht werden.
  • Eine effiziente Schweiz mit lenkender Klimapolitik kann 2050 die Netto‑Null erreichen und danach netto‑negativ werden. Möglich wird dies durch hohe Energieeffizienz, rasche Elektrifizierung, strenge Regulierung sowie Investitionen in Carbon Capture and Storage (CCS) und Negativemissionstechnologien (NET).
  • In ressourcenintensiven Szenarien ohne wirksame Klimapolitik steigen die Emissionen zunächst stark an und sinken erst gegen Ende des Jahrhunderts aufgrund wirtschaftlicher und demografischer Effekte.
  • Auch wirtschaftlicher Rückgang und Konsumreduktion können zu sinkenden Emissionen führen – allerdings ohne die langfristige Zielerreichung von Netto‑Null.
  • Importierte Emissionen haben große Bedeutung. In allen Szenarien sind die netto importierten Emissionen von vergleichbarer Größenordnung wie die direkten Emissionen in der Schweiz. In den meisten Szenarien übersteigen sie langfristig die direkten Emissionen, insbesondere in Szenarien mit hoher Wirtschaftsleistung und internationaler Verflechtung.
  • Internationale Flugemissionen bleiben relevant, da ihre Reduktion langsamer verläuft als in anderen Sektoren und Nicht‑CO₂‑Effekte weiterhin ins Gewicht fallen.

Unsere Vorgehensweise

Die Entscheidungen darüber, wie der Klimawandel unsere Welt verändern wird, treffen wir bereits heute. Aber welche Annahmen über die Zukunft legen wir dabei zugrunde?  

Die hier genutzten Szenarien hat die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) konzeptionell in Anlehnung an die europäischen Shared Socioeconomic Pathways (SSP) erarbeitet.

Prognos berechnete darauf aufbauend zusammen mit INFRAS die Treibhausgasemissionen. Dabei berücksichtigten wir die Emissionen:

  • der Energiebereitstellung und -nutzung
  • der Landwirtschaft und
  • des Abfallsektors

Außerdem untersuchten wir die Auswirkungen auf die Landnutzung und schätzten die Wirkung unterschiedlicher wirtschafts- und umweltpolitischer Entscheidungen ab. Zoï Environment Network unterstützte die Aufbereitung und Kommunikation der Ergebnisse.

Unsere Stärken in diesem Projekt  

Diese Aspekte haben dem Auftraggeber in diesem Projekt besonders geholfen:

  • Erfahrung in der Bildung konsistenter Szenarien
  • Modellierung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen mit leistungsfähigen Prognos-Modellen 

Links und Downloads

Zur Studie: Treibhausgasemissionen in den Szenarien (PDF)

Überblick und alle Ergebnisse (Webseite WSL)

Mehr Informationen zum Projekt (Webseite NCCS)

Projektteam: Dr. Andreas Kemmler, Dr. Almut Kirchner, Sven Kreidelmeyer, Dr. Fabian Muralter, Dr. Alexander Piégsa, Minh Phuong Vu

Stand: 05.05.2026

FAQ zu den Schweiz-Szenarien

Warum sind Szenarien wichtig?

Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben gezeigt, wie sehr der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase auch von gesellschaftlichen Einflussfaktoren abhängt – die auf den ersten Blick gar nichts mit Energie zu tun haben. Die Modellierung verschiedener sozialer, politischer und wirtschaftlicher Entwicklungsrichtungen kann der Politik deshalb dabei helfen, Risiken zu erkennen und langfristige strategische Entscheidungen zu treffen.

Im Mittelpunkt unserer Studie stehen explorative Szenarien, die keine Prognosen liefern, sondern in Form von „Wenn‑Dann‑Zusammenhängen“ eine Bandbreite plausibler Zukünfte abbilden.

Welche Szenarien liegen den Berechnungen von Prognos zugrunde?

Dem Projekt liegen folgende sozioökonomische Entwicklungspfade (SSP) zugrunde, die von der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ausdifferenziert wurden:

1. Genügsame Schweiz: In diesem Szenario hat das Gemeinwohl einen hohen Stellenwert in der Schweizer Bevölkerung. Auch das Vertrauen in politische Institutionen ist hoch. Die Bevölkerung wählt bewusst ein tiefes Konsumniveau. Der finanzielle Lebensstandard nimmt ab. Einkommen und Vermögen sind in der Gesellschaft ausgeglichen verteilt. Regionale Zentren und Stadtquartiere bieten eine gute regionale Grundversorgung. Der Selbstversorgungsgrad bezüglich Energie und Lebensmitteln ist hoch.

2. Effiziente-Schweiz: In diesem Szenario ist die Schweiz stark technisiert und hat sich zu einer effizienten Kreislaufwirtschaft mit hoher internationaler Einbindung entwickelt. Die Bevölkerung profitiert von der Wertschöpfung einer wachsenden Wirtschaft. Stete Zuwanderung führt zu stark verdichteten Städten. Der Flächenverbrauch steigt moderat, das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung ist sehr hoch. Die Versorgung mit erneuerbaren Energien ist gesichert, zum großen Teil inländisch, teils importiert.

3. Konfliktreiche Schweiz: In diesem Szenario erlebt die Schweiz politische Polarisierung, Korruption und Wohlstandsverlust. Investitionen und Innovation gehen zurück und die Wirtschaft schrumpft. Arbeitslosigkeit und Emigration steigen, Unternehmen schließen oder wandern ab. Der Sozialstaat wird abgebaut. Internationale Beziehungen sind stark reduziert, die Schweiz ist zunehmend isoliert.

4. Ungleiche Schweiz: In diesem Szenario ist die Schweizer Gesellschaft gespalten. Eine Elite dominiert das wirtschaftliche und politische Geschehen. Diese ist international gut vernetzt und pflegt einen ressourcenintensiven Lebensstil. Aufgrund produktivitätssteigernder Technologien wächst die Wirtschaft bis ans Ende des Jahr-hunderts. Von den daraus resultierenden Produktivitätsgewinnen profitiert hauptsächlich die Elite, während für den Mittelstand zunehmend Erwerbsmöglichkeiten wegfallen oder sich in den Niedriglohnsektor verlagern.

5. Ressourcenintensive Schweiz: In diesem Szenario verzeichnet die Schweiz starkes Wirtschaftswachstum und hohe Immigration. Der zunehmende Verbrauch fossiler Energien, kombiniert mit ressourcenintensiven Lebensstilen, belastet die Umwelt stark. Gegen Ende des Jahrhunderts führen steigende Ressourcenpreise und die Kosten der Umweltdegradation zu sinkender Wirtschaftsleistung und Wohlstandsverlust.

Was sagen die Szenarien aus – und was nicht?

Alle im Projekt untersuchten Szenarien sind explorativ. Sie beschreiben keine Zielpfade und weisen keine Eintrittswahrscheinlichkeiten zu. Die Modellierungen über einen Zeitraum bis 2100 sind mit Unsicherheiten verbunden, ermöglichen aber eine systematische und vergleichbare Betrachtung sehr unterschiedlicher, in sich konsistenter Zukünfte. Eine detaillierte Darstellung der Annahmen und Ergebnisse findet sich im technischen Bericht Treibhausgasemissionen unter verschiedenen sozioökonomischen und klimapolitischen Szenarien für die Schweiz.

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Andreas Kemmler

Prinzipal

Profil ansehen

Dr. Almut Kirchner

Partnerin, Direktorin

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