Auswirkungen geplanter Gesetzesänderungen auf die Kosten erneuerbarer Energien

Auftraggeber

Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Jahr

2026

PDF herunterladen

Mehrere regulatorische Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Energie- und Netzinfrastruktur werden derzeit parallel diskutiert. Jede einzelne verfolgt eigene energie- oder netzpolitische Ziele. Für Projektentwickelnde und Investoren entfalten sie ihre Wirkung jedoch gleichzeitig auf dasselbe Vorhaben. Vor diesem Hintergrund hat Prognos die kumulativen Auswirkungen der geplanten Regelungen auf die Stromgestehungskosten (LCOE) neuer Windenergie- und Photovoltaikanlagen für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) untersucht.

Wie wirken die geplanten Maßnahmen zusammen?

In der Analyse haben wir verschiedene regulatorische Eingriffe gemeinsam betrachtet. Dazu zählen unter anderem der Redispatch-Vorbehalt, die Kappung der Anschlusskapazität, die kommunale Beteiligung, Kapazitätsentgelte sowie Baukostenzuschüsse. Ziel war es, die Gesamtwirkung dieser Maßnahmen auf typische Projekte der erneuerbaren Energien abzuschätzen.

Die Untersuchung zeigt: Die Stromgestehungskosten steigen sowohl bei Windenergieanlagen an Land als auch bei Photovoltaikanlagen. Ausmaß und Auswirkungen unterscheiden sich jedoch je nach Technologie und Anlagentyp deutlich.

Windenergie an Land

An allen vier untersuchten Standorten erhöhen die betrachteten Maßnahmen die Stromgestehungskosten spürbar:

  • An einem Küstenstandort steigen die Kosten um 21 Prozent.
  • An den übrigen Standorten beträgt der Anstieg 17 bis 18 Prozent.
  • In den untersuchten Szenarien reichen die anzulegenden Werte dennoch aus, um die gestiegenen Kosten abzubilden.

Photovoltaik

Die Auswirkungen unterscheiden sich zwischen den beiden Ausschreibungssegmenten.

PV-Freiflächenanlagen

  • Die Stromgestehungskosten steigen um 30 Prozent bei Südausrichtung.
  • Bei Ost-West-Ausrichtung beträgt der Anstieg 26 Prozent.
  • In den betrachteten Szenarien liegen die belasteten Stromgestehungskosten deutlich über dem vorgesehenen Höchstwert.

PV-Dachanlagen

  • Die Stromgestehungskosten erhöhen sich um 18 Prozent.
  • Die Kostensteigerungen bleiben unterhalb des aktuell vorgesehenen Höchstwerts.
  • Dachanlagen sind nicht von allen untersuchten Maßnahmen betroffen, etwa nicht vom Redispatch-Vorbehalt, der Kappung der Anschlusskapazität oder der kommunalen Beteiligung.

Bedeutung für Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

Die Auswirkungen der regulatorischen Änderungen gehen über unmittelbar zurechenbare Kosten hinaus. So verändert beispielsweise ein zweiseitiger Differenzvertrag zwar weder Investitions- noch Betriebskosten, begrenzt jedoch zusätzliche Erlöschancen. Dadurch verändern sich Finanzierungsbedingungen und Gebotsstrategien.

Mögliche Zusatzerlöse aus hohen Strompreisen können künftig nur noch eingeschränkt als Puffer für Kostensteigerungen und Ertragsverluste dienen. Entsprechend müssen andere Belastungen stärker über Gebotspreise beziehungsweise anzulegende Werte abgesichert werden.

Speicher- und Co-Location-Konzepte können einzelne Effekte mindern und die Netzintegration unterstützen. Aus der qualitativen Analyse lässt sich jedoch kein genereller Ausgleich der kumulierten Belastungen ableiten.

Die Untersuchung bildet bewusst ein konservatives Hochbelastungsszenario ab. Für einzelne Maßnahmen wurden Annahmen gewählt, die die maximale potenzielle Wirkung auf die betrachteten Referenzanlagen widerspiegeln. Zudem ist die endgültige Ausgestaltung einiger Regelungen noch offen. Die tatsächliche Belastung einzelner Projekte kann daher geringer ausfallen.

Gleichwohl verdeutlicht die Analyse die Größenordnung der möglichen Summenwirkungen und macht sichtbar, welche Bedeutung das Zusammenspiel verschiedener regulatorischer Maßnahmen für die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieprojekte haben kann.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der BDEW-Webseite

Projektteam: Elias Althoff, Leonard Krampe, Melina Lohmann, Aurel Wünsch, Marco Wünsch

Stand: 13.10.2026

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Leonard Krampe

Projektleiter

Profil ansehen

Marco Wünsch

Prinzipal

Profil ansehen

Mehr Studien & Projekte zu diesem Thema

Investitionen für Klimaschutz

2026
| Projekt

Welche Investitionen für ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 nötig sind, haben wir für die KfW berechnet.

Energetische Sanierungen von Gebäudegruppen

2026
| Projekt

Für die Deutsche Energieagentur haben wir untersucht, wie die energetische Sanierung von Gebäudegruppen dazu beitragen kann, Sanierungen zu beschleunigen und effizienter zu machen.

Prognos bringt Energieeffizienz-Expertise in EU-Initiative ein

2026
| In eigener Sache

Im Rahmen der Energy Efficiency Financing Coalition wurde Prognos als Mitglied des österreichischen National Hub ausgewählt. Dort wirken wir in der Arbeitsgruppe für kleine und mittlere Unternehmen mit und bringen unsere Expertise zu Energieeffizienz und deren Finanzierung ein.

Evaluierung Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Deutschland

2026
| Projekt

Welche Rolle spielt Kraft-Wärme-Kopplung im klimaneutralen Energiesystem? Für das BMWE bewerteten wird die Entwicklung, Potenziale und Reformbedarf des KWKG.

Fokusthema: Hitzesommer 2026

2026
| Expertise

Hitze entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor: von Arbeitsschutz über Lieferketten bis zu Investitionsentscheidungen. Prognos verfasste eine sechsteilige Gastartikelreihe für den Haufe Sustainability Newsletter.

Europas Clean-Tech-Industrie: Wertschöpfung, Beschäftigung und Fachkräftebedarf

2026
| Projekt

Unsere Studie für die Europäische Umweltagentur zeigt: Die Dynamik der Clean-Tech-Industrie ist hoch – doch qualifizierte Arbeitskräfte werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die Net-Zero-Ziele der EU.

Analysetool für die Energiewende

2026
| Projekt

Für eine öffentliche Einrichtung in Österreich entwickelte Prognos ein datenbasiertes Analysetool, das die Leistungsfähigkeit von Forschung, Technologie und Innovation entlang der Energiewende systematisch bewertet.

Landwirtschaft im Klimawandel: Regionale Anpassung in Schleswig-Holstein

2026
| Projekt

Wie kann sich die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein an den Klimawandel anpassen? Wir entwickelten Beratungsunterlagen, damit Klimaanpassung praxisnah in die landwirtschaftliche Beratung integriert werden kann.

Erneuerbare Energien in Hamburg

2026
| Projekt

Für die Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur haben wir die wirtschaftliche Lage und Entwicklungspotenziale von Windkraft, Solar und Co. mit Sonderfokus auf Wasserstoff in der Stadt und Metropolregion Hamburg untersucht.

Unterstützung der Kraftwerksstrategie des Bundes

2026
| Projekt

Prognos unterstützte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bei der Erstellung der Kraftwerksstrategie.

Über Prognos

Wir vereinen Wirtschaftsforschung und Strategieberatung für tragfähige Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere belastbaren Daten, präzisen Analysen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse ermöglichen faktenbasierten Fortschritt – finanziell unabhängig, politisch neutral.

Mehr erfahren