Vereinbarkeit als Schlüssel zur Sicherung von Pflege und Erwerbsbeteiligung

Auftraggeber

Bertelsmann Stiftung

Jahr

2026

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Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Zugleich braucht Deutschland möglichst viele Menschen im Erwerbsleben. Das verschärft einen Konflikt: Wer Angehörige oder andere nahestehende Personen pflegt, muss diese Aufgabe mit dem Beruf vereinbaren. Schon heute betrifft das Millionen Menschen.  

Unsere Studie für die Bertelsmann Stiftung untersucht, wie viel Erwerbsarbeitsvolumen durch informelle Pflege verloren geht und wie sich dieser Verlust bis 2045 entwickeln könnte. Zudem zeigt sie, was Politik und Unternehmen tun können, damit Pflege und Beruf besser vereinbart werden können.  

Immer mehr Menschen müssen Pflege und Beruf vereinbaren

  • Schon heute müssen Millionen Menschen Pflege und Beruf miteinander vereinbaren. 2023 leisteten 3,6 Millionen Erwerbstätige informelle Pflege. Das waren rund acht Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.  
  • Der Pflegebedarf wird weiter wachsen. Bis 2045 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen von 5,7 Millionen auf knapp acht Millionen steigen. Bleiben die heutigen Versorgungsstrukturen bestehen, könnten dann rund 6,4 Millionen Menschen im Erwerbsalter informelle Pflege leisten.  
  • Damit geht dem Arbeitsmarkt Arbeitszeit verloren. Bis 2045 könnte durch informelle Pflege Arbeitszeit im Umfang der Arbeitszeit von 229.000 bis 327.000 Vollzeitbeschäftigten nicht für Erwerbsarbeit zur Verfügung stehen. Der größte Teil entsteht dadurch, dass Menschen aufgrund ihrer Pflegeaufgaben ihre Beschäftigung aufgeben.  
  • Entscheidend ist, wie viel Zeit die Pflege beansprucht. Der geschätzte Verlust konzentriert sich stark auf Menschen, die mindestens zehn Stunden pro Woche pflegen.  
  • Frauen sind besonders betroffen. Sie stellen rund 63 Prozent der informell Pflegenden und übernehmen besonders häufig intensive Pflege. Rund drei Viertel des für 2045 geschätzten Erwerbsverlusts entfallen auf Frauen.

Vier Handlungsfelder für eine bessere Vereinbarkeit

Die Analyse zeigt: Es fehlen nicht nur einzelne Maßnahmen. Vor allem müssen bestehende Angebote besser verfügbar, einfacher zugänglich und stärker miteinander verzahnt werden. Daraus ergeben sich vier Handlungsfelder.  

  • Unterstützung ausbauen: Professionelle Pflegeangebote, Beratung und Koordination können Pflegende zeitlich und organisatorisch entlasten.  
  • Betriebe pflegesensibler gestalten: Flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, pflegesensible Führung und betriebliche Ansprechpersonen können helfen, Pflege mit Erwerbstätigkeit zu vereinen.  
  • Finanzielle Risiken besser absichern: Informelle Pflege kann Einkommen, Erwerbsverlauf und spätere Rente beeinträchtigen. Zeitrechte und finanzielle Absicherung sollten deshalb stärker zusammengedacht werden.  
  • Pflege partnerschaftlicher verteilen: Eine gleichmäßigere Verteilung der Pflegeverantwortung kann einzelne Pflegende entlasten und geschlechtsspezifische Nachteile bei Erwerbstätigkeit und Einkommen verringern.  

Unsere Vorgehensweise

Die Analyse verbindet mehrere Daten- und Erkenntnisquellen. Prognos wertete das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) aus, um Umfang, Erwerbsstatus und Pflegeintensität informell Pflegender zu bestimmen. Auf Basis der amtlichen Pflegestatistik und der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wurde die Entwicklung bis 2045 fortgeschrieben.

Für die Schätzung der Erwerbsverluste wurden diese Daten mit bestehenden Erkenntnissen aus der Forschung verbunden. Ergänzend analysierte Prognos politische Dokumente sowie bestehende Regelungen und führte Fachgespräche mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Beratung und betrieblicher Praxis.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der Webseite der Bertelsmann Stiftung

Projektteam: Eva Moser, Paula Kostrzewa, Dr. Stefan Moog, Evelyn Stoll

Stand: 20.10.2026

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