Bauträgerinsolvenzen in Deutschland

Auftraggeber

Bauherren-Schutzbund e.V.

Jahr

2026

PDF herunterladen

Seit der Zinswende ist die Zahl der Bauträgerinsolvenzen deutlich gestiegen. Dabei trifft es zunehmend größere Unternehmen. Die Folgen reichen über einzelne Bauvorhaben hinaus und können den Wohnungsbau vor Ort bremsen. Das zeigt unsere Analyse im Auftrag des Bauherren-Schutzbund e.V. Sie untersucht 1.606 Insolvenzen von Unternehmen mit Bauträgertätigkeit zwischen 2018 und August 2026.

Mehr Insolvenzen, größere Fälle

  • 49 Prozent höhere Insolvenzintensität: Sie stieg von durchschnittlich 0,52 Fällen je 100 Betriebe in den Jahren 2018 bis 2021 auf 0,78 Fälle zwischen 2022 und 2025.
  • Insolvenzen treffen zunehmend größere Unternehmen: Der Median der ausgewiesenen Verbindlichkeiten stieg seit der Zinswende um 82 Prozent. Zugleich verdoppelte sich der Anteil der Fälle mit Verbindlichkeiten von mindestens 7,5 Millionen Euro.
  • Rund 20 Prozent mehr Fälle als in der amtlichen Statistik: Unsere Auswertung erfasst auch Unternehmen, bei denen die Bauträgertätigkeit nicht das Hauptgeschäftsfeld ist. Für 2018 bis 2025 zählt sie 1.414 Insolvenzen, die amtliche Statistik 1.174.
  • Drei bis fünf Prozent weniger fertiggestellte Wohnfläche: So groß ist der Rückgang im Folgejahr nach einer Bauträgerinsolvenz der obersten Größenklasse in einem Kreis mit mittelgroßer Bauwirtschaft.

Regional ballen sich Bauträgerinsolvenzen vor allem in Metropolen, ihrem Umland und Wachstumsräumen, etwa rund um Berlin und München. Dahinter steckt jedoch kein eigenständiger Großstadteffekt. Bauträgerinsolvenzen folgen vor allem dem allgemeinen regionalen Insolvenzgeschehen. Die zunehmende Größe der Fälle ist dagegen ein bundesweites und kein regionales Phänomen.

Die Folgen werden beim Wohnungsbau sichtbar. Nach einer großen Bauträgerinsolvenz wird im betroffenen Kreis im Folgejahr weniger Wohnfläche fertiggestellt. Im Jahr der Insolvenz und zwei Jahre danach lässt sich kein gesicherter Effekt feststellen. Bei den Baugenehmigungen lässt sich kein Zusammenhang mit den Bauträgerinsolvenzen nachweisen. Das spricht dafür, dass Bauträgerinsolvenzen vor allem laufende Projekte stoppen, statt neue Bauanträge zu verhindern.

Unsere Vorgehensweise

Prognos hat Insolvenzdaten von North Data für die Jahre 2018 bis 2026 ausgewertet und Unternehmen mit Bauträgertätigkeit anhand ihrer Unternehmensangaben identifiziert. Für die regionale Analyse wurden 1.105 Insolvenzen in 400 Kreisen und kreisfreien Städten von 2018 bis 2024 untersucht. Regressionsanalysen prüften Zusammenhänge mit regionaler Wirtschaft, Bevölkerung, Wohnungsmarkt und Bautätigkeit. Alternative Modelle und Kontrolltests sicherten die zentralen Befunde ab.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der Webseite des Bauherren-Schutzbunds e.V.

Projektteam: Renke Janshen, Paula Marliese Kostrzewa, Dr. Andreas Sachs

Stand: 05.11.2026

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Andreas Sachs

Senior Projektleiter

Profil ansehen

Mehr Studien & Projekte zu diesem Thema

Elterngeldreform: Chance für mehr Partnerschaftlichkeit

2026
| Expertise

Väter nehmen nach wie vor deutlich seltener und kürzer Elternzeit als Mütter. Welche Wirkung der neue Vorschlag zur Elterngeldreform entfalten kann, zeigen wir in unserer Kurzanalyse aus der Reihe „Familie & Gesellschaft im Blick“.

Doppelte Dividende durch Dual Use

2026
| Expertise

In seiner neuen Kolumne für den CEO.Table zeigt Michael Böhmer: 3,5 Millionen Beschäftigte, 700 Milliarden Euro Produktionswert – Deutschlands Dual-Use-Potenzial ist enorm. Es kann Verteidigungsfähigkeit und industriellen Wandel zugleich stärken.

Vereinbarkeit als Schlüssel zur Sicherung von Pflege und Erwerbsbeteiligung

2026
| Projekt

Immer mehr Menschen müssen Pflege und Beruf miteinander vereinbaren. Unsere Studie für die Bertelsmann Stiftung zeigt, in welchem Umfang informelle Pflege die Erwerbstätigkeit einschränkt und welche Handlungsansätze die Vereinbarkeit stärken und Erwerbspotenziale sichern können.

Wirtschaftliche Effekte von Essensgutscheinen – Update 2026

2026
| Projekt

Essensgutscheine prägen den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter. Unsere aktualisierte Studie für Edenred untersucht ihre wirtschaftlichen Wirkungen und die Chancen digitaler Lösungen.

Dossier: Hightech-Zukunftsmärkte und die Kultur- und Kreativwirtschaft

2026
| Expertise

Von Medizintechnik bis Climate Tech: Unser Dossier zeigt, wie kreative Kompetenzen Innovationen nutzbar machen und neue Chancen für die Kultur- und Kreativwirtschaft schaffen.

Dossier: Export- und Wachstumspotenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft

2026
| Aus dem Projekt

Von Wien bis Seoul: Das Dossier zeigt, wo die Kultur- und Kreativwirtschaft international wächst und was Unternehmen für den Markterfolg brauchen.

Fokusthema: Hitzesommer 2026

2026
| Expertise

Hitze entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor: von Arbeitsschutz über Lieferketten bis zu Investitionsentscheidungen. Prognos verfasste eine sechsteilige Gastartikelreihe für den Haufe Sustainability Newsletter.

Europas Clean-Tech-Industrie: Wertschöpfung, Beschäftigung und Fachkräftebedarf

2026
| Projekt

Unsere Studie für die Europäische Umweltagentur zeigt: Die Dynamik der Clean-Tech-Industrie ist hoch – doch qualifizierte Arbeitskräfte werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die Net-Zero-Ziele der EU.

Personalstrategien im demografischen Wandel

2026
| Expertise

In einem Gastbeitrag für die neue caritas zeigt Dr. Oliver Ehrentraut, warum die Sozialwirtschaft ihre Personalstrategien neu ausrichten muss. Recruiting bleibt wichtig, wird aber nicht ausreichen.

Vier Stolperfallen der KI-Einführung in KMU

2026
| Expertise

Künstliche Intelligenz ist in vielen Betrieben angekommen, ihr produktiver Einsatz bleibt im Mittelstand jedoch oft oberflächlich. In einem Gastbeitrag analysiert Alice Greschkow vier zentrale Stolperfallen, die die KI-Einführung in KMU ausbremsen.

Über Prognos

Wir vereinen Wirtschaftsforschung und Strategieberatung für tragfähige Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere belastbaren Daten, präzisen Analysen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse ermöglichen faktenbasierten Fortschritt – finanziell unabhängig, politisch neutral.

Mehr erfahren