Fachkräfte für die Energiewende

Auftraggeber

Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK)

Jahr

2024


Die Energiewende kann nur mit einem konsequenten Ausbau von erneuerbaren Energien gelingen. Doch wie viele Arbeits- und Fachkräfte werden dafür benötigt und welche Qualifikationen sind gefragt? Dies hat Prognos im Auftrag der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) untersucht.  

Die vorliegende Studie verfolgt erstens das Ziel, den zukünftigen Fachkräftebedarf und die damit verbundenen Engpässe entlang der Wertschöpfungsketten in den Branchen Photovoltaik, Windkraft und Wasserstoff zu schätzen. Zweitens wird die praktische Umsetzung in Unternehmen beleuchtet. Der Fachkräftemangel und dessen wirtschaftliche Folgen sowie Strategien zur Fachkräftesicherung stehen dabei im Vordergrund. 

Die Ergebnisse dieser Studie liefern Entscheiderinnen und Entscheidern in Politik und Wirtschaft Hinweise, wie die Transformation im Bereich der erneuerbaren Energien personell bewältigt und die Fachkräftesicherung entlang der Wertschöpfungsketten erfolgreich umgesetzt werden kann.

Über eine halbe Million Beschäftigte für die Transformation

Die Analyse der Fachkräftebedarfe zeigt:

  • Bis 2030 werden zu den gegenwärtig 200.000 Beschäftigten zusätzlich 300.000 Fachkräfte in den Branchen Photovoltaik und Windenergie benötigt. Für die Wasserstoffindustrie ist davon auszugehen, dass etwa 50.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden.
  • Insgesamt steigt damit die Zahl der absehbar notwendigen Beschäftigten in den drei Branchen bis 2030 auf rund 550.000 Personen.
  • Besonders gesucht sind Personen auf dem Fachkräfteniveau (mit einer Berufsausbildung) sowie Spezialistinnen und Spezialisten (Personen mit einer beruflichen Fortbildung oder Bachelor-Abschluss). 
  • Der Ausblick für das Jahr 2035 zeigt, dass sich der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung und der Altersstruktur in den relevanten Berufen zusätzlich verschärfen könnte.

Fachkräftemangel bremst Ausbau der erneuerbaren Energien

Die Studie zeigt, dass der Fachkräftemangel in der Praxis angekommen ist:

  • Die Gewinnung von Fachkräften wird für untersuchten Betriebe zunehmend schwieriger, Vakanzen bleiben länger offen. 
  • Der Fachkräftemangel beeinträchtigt die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Betriebe. 
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist von vielen Teilschritten abhängig. Daher ist es wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette zu betrachten: Nicht nur ein Fachkräftemangel im Kerngeschäft der Energiebranche kann zu Verzögerungen führen, sondern auch Engpässe in Bereichen wie Logistik und Transport können dazu beitragen, dass der Ausbau ausgebremst und die Transformation der Wirtschaft insgesamt gefährdet wird.

Qualifikation als Schlüsselfaktor gegen den Fachkräftemangel

Die Betriebe in den Branchen Photovoltaik- und Windenergie sowie Wasserstoff nutzen nach eigenen Angaben eine Reihe von Maßnahmen, um den unmittelbaren Fachkräftemangel abzufedern:

  • Ausbildung: Attraktive Ausbildungen sind ein zentraler Baustein, um dem Rückgang des Arbeitsangebots entgegenzuwirken. Die aktuellen Bilanzen der abgeschlossenen Ausbildungsverträge zeigen ein ambivalentes Bild für die untersuchten Wertschöpfungsketten. Einige Ausbildungsberufe liegen im Trend (z. B. in den Bereichen Fachinformatik, Anlagenmechanik oder Baugerätführung), andere verlieren an Attraktivität (z. B. kaufmännische Angestellte für Spedition und Logistikdienstleistung, Hochbaufacharbeit sowie Berufskraftfahrende). 
  • Weiterbildung: Fortbildungsangebote sind ein weiteres Instrument, um bestehende Fachkräfte für relevante Tätigkeiten zu qualifizieren. Die hohe Geschwindigkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien erfordert hier schnelle Lösungen. 
  • Ausländische Fachkräfte: Ein weiterer Hebel ist die Rekrutierung und Integration internationaler Fachkräfte. Großteil der Betriebe bewertet diese Maßnahme als relevant, die dafür notwendigen Anerkennungsverfahren aber als zu langwierig und aufwandsintensiv.
  • Neue Zielgruppen: Neben internationalen Fachkräften bieten Zielgruppen wie Quereinsteigende und ältere Beschäftigte ebenfalls unausgeschöpfte Potenziale.  

Mixed-Methods-Ansatz für ganzheitlichen Blick

Grundlage für diese Studie war ein Mixed-Methods-Ansatz: Dieser kombiniert eine Datenauswertung bestehender Arbeitsmarktzahlen und einer Prognose des zukünftigen Fachkräfteangebots mit einer tiefgreifenden Literaturanalyse sowie 25 Interviews mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Photovoltaik, Windenergie und Wasserstoff. Um die Entwicklung des Arbeitsangebots bis 2035 abzubilden, wurde das Prognos-eigene Fachkräftemodell verwendet. Die Erkenntnisse dieser Analysen hat das Forschungsteam für die Studie abschließend mit weiteren Fachexpertinnen und -experten aus wissenschaftlichen Instituten, Branchenverbänden sowie Unternehmen gespiegelt.

Die Analyse fokussiert ausschließlich auf den Standort Deutschland, Aktivitäten im Ausland wurden nicht berücksichtigt.

Hinweis zum Datenstand

Ergänzung vom 16.12.2024

Die in der Studie dargestellten Szenarien zur Arbeitskräftenachfrage in den Bereichen Photovoltaik, Windenergie und Wasserstoff basieren auf einer Auswertung von fachspezifischer Literatur und Studien Dritter. Diese Analysen und die dort entwickelten Szenarien fußen auf dem Datenstand von 2022 und bilden den zwischenzeitlich erfolgten dynamischen Zuwachs des Ausbaus beispielsweise in der Photovoltaik (mit jeweils 15 GW Zubau 2023 und 2024) nicht ab. Im Zuge dieses Ausbauschubs hat bereits ein deutlicher Beschäftigungsaufbau stattgefunden, der die Einschätzungen zum zusätzlichen zukünftigen Bedarf bis 2030 reduziert. Zudem ist zu berücksichtigen, dass der weitere Ausbau bis 2030 verstärkt durch Freiflächenanlagen erwartet wird und weniger personalintensiv ist. Insofern sind die Erwartungen auf der Basis von 2022 tendenziell als Obergrenze zu interpretieren.

Links & Downloads

Zur Studie (PDF)

Zur Pressemitteilung der DIHK

Projektteam: Dr. Oliver Ehrentraut, Alice Greschkow, Philipp Kreuzer, Hauke Toborg, Lauritz Wandhoff

Stand: 16.12.2024
 

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Ihr Kontakt bei Prognos

Alice Greschkow

Projektleiterin

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Dr. Oliver Ehrentraut

Partner, Direktor, Leitung der volkswirtschaftlichen Abteilung

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