Fallbeispiele zu den Wirkungen des Elterngeldes

Auftraggeber

Verband berufstätiger Mütter e. V. (VBM)

Jahr

2026


Das Elterngeld gilt als wichtiges Instrument der Familienpolitik. Es soll Erwerbsarbeit und Sorgearbeit partnerschaftlicher verteilen. Unsere Expertise für den Verband berufstätiger Mütter e. V. (VBM) zeigt jedoch: Das formal neutrale System trifft in der Praxis auf ungleiche strukturelle Voraussetzungen. Das hat teils erhebliche Folgen für Einkommen, Berufswege und soziale Sicherung.  

Im Fokus der Expertise stand die Frage, wie verschiedene Parameter die Elterngeldhöhe beeinflussen. Dazu entwickelten wir konkrete Fallbeispiele. Die vergleichende Darstellung von exemplarischen Lebensphasen und Erwerbssituationen zeigt beispielhaft, wie sich die steuerrechtliche Verankerung des Elterngeldes im Lebensverlauf auswirkt und gesellschaftliche Ungleichheiten fortschreiben kann. 

Elterngeld wirkt nicht für alle gleich

Die Fallbeispiele zeigen: Das Elterngeld lässt partnerschaftliche Modelle zu. Oft lassen sich diese Modelle aber nur unter sehr günstigen Bedingungen verwirklichen. Das System wirkt formal zwar neutral, in der Praxis hat es jedoch ungleiche und teils langfristige Folgen.  

  • Formale Neutralität, strukturelle Ungleichheit: Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen vor der Geburt. Einkommen und Erwerbsverläufe sind aber teilweise schon vor der Geburt ungleich verteilt. Einmal bestehende Ungleichheiten zwischen den Elternteilen, die entweder schon vor der ersten Geburt bestehen oder danach infolge einer ungleichmäßigen Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit entstehen, werden durch das System eher verstärkt.  
  • Partnerschaftlichkeit unter Vorbehalt: Eine gleichmäßige Aufteilung von Elterngeld und Erwerbsarbeit gelingt vor allem dann, wenn beide Eltern flexible Arbeitgebende, ausreichendes Einkommen und verlässliche Kinderbetreuung haben. Für viele Familien bleiben solche Modelle wirtschaftlich oder organisatorisch schwer umsetzbar.  
  • Komplexität als zusätzliche Hürde: Die Regelungen des Elterngeldes von dem im Steuerrecht verankerten Einkommensbegriff über Partnermonate und Partnerschaftsbonus hin zu Mehrlingszuschlag und Geschwisterbonus sind äußerst komplex. Es erfordert enorme Ressourcen vonseiten der Eltern, diese zu durchdringen und die kurz-, mittel und langfristigen Folgen der verschiedenen Modelle für ihre finanzielle Situation abschätzen zu können.  
  • Langfristige Wirkungen im Lebensverlauf: Entscheidungen über Elterngeld und Elternzeit wirken über Jahre nach. Früh entstehende Ungleichheiten setzen sich fort: etwa durch geringere Einkommen, begrenzte Karrierechancen und Nachteile in der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge. Das betrifft besonders Mütter.  

Unsere Vorgehensweise

Prognos führte eine Online-Befragung unter Eltern durch, die seit 2015 Elterngeld bezogen haben. Nach einer Plausibilitätsprüfung der Daten entwickelte Prognos neun exemplarische Fallbeispiele. Sie bilden unterschiedliche Familienformen, Erwerbssituationen und zeitliche Verläufe ab.  

Projektteam: Evelyn Stoll, Dr. Dagmar Weßler-Poßberg, Ulrich Weuthen

Stand: 10.06.2026

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Evelyn Stoll

Fachspezialistin

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Dr. Dagmar Weßler-Poßberg

Partnerin, Leitung Gesellschaftspolitik

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