Neue Märkte der Güterbinnenschifffahrt

Auftraggeber

Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMV)

Jahr

2026

Partner

SSP Consult, Steinbeis Innovationszentrum für Logistik und Nachhaltigkeit (SLN)

PDF herunterladen

Durch Kreislaufwirtschaft, Energiewende und industrielle Transformation entstehen neue Märkte für die Binnenschifffahrt. Wie groß ihr Potenzial ist, haben wir für das Bundesverkehrsministerium (BMV) untersucht.

Zentrale Zukunftsmärkte für den innerdeutschen Schiffstransport

Die Studie identifiziert mehrere relevante Märkte mit unterschiedlichem Entwicklungspotenzial:

Kreislaufwirtschaft

Hier fallen jährlich rund 400 Millionen Tonnen Abfälle an, von denen etwa die Hälfte stofflich oder energetisch verwertet wird. Damit ist ein relevanter Markt für die Binnenschifffahrt vorhanden. Gleichzeitig zeigt sich: Das theoretische Potenzial lässt sich nur dann nutzen, wenn Abfallströme gebündelt werden können, Behandlungsanlagen räumlich konzentriert sind und Genehmigungsverfahren den Transport nicht ausbremsen.

Wasserstoff 

Langfristig werden Pipelines hier den Transport dominieren. In der Hochlaufphase der Wasserstoffwirtschaft entstehen jedoch zusätzliche Bedarfe – vor allem für Wasserstoffderivate wie Ammoniak und Methanol. Hier kann die Binnenschifffahrt eine ergänzende Rolle übernehmen. Perspektivisch begrenzen parallele Pipelineverbindungen allerdings das Marktvolumen.

Windenergie 

Für Onshore-Anlagen steigt der Bedarf an Transporten von Großkomponenten wie Rotorblättern und Turmsegmenten. Der Straßentransport stößt dabei zunehmend an Grenzen – etwa durch Genehmigungsauflagen und Engpässe in der Infrastruktur. Dadurch entstehen Chancen für kombinierte Transportlösungen, in denen das Binnenschiff eine stärkere Rolle übernehmen kann. Für Offshore-Windenergie ergibt sich hingegen kaum Binnenpotenzial, da die Logistik überwiegend über See organisiert wird.

Biomasse

Biomasse ist bereits heute ein stabiler Bestandteil der Binnenschifffahrt. Mit der zunehmenden stofflichen und energetischen Nutzung biogener Rohstoffe wird ein moderates zusätzliches Transportpotenzial erwartet.

Fahrzeug- und Batterierecycling

Für Fahrzeug- und Batterierecycling zeichnet sich langfristig ein stark wachsender Markt für die Binnenschifffahrt ab, dessen Realisierung jedoch von industriellen Investitionsentscheidungen und regulatorischen Vorgaben abhängt.

CO₂-Transporte

CO₂-Transporte im Rahmen von Carbon-Capture-Strategien könnten perspektivisch neue Güterströme erzeugen, ihr Umfang und die Verkehrsträgerwahl sind aktuell jedoch noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

Wirtschaftlichkeit und Umweltwirkung von Binnenschifffahrt

Unter geeigneten Rahmenbedingungen weist der Binnenschiffstransport deutliche Kostenvorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern auf. Diese relativieren sich jedoch, sobald Umschlagskosten sowie Vor- und Nachläufe auf der Straße berücksichtigt werden. Wirtschaftlichkeit hängt daher wesentlich von der konkreten Ausgestaltung der Transportkette ab.

Unstrittig ist hingegen der ökologische Vorteil: Die Binnenschifffahrt kann einen relevanten Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten und benötigt im Vergleich zum Straßengüterverkehr deutlich weniger Energie.

Die Untersuchung zeigt, dass neue Märkte für die Binnenschifffahrt entstehen, ihr Potenzial jedoch nicht selbstverständlich gehoben wird. Entscheidend ist ein Bündel an Maßnahmen: die Sicherung von Flächen für Umschlag und Lagerung in Häfen, die Vereinfachung und Harmonisierung regulatorischer Vorgaben sowie ein konsequenter Ausbau digitaler Lösungen und Kooperationen.

Unsere Vorgehensweise

Methodisch basiert die Studie auf der systematischen Analyse neuer Zielmärkte, der Auswertung der Verkehrsprognose 2040 sowie der ergänzenden Betrachtung bestehender Märkte. Hinzu kommen Bewertungen zu Kosten, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen sowie zur technologischen und infrastrukturellen Entwicklung.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der BMV-Webseite

Projektteam: Sven Altenburg, Dr. Bärbel Birnstengel, Hans-Paul Kienzler, Dr. Almut Kirchner, Leonard Krampe, Sven Kreidelmeyer, Jens-Jochen Roth (SSP), Robert Burg (SLN)

Stand: 23.07.2026

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Almut Kirchner

Partnerin, Direktorin

Profil ansehen

Mehr Studien & Projekte zu diesem Thema

Aufbau und Finanzierung der CO₂-Infrastruktur in Deutschland

2026
| Projekt

Prognos untersucht für die Carbon Management Allianz, wie der Markthochlauf einer multimodalen CO₂-Infrastruktur gestaltet werden kann und welche Rahmenbedingungen einen schnellen und wirtschaftlich tragfähigen Ausbau ermöglichen.

Umsetzung der European Cluster Collaboration Platform (ECCP)

2026
| Projekt

Die European Cluster Collaboration Platform hat zum Ziel, die europäische Wirtschaft durch Zusammenarbeit zu stärken. Gemeinsam mit Partnern entwickelten wir die ECCP zur zentralen Anlaufstelle für Clusterorganisationen in Europa weiter.

Zusätzliche Gaskosten bei fossilen Heizungen

2026
| Expertise

Künftig müssen Vermietende bei neu eingebauten Gas- und Ölheizungen einen Teil der Kosten tragen. Wie stark werden Mieterinnen und Mieter dadurch entlastet? Mit unseren Daten hat der SPIEGEL einen interaktiven Gaskostenrechner erstellt.

Klimaverträglichkeitskonzept für Vorpommern-Greifswald

2026
| Projekt

Im Auftrag des Landkreises Vorpommern-Greifswald entwickelte Prognos ein integriertes Klimaschutz-Vorreiterkonzept, das den Weg zur Klimaneutralität bis 2040 ebnet.

Standortfaktor Bahn: Wie Infrastruktur regionale Attraktivität prägt

2026
| Projekt

Wie stark beeinflusst die Bahn die Attraktivität von Standorten für Unternehmen und Bevölkerung? Das untersuchten wir im Auftrag das Deutschen Zentrums für Schie-nenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt.

Industrielle Souveränität und regionale Ungleichheiten in der EU

laufend
| Projekt

Wie beeinflussen Investitionen in die Industriepolitik die regionale Entwicklung in Europa? Prognos analysiert, wie sich unterschiedliche strategische Ausrichtungen in der Industriepolitik auf die Regionen auswirken.

Wirtschaftliche Effekte der Messe Köln

2026
| Projekt

Wie stark prägt die Kölner Messe Wirtschaft und Beschäftigung in Köln und darüber hinaus? Im Auftrag der Koelnmesse GmbH hat Prognos analysiert, welche Effekte die Veranstaltungen auf Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und weitere wirtschaftliche Bereiche haben.

Studienreihe „Messewirtschaft im Blick“

laufend
| Projekt

Wie beeinflussen Messen die regionale und gesamtdeutsche Wirtschaft? Das zeigt unsere Studienreihe im Auftrag des AUMA und einzelner Messestandorte.

Regionale Arbeitslandschaften – Update 2026

2026
| Projekt

Wie verändert sich der Arbeitsmarkt in Bayern bis 2035? Das haben wir im Auftrag der vbw für alle 96 Kreise und kreisfreien Städte untersucht.

Erarbeitung der Deep-Tech-Agenda für Berlin

2026
| Projekt

Eine Deep Tech Agenda für die Hauptstadt: Prognos unterstützte das Land Berlin in seiner strategischen Neuausrichtung sowie technologie- und innovationspolitischen Profilierung.

Über Prognos

Wir vereinen Wirtschaftsforschung und Strategieberatung für tragfähige Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere belastbaren Daten, präzisen Analysen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse ermöglichen faktenbasierten Fortschritt – finanziell unabhängig, politisch neutral.

Mehr erfahren