Zurück zur Projektübersicht

Effekte des nationalen Brennstoffemissionshandels auf die Abfallwirtschaft

Auftraggeber

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, erstellt für Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Jahr

2022

Partner

ENVERUM Ingenieurgesellschaft für Energie- und Umweltverfahrenstechnik, INFA Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management, Ramboll Deutschland


Fragestellung und Ziel

Um das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten und die globale Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2° Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, hat Deutschland 2021 ein nationales Emissionshandelssystem eingeführt. Es beruht auf dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) und betrifft die Sektoren Wärmeerzeugung und Verkehr, die vom Europäischen Emissionshandel nicht erfasst werden. Ab 2023 soll auch die thermische Abfallbehandlung in das BEHG einbezogen werden.

Um die Auswirkungen des nationalen Emissionshandelssystems auf die Abfallverbrennung zu untersuchen, hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) diese Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) in Auftrag gegeben. Sie untersucht die möglichen Auswirkungen auf die Kosten und Gebühren, die Auswirkungen auf die Abfallverbringungen sowie die Möglichkeiten zur regulatorischen Ausgestaltung. Im Jahr 2022 wird das BEHG evaluiert. Für die Festlegung von sachgerechten Durchführungsregelungen soll diese Studie herangezogen werden.

Unsere Vorgehensweise

Die Studie legt den Fokus auf die thermischen Abfallbehandlungsanlagen (Müllverbrennungsanlagen und Ersatzbrennstoff-Kraftwerke). In diesen werden 56 Prozent der thermisch behandelten Abfälle behandelt. Die Mitverbrennung in Zement-, Kohle- sowie anderen Industriekraftwerken ist bereits in den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) eingebunden. Die Studie modelliert Emissionsfaktoren für verschiedene typisierte Abfallarten, die in thermischen Abfallbehandlungsanlagen eingesetzt werden. Anhand dieser Emissionsfaktoren werden die Kostensteigerungen für die Behandlung ausgewählter Abfälle ermittelt. Zu berücksichtigen ist dabei nur der fossile Anteil des emittierten CO2. Um zu beurteilen, wie sich durch das BEHG die Abfallgebühren für die Haushalte verändern werden, betrachtet die Studie drei Szenarien. Neben den Verlagerungsrisiken ins Ausland werden auch die Möglichkeiten zur regulatorischen Ausgestaltung untersucht. Dabei geht es insbesondere um ein praxisorientiertes Verfahren zur Bestimmung der relevanten CO2-Menge sowie um die Emissionsberichterstattung, eventuelle Ausnahmeregelungen und die Bestimmung von Verantwortlichkeiten.

Kernergebnisse

Für den Modell-Hausmüll (Zusammensetzung gemäß bundesweiter Hausmüllanalyse) werden die Nettokosten für die Abfallwirtschaft um 9,75 Euro pro Tonne Abfall (2023) bis 18,10 Euro pro Tonne Abfall (2026) steigen. Geht man von einem denkbaren Preisniveau von 100 Euro pro Tonne CO2 aus, so steigen allein die Nettokosten der thermischen Behandlung (ohne Monitoringkosten, Installation/Erweiterung der Messtechnik, Abfallbeprobung etc.) 2026 auf 27,85 Euro pro Tonne Abfall. Die Gebührenerhöhungen für die Haushalte wurden für Sperr- und Hausmüll anhand von drei Szenarien berechnet. Die relative Gebührenerhöhung durch die CO2-Bepreisung liegt bei mindestens drei bis acht Prozent, und zwar bei durchschnittlichen Gebühren, einem mittleren Abfallaufkommen und einem CO2-Preis von 65 Euro je Tonne. Die Verlagerungsrisiken ins Ausland werden potenziell nicht ausgeschlossen, jedoch als begrenzbar eingeschätzt. Dabei wurde der aktuelle Stand der Im- und Exporte, die verfügbaren Kapazitäten zur thermischen Behandlung in angrenzenden EU-Mitgliedsstaaten, die Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie flexiblere Marktreaktionen berücksichtigt.

Links und Downloads

Zur Studie (Website BMWK)

Projektteam: Dr. Bärbel Birnstengel

 

Stand: 30.08.2022

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Bärbel Birnstengel

Prinzipal

Profil ansehen

Mehr Studien & Projekte zu diesem Thema

More studies & projects on this topic

Folgestudie zu den intelligenten Spezialisierungsstrategien in der EU

2023
| Projekt

Die 185 intelligenten Spezialisierungsstrategien der EU-Regionen haben wir zusammen mit CSIL bewertet: eine quantitative Studie für die EU-Kommission.

DG REGIO – Evaluation European Green Deal

laufend
| Projekt

Wie gut hilft die EU-Kohäsions- und Strukturpolitik dabei, den grünen Wandel in Europa voranzutreiben? Diese und anderen Fragen gehen wir gemeinsam mit COWI, Milieu und CSIL im Auftrag der Europäischen Kommission (DG REGIO) nach.

KreativLand Baden-Württemberg

laufend
| Projekt

Kreativschaffende auf dem Land? Wir wollen das gestalterische Potenzial und die innovativen Impulse sichtbar machen. Dafür begleiten wir das Modellprojekt KreativLand Baden-Württemberg als wissenschaftlicher Partner.

Höherer Klimanutzen dank der europäischen Abfallwirtschaft

2022
| Projekt

Welchen Beitrag leistet die europäische Abfallwirtschaft zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens?

Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung

2022
| Meldung

Energieexpertin Dr. Almut Kirchner im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung zum Schweizer Energiesystem.

Netzentwicklungsplan Gas 2022-2032: Konsultationsdokument veröffentlicht

2022
| Meldung

Unser Gas-Team hat die Fernleitungsnetzbetreiber beim gesamten Prozess der Erstellung des Netzentwicklungsplans Gas unterstützt.

Innovationsstrategie für die Metropolregion Hamburg

2022
| Projekt

Innovationen entstehen immer häufiger länder- und branchenübergreifend. Gemeinsam mit IMP³ROVE entwickelten wir für die MRH eine Strategie inklusive herausragender Inno-vationsprojekte.

Transformation des Energiesystems in allen Details

2022
| Meldung

Dr. Almut Kirchner, Energiesystemexpertin, Direktorin und Partnerin bei Prognos, ist Co-Autorin des „Handbuch der elektrischen Energieversorgung“.

Kostenmodell für die Entsorgung von Einwegkunststoffen

2022
| Projekt

Über eine Sonderabgabe müssen die Hersteller die Kosten für die Sammlung und Entsorgung von Einwegkunststoffprodukten tragen. Wir entwickelten ein Kostenmodell für das Umweltbundesamt.

Konzept einer regionalen Ressourcenwende für das Rheinische Revier

2022
| Projekt

Das Rheinische Revier will klimaneutral und ressourceneffizient werden. Wir haben in Kooperation mit dem Wuppertal Institut ein methodisches Konzept für eine Regionalstrategie und ein Monitoringkonzept entwickelt.

Über Prognos

Wir geben Orientierung.

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert.

Mehr erfahren