Methanemissionen aus europäischen Deponien

Auftraggeber

Kanadevia Inova AG

Jahr

2026

Partner

ifeu gGmbH


Methanemissionen aus Deponien sind eine oft unterschätzte Klimaherausforderung. Methan zählt nach Kohlendioxid zu den wichtigsten Treibhausgasen – und hat über kurze Zeiträume ein deutlich höheres Erderwärmungspotenzial. Weil es nur relativ kurz in der Atmosphäre verbleibt, kann eine schnelle Reduktion spürbare Vorteile für das Klima bringen.

In der EU stammten 2021 rund 18 Prozent der Methanemissionen aus der Entsorgung fester Abfälle. Satellitendaten legen nahe, dass die tatsächlichen Werte sogar deutlich höher sein könnten.

Die Europäische Union reagiert darauf mit einem umfassenden politischen Rahmen: Weniger Deponien, mehr Recycling, Stärkung der zirkulären Wirtschaft. Ihre Klimaziele sind ambitioniert: 55 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030, Klimaneutralität bis 2050. Der Abfallsektor rückt dabei zunehmend in den Fokus – sichtbar in Diskussionen über ein Verbot unbehandelter Siedlungsabfälle und die Überarbeitung der Deponie-Richtlinie.  

Im Auftrag von Kanadevia Inova analysierten Prognos und ifeu den zeitlichen Verlauf und das Ausmaß der Methanemissionen aus Deponien. Das Ziel: die Reduktion von Methan beschleunigen, Aufmerksamkeit für Datenlücken schaffen und damit eine evidenzbasierte Politikgestaltung ermöglichen.  

Wir modellierten den Zeitraum und das Ausmaß der Methanemissionen, die durch die Deponierung von Siedlungsabfällen zwischen 2022 und 2050 unter verschiedenen Szenarien entstehen. Dabei wurden die Methanemissionen bis zum Jahr 2130 berechnet. 

Die Reduzierung der Methanemissionen kann die kurzfristige Erwärmung verlangsamen und „Zeit gewinnen“ 

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Methanemissionen aus Deponien sind erheblich und halten über lange Zeiträume hinweg an. Sie hängen stark von der Abfallmenge, dem biogenen Anteil und der Effizienz der Methanrückgewinnung ab.
  • Sofortige Maßnahmen – noch stärkere Reduzierung oder Verbot der Deponierung organischer Abfälle, Beschleunigung des Übergangs zu einer zirkulären Wirtschaft, Ausbau der Rückgewinnungssysteme – können die Emissionen bis 2050 erheblich reduzieren.
  • Wenn die jährlichen Deponiemengen auf dem Niveau von 2022 bleiben (Status-quo-Szenario), werden bis 2130 in der EU-27 und Großbritannien voraussichtlich 1.515 Millionen Tonnen CO2e (GWP100) entstehen. Die Umsetzung des zehn-Prozent-Deponierungsziels für Siedlungsabfälle könnte die Methanemissionen halbieren. Ein vollständiges oder nahezu vollständiges Deponierungsverbot von Siedlungsabfällen bringt noch deutlich größere Vorteile.
  • Eine Analyse der Entwicklung von 2018 bis 2022 zeigt, dass wichtige politische Ziele in Gefahr sind. Fünf der acht Schwerpunktländer – Griechenland, Portugal, Rumänien, Spanien und Tschechien – steuern nicht auf das Deponierungsziel von zehn Prozent zu. Die aktuelle Dynamik reicht demnach nicht aus, um die korrespondierenden Potenziale für die Methanreduktionen zu erreichen.  
  • Auch wenn die Deponierung von Siedlungsabfällen abnimmt, setzen alte Deponien noch jahrzehntelang Methan frei. Langfristige Minderungsstrategien sind daher notwendig. Beispielsweise werden im Status-quo-Szenario 37 Prozent der Gesamtemissionen (562 Mt CO2e) noch nach dem Jahr 2050 freigesetzt, wenn die modellierte Deponierung von Siedlungsabfällen eingestellt wird.
  • Daten- und Methodiklücken bleiben ein Hindernis für eine genaue Verfolgung und eine wirksame Politikgestaltung. Bessere Datensätze, eine verbesserte Transparenz der Parameter und eine verstärkte Überwachung (einschließlich Satellitendaten) sind unerlässlich.
  • Die Reduzierung von Methan ist ein entscheidender kurzfristiger Hebel, um die EU-Klimaziele zu unterstützen und schnelle Klimavorteile zu erzielen.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer Stärkung der Datengrundlagen und der Einführung einheitlicher Modellierungsansätze zur Unterstützung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen im Abfallsektor.

Unsere Vorgehensweise

Für die Studie entwickelten wir gemeinsam mit unserem Projektpartner ifeu eine szenariobasierte quantitative Bewertung der zukünftigen Methanemissionen durch   Siedlungsabfälle, die zwischen 2022 und 2050 innerhalb der EU-27 und Großbritannien deponiert werden. Dabei wurden die Emissionen bis 2130 verfolgt. Zusätzlich zur Gesamtbetrachtung führten wir detaillierte länderspezifische Bewertungen für Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Rumänien und Tschechien durch.

Die Studie bewertet ebenfalls die Datenqualität, die methodische Konsistenz und die Unsicherheiten anhand länderspezifischer Analysen, einschließlich detaillierter Überprüfungen der nationalen Inventardokumente (NIDs), die der UNFCCC vorgelegt wurden.

Links und Downloads 

Zur Studie (auf Englisch)

Weitere Informationen auf der Webseite von Kanadevia Inova

Projektteam: Dr. Bärbel Birnstengel, Richard Simpson, Patrick Bechhaus (Prognos), Regine Vogt (ifeu)

Stand: 22.01.2026 

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Ihr Kontakt bei Prognos

Richard Simpson

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