Organspende: Evaluation der Aufklärungsarbeit

Auftraggeber

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit BIÖG (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA)

Jahr

2026

Partner

Prof. Dr. Matthias Hastall (TU Dortmund)


Die positive Einstellung zum Thema Organ- und Gewebespende in der Bevölkerung ist mit 85 Prozent so hoch wie nie zuvor, wie die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung von 2024 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), zeigen. Während 62 Prozent der Befragten eine Entscheidung getroffen haben, haben 45 Prozent ihre Entscheidung im Organspendeausweis und/oder in einer Patientenverfügung dokumentiert. 

Um die Anzahl der dokumentierten Entscheidungen zu erhöhen, verpflichtet das Transplantationsgesetz (TPG) das BIÖG, die Bevölkerung über die Möglichkeit der Organ- und Gewebespende aufzuklären und zu einer informierten Entscheidung und Dokumentation zu befähigen. Um diesen Auftrag zu erfüllen, verfolgt das BIÖG einen Aufklärungsansatz, der zum Ziel hat, die Menschen zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende zu motivieren. 

Laut TPG soll die Aufklärungsarbeit zur Organ- und Gewebespende alle vier Jahre evaluiert werden. Das BIÖG hat Prognos gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Hastall mit der ersten Evaluation beauftragt.

Fokus auf Verfügbarkeit und Reichweite der Aufklärungsarbeit

Das Ziel der Evaluation war, wissenschaftlich zu überprüfen, inwiefern die Informationsangebote des BIÖG die zielgruppenspezifische und an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger angepasste Information zur Organ- und Gewebespende gewährleisten. 

Die tatsächliche Wirkung der Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung, also z. B. die Entwicklung der Zahl der dokumentierten Entscheidungen, wurde im Rahmen dieser Evaluation nicht untersucht. 

Aufklärungsarbeit insgesamt umfassend und professionell

Die Evaluation zeigt, dass die Aufklärungsarbeit des BIÖG zur Organ- und Gewebespende insgesamt umfassend und professionell erfolgt. Das sind die Kernergebnisse: 

Verfügbarkeit des Informationsangebots

  • Das BIÖG nutzt eine Vielzahl an analogen und digitalen Kommunikationswegen (u. a. Flyer, Broschüren, Organspendeausweise, die Website organspende-info.de, Social-Media-Kanäle, Veranstaltungen). 
  • Alles ist kostenfrei und online jederzeit zugänglich.

Reichweite und Inanspruchnahme des Informationsangebots

  • Die potenzielle Reichweite der Aufklärungsarbeit ist hoch, durch millionenfach verbreitete Flyer und Organspendeausweise, Plakate, Online-Angebote und den jährlichen Tag der Organspende. 
  • Multiplikatoren wie Krankenkassen verbreiten viele Informationsmaterialien und Hausärztinnen und Hausärzte beraten zunehmend mehr Personen zum Thema Organ- und Gewebespende.
  • Digitale Angebote (Website und Social Media) werden mehr genutzt, während Anrufe beim Infotelefon Organspende rückläufig sind. 
  • Die Inanspruchnahme von Printmedien und Plakaten ist anhand der verfügbaren Daten ausschließlich teilweise nachvollziehbar. 

Bewertung des Informationsangebots

  • Die Gestaltung und Verständlichkeit der Informationsmaterialien entsprechen größtenteils den Bedürfnissen der Allgemeinbevölkerung ab 14 Jahren. 
  • Die Materialien regen zur Entscheidungsfindung an und beinhalten hilfreiche Informationen.
  • Gleichzeitig zeigen Befragungen und Interviews sehr vielfältige individuelle Informationsbedürfnisse zum Thema Organ- und Gewebespende. Eine Bewertung der Erfüllung dieser individuellen Informationsbedürfnisse ist lediglich eingeschränkt möglich, da die Aufklärungsarbeit bislang nur punktuell auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet ist. 
  • Rund zwei Drittel der Befragten, insbesondere jüngere Menschen (14 bis 25 Jahre), wünschen sich häufiger Informationen zum Thema Organ- und Gewebespende im Alltag. 

Handlungsempfehlungen

Um die Aufklärungsarbeit zur Organ- und Gewebespende weiter zu verbessern, wurden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Stärkerer Fokus auf zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien
  • Ausbau digitaler und settingbezogener Kommunikationswege
  • Ausbau der Zusammenarbeit mit Multiplikatoren 
  • Tagesaktuelles Medien- und Social-Media-Monitoring inkl. angepasster Reaktionsstrategie
  • Stärkere Orientierung an Konzepten der Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung
  • Durchführung von Pretests und Evaluationen mit experimenteller Wirkungsmessung

Unsere Vorgehensweise

Zunächst verschafften wir uns einen Überblick über die Aktivitäten und Materialien, die das BIÖG (vormals die BZgA) seit 2015 in der Aufklärungsarbeit zur Organ- und Gewebespende entwickelte und nutzte. Diese Bestandsaufnahme ergänzten wir durch eine Literatur- und Datenrecherche. 

Auf dieser Grundlage entwickelten wir ein Erhebungsdesign, um zielgruppenspezifische Aspekte hinsichtlich der Forschungsfragen zu untersuchen. Wir haben dafür Experteninterviews durchgeführt sowie eine bevölkerungsrepräsentative Zielgruppenbefragung, narrative Interviews mit Personen der Zielgruppen und Fokusgruppen, wobei die Datenerhebung überwiegend durch die INFO GmbH erfolgte.

Links und Downloads

Zum Evaluationsbericht (PDF)

Zum Bericht der Bundesregierung zur Evaluation (PDF)

Zum Zwischenbericht der Bundesregierung zur Evaluation (PDF) 

Website des BIÖG zur Organ- und Gewebespende

Projektteam: Nina Altmann, Emily Kraus, Marie Schliesser, Janko Vollmer

Stand: 08.01.2026

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Ihr Kontakt bei Prognos

Janko Vollmer

Senior Projektleiter

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Nina Altmann

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