Deindustrialisierung: Rückgrat unserer Wirtschaft in Gefahr

Auftraggeber

vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.

Jahr

2025


Die Industrie bildet das Rückgrat der exportorientierten deutschen und bayerischen Wirtschaft. Industriebetriebe sind international wettbewerbsfähig und zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Produktivität aus. Zudem ist die Industrie ein Treiber von Innovationen und ein zentrales Element in nationalen und globalen Wertschöpfungsketten. 

Eine besondere Bedeutung haben industrielle Produktionsstrukturen für den ländlichen Raum. In der Nähe großer industrieller Fertigungszentren sind viele Zulieferer und Dienstleister angesiedelt. Der Wegfall eines solchen Zentrums führt nicht nur zum Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung, sondern auch dazu, dass den Zulieferern der regionale Absatzmarkt wegfällt. Die negativen Auswirkungen einer Deindustrialisierung im ländlichen Raum werden daher oft unterschätzt. 

Vor diesem Hintergrund hat uns die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. beauftragt, die Bedeutung der Industrie für Bayern und die möglichen Folgen einer Deindustrialisierung zu untersuchen.

Deindustrialisierung schreitet regional unterschiedlich schnell voran

Auswertungen amtlicher Daten zeigen seit 2014 eine schleichende Deindustrialisierung in Deutschland und Bayern. Unsere Analysen machen allerdings deutlich: Das Ausmaß dieses Bedeutungsverlusts der Industrie unterscheidet sich zwischen den verschiedenen bayerischen Regionen: Während der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung vor allem in Niederbayern und Oberfranken deutlich gesunken ist, fiel die Deindustrialisierung in der Oberpfalz oder in Oberbayern schwächer aus. Wesentlich für diese Unterschiede sind regionale industrielle Cluster, die unterschiedlich stark von Verlagerungen von Produktionsstätten betroffen sind.

Deindustrialisierung gefährdet Jobs und Innovationen

Eine Deindustrialisierung ist für Deutschland und Bayern zumindest kurz- und mittelfristig unter den gegebenen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit Nachteilen verbunden, denn:

  • Industrieunternehmen stehen in der Regel im internationalen Wettbewerb, sind deshalb produktiver und sorgen für stabile und gut entlohnte Beschäftigung.
  • Zudem ist die Industrie ein Vorreiter bei der Entwicklung von Innovationen und der Etablierung neuer Technologien.
  • Als Abnehmer von Vor- und Dienstleistungen ist die Industrie ein wichtiger Akteur für Zulieferer und unternehmensnahe Dienstleistungen. 

Die Studie zeigt: Auf gut vier Arbeitsplätze in der bayerischen Industrie kommt ein zusätzlicher Arbeitsplatz bei bayerischen Dienstleistern. Mit anderen Worten sind zusätzlich zu den 1,5 Millionen Erwerbstätigen in der Industrie in Bayern rund 450 Tausend Personen bei direkten Dienstleistern von der bayerischen industriellen Fertigung abhängig. 

  • Durch eine Verlagerung von Produktionsstätten weg aus Bayern gehen entsprechend zusätzliche Jobs in Dienstleistungssegmenten, aber auch bei industriellen Zulieferern verloren, die nicht direkt von der Verlagerung betroffen sind.
  • Hinzu kommen längerfristige Nachteile wie ein Verlust an industriellem Know-How und an Standortattraktivität.
  • Dies kann über die Zeit zu Kaskadeneffekten der Deindustrialisierung führen.

Unsere Vorgehensweise

Grundlegend für die Studie sind Daten zur Industrie und zur Gesamtwirtschaft in Bayern vom Statistischen Landesamt Bayern sowie das regionalökonomische Modell REGINA von Prognos. Mit diesem multi-regionalen Input-Output-Modell bilden wir Handelsbeziehungen zwischen Regierungsbezirken in Bayern sowie mit den weiteren Bundesländern und dem Ausland auf Ebene von Branchen ab. Dies ermöglicht die Bestimmung der Wertschöpfungsbeiträge und Anzahl der Jobs, die direkt oder indirekt an der industriellen Fertigung je Regierungsbezirk und in Bayern insgesamt hängen.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen auf der vbw-Webseite

Projektteam: Silvia Golm, Philipp Kreuzer, Dr. Andreas Sachs, Hauke Toborg, Eva Willer 

Stand: 16.09.2025

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Dr. Andreas Sachs

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