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Polen und Ungarn in der EU – eine wirtschaftliche Erfolgsstory in Gefahr?

Auftraggeber

vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Jahr

2022


Fragestellung und Ziel

Polen und Ungarn erlebten in Folge ihres EU-Beitritts im Jahr 2004 einen beinahe durchgängigen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis heute anhält. Gleichzeitig häufen sich in Ungarn seit 2010 und in Polen seit 2015 die Konflikte mit der EU. Diese drehten sich im Kern darum, dass die zunehmend autoritär agierenden Regierungen der Länder die Unabhängigkeit der Justiz einschränkten und so die Gewaltenteilung als demokratisches Fundament untergraben.
Die Studie für die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zeigt die engen wirtschaftlichen Verflechtungen von Polen und Ungarn mit den übrigen Ländern der EU. Veranschaulicht wird, wie stark beide Seiten profitieren – etwa im Hinblick auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze, die vom wechselseitigen wirtschaftlichen Austausch abhängen. Damit werden auch die potenziellen ökonomischen Verwerfungen sichtbar, die mit einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Polen und Ungarn mit der übrigen EU einhergehen könnten – ein EU-Austritt Ungarns oder Polens mag aus heutiger Perspektive unwahrscheinlich erscheinen und von keiner Seite gewollt sein, ausgeschlossen ist er jedoch nicht.

Unsere Vorgehensweise

Das Projektteam untersuchte die wirtschaftlichen Austauschbeziehungen und analysierte, inwieweit sie für beide Seiten gewinnbringend sind. Im Ergebnis wird der drohende wirtschaftliche Schaden deutlich, der mit einem Fortbestand des politischen Konflikts zwischen der polnischen bzw. ungarischen Regierung und der EU einhergeht – im Hinblick auf den grenzüberschreitenden Güteraustausch, die Investitionsbeziehungen, die Integration der Arbeitsmärkte und die Forschungskooperation. Zuletzt zeigt eine Analyse der Wertschöpfungsketten auf, wie viel Bruttowertschöpfung und Beschäftigung bei den Partnern am Handel miteinander hängen.

Kernergebnisse

Im Jahr 2021 gingen 64 Prozent der polnischen und 74 Prozent der ungarischen Ausfuhren in die Länder der EU. Deutschland ist für beide Länder der wichtigste Handelspartner. Beide Länder haben eine herausgehobene Position als Vorleistungslieferant für das deutsche und bayerische verarbeitende Gewerbe. In diesem Zusammenhang wurden zehntausende, gut bezahlte Industriejobs in Polen und Ungarn geschaffen. Von der engen Industriekooperation zeugen etwa auch die hohen bayerischen Investitionsbestände in Polen und Ungarn im Jahr 2020 in Höhe 5,0 bzw. 4,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus ist Deutschland im Rahmen der europäischen Forschungskooperation sowohl Polens als auch Ungarns wichtigster Forschungspartner.
Die Zahl an polnischen und ungarischen Fachkräften, die in Deutschland und Bayern arbeiten, hat durch die Freizügigkeit im EU-Binnenmarkt stark zulegen können. Insgesamt arbeiteten im Jahr 2021 über 100.000 Personen aus den beiden Ländern in Bayern. Diese sind überdurchschnittlich häufig im Baugewerbe tätig und unterstützen so diesen vom Fachkräftemangel betroffenen Bereich mit dringend benötigter Arbeitskraft und Know-how.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen der Länder führen zu einer engen ökonomischen Abhängigkeit voneinander. Das gilt nicht nur für Branchen, die direkt in das jeweils andere Land liefern, sondern auch für vorgelagerte Branchen. Insgesamt hängen etwa 9 Prozent der Bruttowertschöpfung (BWS) in Polen und Ungarn am Handel mit Deutschland. Umgekehrt hängen am Handel mit den beiden Ländern rund 62 Milliarden Euro der deutschen BWS bzw. rund 11 Milliarden Euro der bayerischen BWS. Auch sind über 700.000 Arbeitsplätze in Deutschland, davon knapp 120.000 in Bayern, vom Handel mit Polen und Ungarn abhängig.

Insgesamt profitieren alle beteiligten Seiten sehr stark von einer engen wirtschaftlichen Kooperation auf Ebene der EU. Ein sich fortsetzender Konflikt zwischen der EU auf der einen Seite und Polen und Ungarn auf der anderen Seite würde diese Erfolgsstory gefährden – und sich negativ auf den Wohlstand in Polen, Ungarn, Deutschland und Bayern auswirken.

Links und Downloads

Folgende Dokumente und Informationen finden Sie auf der Webseite der vbw:

Studie (PDF)

Weitere Infos

Projektteam: Jakob Ambros, Dr. Michael Böhmer, Philipp Kreuzer, Mathis Vornholt, Johann Weiß, Eva Willer

 

Stand: 29.09.2022

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