Von der fossilen Wirtschaft zur Bioökonomie

Auftraggeber

EU-Kommission DG GROW & DG RTD

Jahr

2026

Partner

Idea Consult, nova-Institute

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Ob Bioplastik aus Maisstärke, Kraftstoffe aus Algen oder Textilien aus Holzfasern: Die Bioökonomie steht für eine nachhaltige Wirtschaftsweise, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen und Biomasse statt fossiler Rohstoffe nutzt – und das in möglichst geschlossenen Kreisläufen. Eine biobasierte Wirtschaft schützt Klima und Ressourcen und kann helfen, kritische Rohstoffabhängigkeiten zu verringern.

Eine wichtige Rolle spielen dabei innovative biobasierte Industriesysteme, die auf nachwachsende Rohstoffe setzen. 

Die Europäische Kommission beauftragte Prognos, Idea Consult und das nova-Institute mit einer Studie zur Untersuchung vorhandener biobasierter industrieller Systeme in der Europäischen Union. Dabei haben wir unter anderem Geschäftsmodelle untersucht, Rohstoffverfügbarkeiten und kritische Abhängigkeiten analysiert sowie Möglichkeiten für künftige Innovationen beleuchtet.

Bioökonomie in der EU: Wie kann der Übergang gelingen?

Dieses Projekt untersuchte Erfolgsfaktoren, Chancen und Risiken für biobasierte industrielle Systeme in der Europäischen Union. Diese Systeme bilden die Basis für eine umfassendere Bioökonomie, die wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung, Klimaneutralität, Autonomie, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrien beitragen kann. Die hohe Innovationskraft biobasierter Lösungen bringt aber auch Herausforderungen mit sich: Technologien müssen skalierbar sein, sich in den Markt integrieren und Wertschöpfungsketten entwickeln. Hinzu kommen geografische Faktoren, wirtschaftliche Machbarkeit, regulatorische Hürden und organisatorische Anforderungen.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen zielt diese Studie darauf ab, bestehende Wissenslücken zu schließen und strategische Unterstützung für die Industriepolitik sowie Forschungs- und Innovationsprogramme zu bieten. 

Das sind die zentralen Ergebnisse:

Biobasierte Industriesysteme und Geschäftsmodelle in der EU

  • Die biobasierten Wertschöpfungsketten sind komplex, da Unternehmen oft in mehreren Ketten tätig sind und verschiedene Märkte bedienen. 
  • Trotz Herausforderungen bietet die biobasierte Industrie in der EU großes Marktpotenzial. Sie konkurriert erfolgreich mit fossilen Wertschöpfungsketten, da sie eng mit der lokalen Wirtschaft verbunden ist. 
  • Hohe Investitionskosten, Fachkräftemangel und bürokratische Hürden durch Zertifizierungen zählen zu den zentralen Problemen. 
  • Erfolgreiche Unternehmen setzen auf technologische Führung, lokale Ressourcen und Produkte mit hohem Mehrwert. 

Biomasseverfügbarkeit und Nutzung

  • Die agrarische Biomasseproduktion wächst im Basisszenario nur begrenzt. Moderne Anbautechniken und regenerative Methoden steigern jedoch die Produktivität. 
  • Die Verfügbarkeit von Waldbiomasse bleibt stabil. Gleichzeitig lässt sich der Bereich organischer Abfälle durch bessere Sammel- und Verwertungspraktiken deutlich ausbauen. 

Importstrukturen relevanter Rohstoffe für die Bioökonomie in der EU

  • Die EU ist stark von Importen biobasierter Rohstoffe abhängig. Diese Abhängigkeit birgt Risiken und erfordert Strategien zur Risikominderung. 
  • Erfolgreiche Fallstudien zeigen, dass sich Wertschöpfungsketten biobasierter Produkte auch mit geringerer Abhängigkeit von externen Quellen gestalten lassen.

Chancen und Herausforderungen der Biotechnologie und Biomanufacturing in der EU

  • Die Branche wächst besonders in innovativen Bereichen wie Lignin-Biokompositen stark. 
  • Herausforderungen bei Skalierung und Kommerzialisierung müssen bewältigt werden, um das Potenzial voll auszuschöpfen. 
  • Nachhaltigkeit spielt eine Schlüsselrolle, da viele biotechnologische Anwendungen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilen Alternativen deutlich senken.

Handlungsempfehlungen

  • Sichere und zuverlässige Verfügbarkeit von Rohstoffen
  • Förderung nachhaltiger Biomasse durch moderne Landwirtschaft
  • Beschleunigung der Elektrifizierung zur Verringerung der Konkurrenz um Biomasse
  • Mobilisierung von Abfallrohstoffen für Klimaziele
  • Ermöglichung der komplementären Nutzung von Pflanzen für die hochwertige biologische Produktion
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Diversifizierung der Lieferkette
  • Unterstützende Marktbedingungen für biobasierte industrielle Systeme
  • Schaffung von Leitmärkten und Nachfrage nach biobasierten Produkten
  • Sicherstellung der regulatorischen Kohärenz und gleicher Wettbewerbsbedingungen für biobasierte Produkte
  • Innovationsökosystem und Skalierung
  • Beseitigung von Skalierungsengpässen und Finanzierungslücken („doppeltes Tal der Tränen“)
  • Stärkung der grundlegenden biotechnologischen Fähigkeiten der EU in neuen Plattformen
  • Förderung und Finanzierung von F&E-Initiativen für heimische biobasierte Materialien

Unsere Vorgehensweise

Folgende Methoden hat das Projektteam genutzt:

  • Auswertung von Fallstudien
  • Interviews
  • Datenauswertungen
  • Handelsanalyse
  • Innovationsanalyse
  • KI-basierte Sentiment-Analyse
  • Bewertung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Impacts

Links und Downloads

Zur Studie (PDF, auf Englisch)

Diese Studie wurde im Zuge eines Rahmenvertrags mit der Europäischen Kommission zu Forschung und Innovation beauftragt.

Projektteam: Dr. Eva Dantas, Nico Dietzsch, Phillip Hutzenthaler, Jannis Lambert, Johanna Thierstein, Vera Wechner

Letzter Stand: 21.09.2026

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