Wirtschaftliche und soziale Situation in der Bildenden Kunst

Auftraggeber

Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), Stiftung Kunstfonds

Jahr

2025


Malerei, Fotografie, Kunst im öffentlichen Raum: Die Bildende Kunst ist in unserem täglichen Leben allgegenwärtig und prägt unsere Wahrnehmung von Kultur und Schönheit. Doch wie steht es um die soziale und wirtschaftliche Situation der Kunstschaffenden, die dahinter stehen?

Um diese Frage zu beleuchten, führte Prognos im Auftrag des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und der Stiftung Kunstfonds erstmals eine umfassende Befragung mit über 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch. Diese Befragung knüpft an die bereits bestehenden Erhebungen des BBK an und erweitert sie.

Die Ergebnisse dienen als Grundlage für politische und gesellschaftliche Maßnahmen und helfen, die Herausforderungen der Kunstschaffenden besser zu verstehen. Mit einer Kombination aus Online-Umfragen und Interviews entstanden Einblicke in die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bildenden Künstlerinnen und Künstlern.

Von der Kunst zu leben – Umfrage unter Kunstschaffenden

Die Studie zeigt, wie gesellschaftliche Entwicklungen wie der demografische Wandel, die Alterssicherung und die Gleichstellung der Geschlechter die Bildende Kunst prägen. Künstlerinnen und Künstler übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, indem sie sich aktiv in Vereinen und Bildungseinrichtungen einbringen. Dabei stehen die Anerkennung und der Sinn ihrer Arbeit im Mittelpunkt. 

Einkommenssituation: Ein finanzieller Balanceakt 

Die finanzielle Lage bleibt schwierig:

  • Einkommen: 90 Prozent der Künstlerinnen und Künstler verdienen weniger als 20.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: 88 Prozent der Vollzeiterwerbstätigen in der Gesamtbevölkerung liegen über dieser Schwelle.
  • Einkommensquellen: Nur wenige leben allein von ihrer Kunst. Ein Drittel greift auf zusätzliche Einnahmen zurück, etwa durch Lehrtätigkeiten oder Verkäufe an private Sammlerinnen und Sammler. 

Soziale Absicherung: Hürden und Lücken 

  • Rente: 54 Prozent der Befragten mit Rentenbezug erhalten monatliche Renten bis maximal 800 Euro und liegen damit deutlich unter dem Durchschnitt der gesetzlichen Rente in Deutschland von 1.099 Euro. Der Großteil Bildender Künstlerinnen und Künstler ist folglich durch Altersarmut gefährdet und auf Unterstützung aus dem sozialen Umfeld angewiesen oder darauf, über das Rentenalter hinaus weiterhin berufstätig zu sein.
  • Altersvorsorge: Die soziale Absicherung bleibt ein zentrales Problem, da unregelmäßige Einkünfte oft keine stabilen Vorsorgebeiträge ermöglichen.
  • Künstlersozialkasse (KSK): Der Zugang zur KSK bleibt schwierig, da viele das Mindesteinkommen von 3.900 Euro nicht erreichen. 

Geschlechterungleichheit in der Kunst 

Trotz eines hohen Frauenanteils in Kunststudien bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 

  • Künstlerinnen übernehmen häufiger Care-Arbeit, sind öfter in Teilzeit tätig und erzielen insgesamt geringere Einkommen als ihre Kollegen. Letzteres, obwohl Frauen in Gruppenausstellungen gleicherweise vertreten sind wie Männer und nur drei Prozentpunkte weniger in Einzelausstellungen.
  • Vertretung durch Galerien: 31 Prozent aller Künstlerinnen und Künstler haben mindestens eine Galerie, die sie vertritt – 30 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer. Mehrere Galerien vertreten 16 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen. Auch arbeiten Frauen seltener mit internationalen Galerien zusammen: 14 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent der Männer. 

Zufriedenheit und Zukunftssorgen 

  • Einen sinnstiftenden Beruf auszuüben und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, ist für die meisten Bildenden Künstlerinnen und Künstler eine zentrale Motivation.
  • Die Mehrheit ist mit ihrer Arbeit zufrieden, doch die Unsicherheit über die Zukunft wächst: 81 Prozent blicken mit Sorge auf Förderprogramme, Präsentationsmöglichkeiten und politische Rahmenbedingungen. 

Digitale und analoge Arbeitsweisen 

  • Bildende Künstlerinnen und Künstler nutzen digitale Medien vor allem für Kommunikation, Information und Selbstvermarktung, während die künstlerische Produktion meist analog bleibt. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit – sowohl bei der Materialwahl als auch in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit ökologischen Themen. 

Handlungsbedarf: Perspektiven für die Zukunft 

Um die Zukunft Bildender Künstlerinnen und Künstler zu sichern, braucht es gezielte Maßnahmen in drei Bereichen: 

  • Einkommen: Bildende Künstlerinnen und Künstler brauchen stabile Rahmenbedingungen, die ihre Einkommenssituation verbessern. Verlässliche Honorare und Ausstellungsvergütungen sind dabei wesentlich.
  • Präsentation: Die Sichtbarkeit, besonders von Künstlerinnen, sollte durch gezielte Unterstützung steigen.
  • Produktion: Bezahlbare Ateliers und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind essenziell. 

Unsere Vorgehensweise

In einem ersten Schritt konzipierte und programmierte das Projektteam die Online-Befragung inklusive Pre-Tests mit Branchenakteurinnen und -akteuren. Anschließend folgte die Durchführung der Befragung und dessen Auswertung. Interviews mit Expertinnen und Experten dienten dazu, die Ergebnisse zu validieren, zu kontextualisieren und zu schärfen. 

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Weitere Informationen (Webseite Stiftung Kunstfonds)

Projektteam: Bianca Creutz, Kathleen Freitag, Arun Mahato, Kamronbek Turgunov

Stand: 22.09.2025

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Kathleen Freitag

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