Deutsche Wirtschaft international stark verflochten

Auftraggeber

vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Jahr

2024


Krisen und Konflikte stören immer häufiger die globalen Wertschöpfungs- und Lieferketten. So etwa die Corona-Pandemie oder der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Gleichwohl hat sich die Abhängigkeit der Wertschöpfungsketten vom Ausland trotz steigender Risiken in den vergangenen Jahren nicht verringert. Das zeigt unsere neue Studie zur Resilienz der deutschen und bayerischen Wirtschaft für die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Eine Analyse aus dem Jahr 2020 haben wir mit neuen Zahlen auf den aktuellen Stand gebracht.

Abhängigkeit der Wertschöpfungsketten vom Ausland bleibt hoch

Die Analyse der Resilienz der deutschen und bayerischen Wertschöpfungs- und Lieferketten zeigt:

  • Einige Branchen sind vergleichsweise stark von einzelnen ausländischen Beschaffungsmärkten abhängig, sowohl direkt (von ausländischen Vorprodukten) als auch indirekt (von international verzweigten Wertschöpfungsketten). Diese Branchen weisen also eine unterdurchschnittliche Resilienz auf. Dies gilt etwa für die Landwirtschaft, die Textilindustrie, den Bergbau oder die Nahrungsmittelbranche, die eher einfache Produkte herstellen.
  • Unterdurchschnittlich resilient zeigen sich aber auch einige Kernbranchen des verarbeitenden Gewerbes wie Pharma oder der Bereich Datenverarbeitungsgeräte, Elektronik, Optik.
  • Eine überdurchschnittlich hohe Resilienz weisen hingegen der Kraftwagenbau und der Maschinenbau auf, zwei Schlüsselbranchen der deutschen wie auch der bayerischen Wirtschaft.
  • Die direkte Importabhängigkeit hat sich in den letzten Jahren in vielen Branchen leicht erhöht. Auch die Abhängigkeit von ausländischer Wertschöpfung ist im Durchschnitt über alle Branchen etwas gewachsen.

Resilienz spielt auch nach Corona häufig eine nachgeordnete Rolle

Diese Entwicklung überrascht zunächst. Nach der akuten Phase der Covid-19-Pandemie wurde erwartet, dass Unternehmen mehr Wert auf Resilienz und diversifizierte Beschaffungsstrukturen legen würden, um Importabhängigkeiten zu reduzieren. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass viele Unternehmen Effizienz nach wie vor höher gewichten als Resilienz und die Risiken einer starken Importabhängigkeit in Kauf nehmen.

Trotzdem bleibt Resilienz von hoher Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen. Bei vielen Unternehmen aus fast allen Branchen dürfte es Handlungsbedarf geben, die Resilienz ihrer internationalen Lieferketten und Produktionsnetzwerke zu stärken. 

Darüber hinaus birgt eine geringe Resilienz auch Risiken für die Gesamtwirtschaft und kann zu gravierenden Folgen in Krisenzeiten führen. Die Resilienz der Wirtschaft zu fördern, ist also auch eine politische Aufgabe. Die Politik sollte dafür sorgen, dass die Unternehmen einen einfachen Zugang zu neuen Beschaffungsmärkten haben. Das ließe sich etwa über den Abschluss neuer Freihandelsabkommen erreichen oder über eine Vertiefung bereits bestehender Abkommen.

Unsere Vorgehensweise

Für die Analyse der Abhängigkeit der deutschen Unternehmen bei den Importen und Exporten verwendeten wir Daten des Statistischen Bundesamtes (bis zum Jahr 2023). Die Daten zur Analyse der Weltmarktanteile bestimmter Lieferländer in einzelnen Warengruppen stammen aus der Comtrade-Datenbank der Vereinten Nationen (bis zum Jahr 2022).

Für die Wertschöpfungsanalyse nutzten wir die „Trade in Value Added“-Datenbank der OECD (Ausgabe 2023). Sie enthält Daten zu 76 Industrieländern und 45 Branchen. Abschließend wurden die Ergebnisse der Wertschöpfungsanalyse mit einem länderspezifischen Risiko gewichtet. Damit wird berücksichtigt, dass es einen Unterschied macht, aus welchen Ländern die „importierte Wertschöpfung“ kommt.

Links und Downloads

Zur Studie (PDF)

Mehr zur Vorgängerstudie von 2020

Projektteam: Dr. Andreas Sachs, Johann Weiss, Eva Willer

Stand: 03.07.2024

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Johann Weiß

Senior Projektleiter

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Dr. Andreas Sachs

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