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Gesamtwirtschaftliche Einordnung der ESG

Auftraggeber

Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Jahr

2017

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Die Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) der Bundesregierung hat gezeigt, dass die Energiewende in Gebäuden nur durch die Kombination von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien erreicht werden kann. Die verstärkte Fokussierung auf Energieeffizienz (Szenario EnEff) hat dabei deutliche gesamtwirtschaftliche Vorteile gegenüber der Fokussierung auf den Einsatz erneuerbarer Energien (Szenario EE-Wärme).

Zu diesem Schluss kommt ein aktuelles Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium, das die Prognos AG gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur sowie den Beratungsunternehmen Ecofys und PwC erstellt hat.

Die Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) zeigt anhand von zwei Zielszenarien auf, wie durch eine sinnvolle Kombination aus Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes im Jahr 2050 erreicht werden kann. Das Szenario Energieeffizienz (EnEff) setzt verstärkt auf die Reduktion des Wärmebedarfs, während das EE-Wärme-Szenario vermehrt auf den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärmebereitstellung setzt. Mit der nun veröffentlichen Studie werden diese beiden Szenarien gesamtwirtschaftlich eingeordnet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Szenario EnEff deutliche Vorteile gegenüber dem EE-Wärme-Szenario aufweist: Im Szenario EnEff liegt das BIP mit 2,2 % im Jahr 2050 sichtbar stärker über dem Referenzszenario als im Szenario EE-Wärme (1,4 % im Jahr 2050). Weiterhin wirkt sich das EnEff-Szenario mit 400 Tsd. mehr Beschäftigten deutlich positiver auf den Arbeitsmarkt und das Einkommen aus, als das Szenario EE-Wärme (250 Tsd. mehr Beschäftigte).

Der private Konsum steigt gegenüber dem Referenzszenario um 60 Mrd. Euro/a (EnEff) bzw. 40 Mrd. Euro/a (EE-Wärme). Nur ein kleiner Teil dieses zusätzlichen Konsums muss dabei für die Kosten des Wohnens aufgewendet werden (max. 14 Mrd. Euro/a). Die zusätzlich notwendigen Investitionen liegen bei etwa 6 Mrd. Euro/a (EE-Wärme) bzw. 11 Mrd. Euro (EnEff). Nach Abzug der Kosten des Wohnens stehen in beiden Szenarien knapp 50 Mrd. Euro/a für zusätzlichen Konsum der privaten Haushalte zur Verfügung.

Die Durchführung einer Sensitivitätsberechnung zeigt, dass diese Ergebnisse auch bei langfristig niedrigen Energiepreisen stabil sind.

Auch mit Blick auf das Energiesystem hat das Szenario EnEff deutliche Vorteile gegenüber dem EE-Wärme-Szenario. Es ist deutlich robuster gegenüber Störeinflüssen. Sehr eindeutig fällt die Bewertung mit Blick auf hoch ambitionierte Klimaschutzziele aus: diese dürften mit dem Effizienzstandard des Szenarios EE-Wärme nicht, oder nur mit sehr hohem Kostenaufwand erreichbar sein. Die Gefahr von Lockin- Effekten ist hier dementsprechend groß.

Bei der weiteren Umsetzung der Energieeffizienzstrategie Gebäude sollte daher verstärkt auf die Steigerung der Energieeffizienz gesetzt werden. Auch wenn zur Umsetzung des EnEff-Szenarios höhere Investitionen notwendig sind, so ist dieses Geld langfristig gut angelegt: Es sichert Beschäftigung sowie klimaverträgliches und gleichzeitig bezahlbares Wohnen.

Zur ESG-Themenseite des Bundeswirtschaftsministeriums

Autorinnen und Autoren: Nils Thamling (Hauptbearbeiter, Prognos AG), Dr. Andreas Kemmler, Marco Wünsch, Dominik Rau, Hanno Falkenberg, Anissa Schlichting (Prognos AG)

Ecofys, Deutsche Energie-Agentur GmbH, PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Nils Thamling

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