Zurück zur Projektübersicht

10. Monitoring der Energiewende

Auftraggeber

vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Jahr

2022

Das im Herbst 2010 verabschiedete Energiekonzept der Bundesregierung definiert quantitative Zielgrößen, um langfristig eine sichere, wirtschaftliche sowie umwelt- und klimaverträgliche Energieversorgung in Deutschland zu erreichen. Das Konzept baut vor allem auf eine erhöhte Energieproduktivität sowie den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die ursprünglichen Ziele wurden seitdem mehrfach geändert bzw. verschärft. Seit 2012 bewertet Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) jährlich, inwieweit die gesetzten Ziele erreicht wurden. Die nun vorliegende 10. Fassung dieses Monitorings bewertet die Situation im Jahr 2020. Daten für 2021 werden, soweit sie bereits vorliegen, ergänzend dargestellt, fließen aber nicht in die Bewertung mit ein.

Aufbau und Bewertung des Monitorings

Vier Bereiche wurden zur Beurteilung der Zielerreichung der Energiewende näher betrachtet:

  • Versorgungssicherheit (Stromausfallzeit, Ausbau der Stromnetze, Eingriffe der Netzbetreiber)
  • Bezahlbarkeit (Industrie- und Haushaltsstrompreise )
  • Effizienz (Stromverbrauch, Endenergieproduktivität, Primärenergieverbrauch) und der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch
  • Umweltverträglichkeit (Treibhausgasemissionen; Sanierungsrate, Beheizungsstruktur, alternative Antriebe und Ladepunkte im Verkehr)

Für die Bewertung ausgewählter Indikatoren wurde ein Ampelschema verwendet, dem zusätzlich die Ziffern 1 bis 3 zur Bildung von Mittelwerten zugeordnet wurden. „Grün“ (= 1) bedeutet eine positive Bewertung, „Gelb“ (= 2) eine kritische Einschätzung und „Rot“ (= 3) eine negative Beurteilung.

Als Beurteilungsgrundlage dienten die quantifizierten Ziele aus dem Bayerischen Energieprogramm bzw. dem Energiekonzept der Bundesregierung sowie in Gesetzen wie dem EEG definierte Ziele. Waren keine Angaben vorhanden, wurde ein Zielpfad definiert oder es wurden angemessene Referenzwerte definiert. Zur Bewertung der Umweltverträglichkeit dienten die Treibhausgasemissionen.

Kernergebnisse

Die mit der Energiewende eingeleiteten Veränderungen des deutschen und bayerischen Energiesystems beinhalten für die Stromversorgung erhebliche Herausforderungen. Durch die teilweise bereits erfolgte und geplante Stilllegung aller Kernkraftwerke steht die Stromversorgung Bayerns, die bis Anfang 2011 zu mehr als 50 Prozent auf Kernenergie beruhte, vor großen Veränderungen. Die Versorgungssicherheit in Bayern ist zwar noch gewährleistet, die Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit der Energieversorgung ist jedoch unzureichend.

Im Vergleich zum vorhergehenden Monitoring entwickelten sich in Deutschland der Stromverbrauch und die Treibhausgasemissionen von einer negativen (roten) bzw. kritischen (gelben) Bewertung zu einer positiven. Die Effekte sind jedoch vor allem auf die Folgen der Coronapandemie im Jahr 2020 zurückzuführen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch lag weiter im positiven (grünen) Bereich. Hier bleibt Deutschland auf dem Weg der Zielerreichung. Der Industriestrompreis (rot) verschlechterte sich, die Haushaltsstrompreise sind weiterhin kritisch (gelb). Der Anstieg der Strompreise lag über der Teuerungsrate der Verbraucherpreise. Die Stromausfallzeit lag im grünen Bereich. Alle weiteren Indikatoren sind für Deutschland negativ zu bewerten (rot).

Die Versorgungssicherheit bleibt in Deutschland als auch Bayern nur mäßig zufriedenstellend. Der Netzausbau kam nur schleppend voran. Die Kosten für Systemsicherheitsmaßnahmen lagen mit rund 1,4 Milliarden Euro nahezu auf dem historischen Höchstwert.

Auswirkungen der Coronapandemie

Das Jahr 2020 wurde erheblich von der Coronapandemie beeinflusst. Infolge des Einbruchs der Wirtschaftsleistung verringerten sich der Energie- und Stromverbrauch sowie die Treibhausgasemissionen. Die Stromintensität der Industrie stieg an, da der Stromverbrauch weniger stark zurückging als die Bruttowertschöpfung. Dies gilt auch für die Emissionsintensität der Industrie, die ebenfalls anstieg. In welchem Maße die Coronapandemie die Energieeffizienz im allgemeinen beeinflusste, lässt sich jedoch nicht eindeutig beziffern. Auch hinsichtlich der Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit sind keine eindeutigen Effekte durch die Pandemie und die dadurch ausgelösten politischen Maßnahmen zu erkennen.

Links und Downloads

Zum Monitoring (Website vbw)
Zur Pressemitteilung der vbw

Projektteam: Dr. Almut Kirchner, Sven Kreidelmeyer (Projektleiter), Andreas Brutsche, Tim Trachsel

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Almut Kirchner

Direktorin, Partnerin

Profil ansehen

Sven Kreidelmeyer

Projektleiter

Profil ansehen

Unsere Arbeiten zu diesem Thema

Solarpanele auf dem Wasser

Technischer Bericht zu den Energieperspektiven 2050+

2021
| Studien & Projekte

Eine ausführliche Einführung in die Szenarienmethodik, detaillierte Herleitung und Diskussion der Ergebnisse mit Datengrundlage.

Frau zahlt kontaktlos für das Laden eines Elektroautos

Evaluation des Förderprogrammes mFUND

2021
| Projekt

Die erste Förderperiode des mFUND endete 2020. Prognos evaluierte das Programm im Auftrag des BMVI und macht Vorschläge für die künftige Ausgestaltung.

Elektroautos an der Ladesäule

Mit eeva zur ökonomischen und ökologischen Fahrzeugflotte

2021
| Unternehmen

Mit seinem ersten Praxis-Tool begleitet Prognos die Mobilitätswende jetzt auch für Flottenbetreiber. Per Klick gelangen Sie zum optimalen Fahrzeugantrieb für Ihren Fuhrpark.

Messgerät für den Stromverbrauch um Stromkosten zu berechnen

Entwicklung des Bruttostromverbrauches bis 2030

2021
| Projekt

Projektionen zu nationalen und europäischen Energie- und Klimazielen und zu Wirkungen von Einzelmaßnahmen und Maßnahmenprogrammen für das BMWi.

Zug der Matterhorn Gotthard Bahn bei Andermatt

Schweizerische Verkehrsperspektiven 2050

2021
| Projekt

Der Verkehr wird auch in Zukunft wachsen. Dies zeigen die Verkehrsperspektiven 2050 im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK.

Kleinstadt mit einer Solaranlage

Novellierte Kommunalrichtlinie Klimaschutz

2021
| Projekt

Klimaschutz in Kommunen voranbringen. Prognos hat die Novellierung der Kommunalrichtlinie Klimaschutz für das BMU bearbeitet und koordiniert.

Verkehr auf der Autobahn, im Hintergrund Windkraftanlagen

Zielpfade für den Klimaschutz im Verkehrssektor

2021
| Projekt

Mit welchen politischen Maßnahmen sind die Klimaziele 2030 im Verkehr zu erzielen? Diese Fragen beantwortet Prognos in „Zielpfade Verkehr“ für den Umweltverband Transport and Environment.

Fahrradfahrer auf einer Brücke

Evaluierungsbericht der NKI-Maßnahmen für den Zeitraum 2018/2019

2021
| Studien & Projekte

Greifen die Maßnahmen der NKI zur Reduzierung der Treibhausgase? Experten untersuchten die Wirksamkeit der Projekte in den Jahren 2018/2019. Prognos war Mitglied des Evaluations-Teams.

Einspurige Bahnlinie im Morgennebel

Chancen der Bahnlinie Amsterdam – Noord Niederlande – Hamburg

2021
| Projekt

Welche sozioökonomischen Auswirkungen hätte der Ausbau der Bahnverbindung zwischen Amsterdam, Nord Niederlande und Hamburg? Im Auftrag der Region Nord-Niederlande haben wir die Potenziale evaluiert.

Solaranlage mit Schnee bedeckt

Stromerzeugung im Winter und energetische Nutzung von Biomasse in der Schweiz bis 2050+

2021
| Studien & Projekte

Bis 2050 verfolgt die Schweiz ein Netto-Null-Emissionsziel. Gemeinsam mit Partnern analysierte Prognos die Stromerzeugung im Winter und die energetische Nutzung von Biomasse.

Über Prognos

Wir geben Orientierung.

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert.

Mehr erfahren