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Das globale Wertschöpfungsnetzwerk Deutschlands

Auftraggeber

Bertelsmann Stiftung

Jahr

2020

Klassische Handelsstatistiken, die auf Zahlen zum Vorleistungshandel basieren, reichen nicht aus, um die Bedeutung eines Landes oder einer Region als Handelspartner für die deutsche Wirtschaft zu analysieren. Prognos untersuchte daher, in welchen Ländern Wertschöpfung aus der deutschen Wirtschaft für die Produktion verwendet wird und aus welchen Ländern Wertschöpfung stammt, die in der Produktion in Deutschland verwendet wird.

Gesamtwirtschaftliche Betrachtung

Die Bedeutung inländischer Wertschöpfungslieferungen für die Endnachfrageproduzenten in Deutschland wurde bisher unterschätzt. Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist Deutschland selbst ein wichtiger Produzent und Lieferant für die Endnachfrageproduktion im eigenen Land. Vor allem West- und Osteuropa, aber auch Asien, Amerika und Südeuropa sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft weniger wichtige Anbieter und Nachfrager von Wertschöpfung, als es Analysen zum Vorleistungshandel nahelegen.

Analyse nach Sektoren

Vor allem für die Industrie weichen die Ergebnisse deutlich ab, wenn Wertschöpfung anstatt Vorleistungen in den Fokus genommen werden. 2014 war der Anteil der verwendeten Wertschöpfung aus Westeuropa an der industriellen Endnachfrageproduktion in Deutschland nur halb so groß wie das Statistiken zum Vorleistungshandel vermuten lassen. Die Industrie ist auch am stärksten abhängig von ausländischen Wertschöpfungsbeiträgen. Gut 30 Prozent der in der deutschen Industrie 2014 verwendeten Wertschöpfung stammte aus dem Ausland.

Im Agrarsektor haben die Niederlande und China eine hohe Bedeutung als Zielland für Wertschöpfung in Deutschland. Die Abhängigkeit von ausländischer Wertschöpfung in der Agrarwirtschaft sowie der Industrie in Deutschland stieg 2014 im Vergleich zum Jahr 2000 um sechs Prozent. Vor allem Osteuropa, Westeuropa und Asien vergrößerten ihren Wertschöpfungsanteil in der Produktion der deutschen Wirtschaft.

Der Dienstleistungssektor in Deutschland exportierte 2014 mehr als 30 Prozent der Wertschöpfung, die für die globale Endnachfrageproduktion vorgesehen war, aber nur fünf Prozent der Vorleistungen wurden aus dieser Branche ins Ausland geliefert. Das heißt, die Lieferungen aus dem Dienstleistungssektor an die Endnachfrageproduzenten erfolgen überwiegend indirekt, also über Drittländer. So floss Wertschöpfung aus dem Dienstleistungsbereich zu einem deutlich größeren Teil in die Endnachfrageproduktion in China, Russland, Italien und die Türkei, als es Vorleistungsexporte nahelegen. Der Anteil ausländischer Wertschöpfung für die Endnachfrageproduktion im Dienstleistungssektor in Deutschland lag bei knapp zehn Prozent.

Fazit

Das Wertschöpfungsnetzwerk Deutschlands ist seit dem Jahr 2000 globaler geworden, allerdings ist die deutsche Wirtschaft weniger stark vom Ausland abhängig, als es Zahlen zum Vorleistungshandel nahelegen.

Zur Studie (PDF, Webseite der Bertelsmann Stiftung)

Autorinnen und Autoren: Dr. Andreas Sachs (Prognos), Dr. Thieß Petersen und Thomas Rausch (beide Bertelsmann Stiftung)

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