Zurück zur Projektübersicht

Verschiebungen in der Weltwirtschaft

Auftraggeber

vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Jahr

2021

Unseren Berechnungen zufolge werden die demografischen und ökonomischen Verschiebungen in den nächsten 20 Jahren dazu führen, dass der „Westen“ – also Nordamerika, West- und Mitteleuropa – an ökonomischer Dominanz verliert, aber weiterhin einen großen Absatzmarkt darstellt. Vor allem Ostasien, der Pazifikraum und teilweise auch Südasien werden an wirtschaftlichem Gewicht gewinnen, erklärt Studienautorin Heidrun Weinelt. Mit Ausnahme dieser beiden Weltregionen ist ein nennenswerter Aufholprozess der Schwellen- und Entwicklungsländer in den nächsten zwei Dekaden aber nicht zu erwarten. Das derzeitige Wohlstandsgefälle zwischen dem „Westen“ und den übrigen Weltregionen – gerade Sub-Sahara Afrika – ist absolut schlicht zu groß und der Betrachtungszeitraum bis zum Jahr 2040 dafür zu kurz.

Das Autorenteam erwartet, dass die langfristige Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaftsleistung und Kaufkraft gerade in Ostasien und dem Pazifikraum in den nächsten 20 Jahren erhebliche Marktpotenziale für die heimische Exportindustrie bietet. Das gilt für alle in dieser Studie untersuchten Produktkategorien (medizinische Produkte, Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen, Energie- und Straßeninfrastruktur). Der wichtigste, wenngleich nicht der einzige Treiber in dieser Region ist China. Auf diese langfristigen Verschiebungen der globalen Nachfrage sind deutsche und bayerische Unternehmen bislang nur in Teilen vorbereitet.

Von West nach Ost – Verschiebung des ökonomischen Kräfteverhältnisses

Die langfristige Verschiebung der ökonomischen Kräfteverhältnisse „von West nach Ost“ könnte sich in veränderte politische Machtverhältnisse übersetzen und damit neue Spielregeln für den internationalen wirtschaftlichen Austausch bedeuten. Sie könnte mit einer verstärkten Deglobalisierung einhergehen, falls geopolitisches Kräftemessen infolge neuer Wirtschaftsmächte, protektionistische Tendenzen im Zuge der Corona-Pandemie oder die Kritik an der gegenwärtigen, westlich geprägten Handelsordnung zunehmen.

Die Studie zeigt deutlich, dass Deutschland und die EU von einer Deglobalisierung empfindlich getroffen würden. Eine Abschottung einzelner Volkswirtschaften bis hin zu einer hypothetischen Blockbildung von China und dem asiatisch-afrikanischen Raum auf der einen Seite sowie den Vereinigten Staaten und dem europäischwestlichen Raum auf der anderen Seite würden die in hohem Maße ausdifferenzierte, internationale Arbeitsteilung erheblich beeinträchtigen und damit Produktion, Einkommen und Kaufkraft in Bayern, Deutschland und der Europäischen Union schwächen. Das gilt insbesondere für die nächsten Dekaden, wenn die europäischen Volkswirtschaften im Zuge ihrer demografischen und ökonomischen Entwicklung an Wachstumspotenzial für die heimische Exportindustrie einbüßen und die größten Marktpotenziale stattdessen in Asien und Nordamerika liegen werden.

EU = Stabilisator der globalen Wirtschaftsordnung

Aber auch die Rolle und das Selbstverständnis der Europäischen Union selbst sind von Bedeutung. Als großer Wirtschaftsraum mit 27 Mitgliedstaaten ist sie für außereuropäische Volkswirtschaften wie die Vereinigten Staaten oder China ein wichtiger Partner, nicht nur umgekehrt. Vor diesem Hintergrund könnte die EU einen zentralen politischen Beitrag zur langfristigen Stabilisierung und Weiterentwicklung der globalen Wirtschaftsordnung leisten, von der alle Ökonomien weltweit profitieren können.

Direkt zur Studie (PDF)

Zur Pressemitteilung der vbw
Weitere Infos (Website vbw)

Autorenteam: Heidrun Weinelt, Dr. Michael Böhmer

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Dr. Michael Böhmer

Chefvolkswirt | Leiter Corporate Solutions

Profil ansehen

Unsere Arbeiten zu diesem Thema

Containerschiff fährt über den Ozean

Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaft auf dem Prüfstand

2021

Weltweit stagniert die Globalisierungsdynamik. In einer Studie entwickelt Prognos neue Wachstumsstrategien für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Ingenieure, die eine Maschine reparieren
© iStock - vm

Neue Prognos-Branchenprognose für 2021/2022

Wie entwickeln sich die einzelnen Branchen der deutschen Wirtschaft?

Ein Mann öffnet sein Geschäft. Auf einem grünen Schild steht "Geöffnet"

Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland und Bayern bis 2040

2021

Bayern und Deutschland können den BIP-Einbruch durch Corona bis 2022 wieder wettmachen. Prognos erstellte für die vbw eine Prognose zur Wirtschaftsdynamik bis 2040.

Vertrocknetes Feld in dem Weizen wächst

Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland

2021

In einem zweieinhalbjährigen Forschungsvorhaben analysiert das Projektteam IÖW, GWS und Prognos systematisch die Folgekosten des Klimawandels für die deutsche Volkswirtschaft.

Eine Ingenieurin und ein Ingenieur arbeiten gemeinsam an einem Laptop.

Evaluierung der Cluster-Initiativen

2021

Für die EU-Kommission evaluieren wir gemeinsam mit CSES und IDEA Consulting Group die EU Cluster-Programme.

großes Frachtschiff mit Containern beladen fährt an einem Hafen und Hochhäusern dahinter vorbei

Prognos Economic Outlook® (PEO®)

2021

In unsicheren Zeiten steigt der Bedarf an Orientierung. Der PEO® liefert neutrale Zahlen für 42 Länder und prognostiziert auf Basis eines fundierten Modells bis 2040.

gestapelte Stahlrohre

Klimapolitische Herausforderungen der Stahlindustrie

2020

Mithilfe von Szenarien haben die Studienautoren untersucht, wie die von der EU und der deutschen Bundesregierung angestrebten Ziele zur Verringerung der THG-Emissionen in der Stahlindustrie möglich sind.

ein 50 Euro Schein wird aus einer Geldbörse entnommen

Lohneinkommensentwicklungen 2025

2020

Steigt die Produktivität der deutschen Wirtschaft, kommt das nicht bei jedem Einzelnen in gleichem Maße an. Das zeigt unsere Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Eine Ingenieurin begutachtet einen Industrieroboter bei der Arbeit

Elektronik-, Elektro- und Maschinenbauindustrie in der EU

2020

Im Auftrag der Europäischen Kommission hat Prognos an einer Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Elektronik-, Elektro- und Maschinenbauindustrie in der EU mitgewirkt.

Ein Schweißer bei der Arbeit.

Deutschland nach Corona

2020

Wo lohnt es sich, nach der Überwindung der Corona-Krise zu investieren? Für welche Branchen sind welche Regionen in Deutschland besonders attraktiv?

Adobe Stock - CleverStock

Über Prognos

Wir geben Orientierung.

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert.

Mehr erfahren