Prognos Logo Print
Detailansicht
Klimaschutz | Dienstag, 05.12.2017

Die Energiewende bleibt hinter ihren Zielen zurück

Die Energiewende erreicht die Zielvorgaben nicht, die mit ihr verbunden sind. Zu diesem Ergebnis kommt das Energiewende-Monitoring der Prognos AG für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Windräder

©unsplash - petya-boyadzhieva-47244

Die Energiewende in Deutschland bleibt hinter den Zielen zurück. Die Entwicklung der Energieeffizienz, gemessen in Endenergieproduktivität, Reduktion des Stromverbrauchs und des Primärenergieverbrauchs, liegt deutlich unter den Entwicklungsvorgaben des Energiekonzepts – und hat sich im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 merklich verschlechtert.

Wohingegen der Ausbau von erneuerbaren Energien immer noch über dem anvisierten Pfad liegt, was zu infrastrukturellen Herausforderungen führt. Die Versorgungssicherheit Deutschlands mit Strom bleibt aber gewährleistet.

Zu diesem Ergebnis kommt das 6. Monitoring der Energiewende, das Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt hat. Am 5. Dezember stellte Prognos-Expertin Dr. Almut Kirchner die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz in München vorgestellt.

Beim Netzausbau sind keine zusätzlichen Verzögerungen gegenüber dem Vorjahr erkennbar, im Vergleich zum ursprünglichen Plan bleibt aber der Ausbau um mehrere Jahre verschoben.

Energiebedingte CO2-Emissionen stagnieren in Deutschland

In Deutschland stagnieren die energiebedingten CO2-Emissionen seit 2014 und lagen im siebten Jahr hintereinander deutlich über den Zielen.

Im Vergleich zum Monitoring des letzten Jahres zeigen sich in den Bewertungen in Deutschland wenige Veränderungen. In Bayern hat sich dagegen der Indikator der gesicherten Leistung verbessert, während die Bewertungen des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Umweltverträglichkeit sich verschlechtert haben.

Generell befindet sich Bayern näher an der Erreichung der Ziele des Bayerischen Energieprogramms, als Deutschland an der Erreichung der Ziele des Energiekonzepts. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Zielsysteme strukturell sehr unterschiedlich sind.

Zum Hintergrund

Im Herbst 2010 hat die deutsche Bundesregierung quantitative Zielgrößen definiert, um langfristig eine sichere, wirtschaftliche und umwelt- sowie klimaverträgliche Energieversorgung zu erreichen.
Entscheidende Bedeutung haben die Steigerung der Energieproduktivität sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die damals vorgesehene Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wurde nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima durch die geordnete Ausstiegsplanung aus der Kernkraft ersetzt, die bis 2022 umgesetzt wird.

Das Monitoring der Energiewende wurde erstmalig 2012 von Prognos im Auftrag der vbw durchgeführt. Die aktuelle sechste Fassung zeigt die Entwicklungen im Jahr 2016.

Auszüge aus der Prognos Präsentation auf der vbw-Pressekonferenz am 5. Dezember

Stand der Energiewende in Deutschland

  • Die Stromversorgung in Deutschland ist gesichert. Im Jahr Winterhalbjahr 2015/2016 wurden doppelt so viel Reservekraftwerke kontrahiert wie im Jahr 2014/2015. Für das aktuelle Winterjahr steigt die kontrahierte Leistung weiter an.
  • Die ersten Teilprojekte von SuedLink und SuedOstLink beginnen 2017 mit den ersten Projektabschnitten (Bundesfachplanung). Die Thüringer Strombrücke wurde am 14. September vollständig in Betrieb genommen. 
  • Die zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit notwendigen Maßnahmen (Redispatch, Einsman) haben im Jahr 2016 zum ersten Mal seit 2012 abgenommen, bleiben aber auf hohem Niveau. Die entsprechenden Kosten fallen um 24 % niedriger als im Jahr 2015 aus, liegen jedoch bei über 800 Mio. Euro.
  • Die Qualität der Stromversorgung in Deutschland (gemessen am SAIDI-Wert) im Jahr 2016 bleibt im europäischen Vergleich hoch.
  • Die Strompreise für Haushalts-, Gewerbe- und vollständig EEG-pflichtige Industriekunden in Deutschland bleiben hoch. Bei der Industrie ist seit 2014 ein abnehmender Trend zu sehen (der z.T. auf die Entwicklung des Beschaffungspreises des Stroms zurückzuführen ist), während der Strompreisindex für Haushalte seit 2014 stagniert.
  • Die Börsenpreise für Strom sind im Jahr 2016 weiter gesunken. Allerdings ist eine Steigerung für 2017 (zum ersten Mal seit 2011) zu erwarten.
  • Die Indikatoren zur Entwicklung der Energieeffizienz (Stromeinsparung, Endenergieproduktivität und Primärenergieverbrauch) lagen unter dem Zielpfad. Sie bleiben im roten Bereich und haben sich im Vergleich zum Jahr 2014 sogar verschlechtert.
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat sich im Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 deutlich verlangsamt. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt oberhalb des Ziel-Entwicklungspfades.
  • Die CO2-Emissionen lagen im siebten Jahr hintereinander deutlich über dem Zielpfad.


Stand der Energiewende in Bayern

  • Die Versorgungssicherheit Bayerns mit Strom ist gewährleistet.
  • Für den Winter 2017/2018 wurden knapp 3,1 GW ausländischer und 2,5 GW bayerischer Kraftwerke kontrahiert (3,8 GW bzw. 2,6 GW für den Winter 2016/2017).
  • Im Jahr 2017 hat die BNetzA einen Bedarf an Gaskraftwerken in Süddeutschland von 1,2 GW festgelegt. Diese zusätzlichen Kraftwerksleistungen sind Teil der Reserve um die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.
  • Der Stromverbrauch ist 2016 weiter gestiegen und liegt oberhalb des Zielpfades aus dem Energieprogramm 2015. Die Stromintensität der bayerischen Industrie ging 2016 weiter zurück. Die Primärenergieproduktivität übertraf 2016 den Zielwert. Der bayerische Primärenergieverbrauch (PEV) ist gesunken, während der bundesweite PEV anstieg.
  • Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung lag geringfügig unter dem Zielbereich.
  • Insgesamt stiegen die CO2-Emissionen seit 2014 an. Pro Kopf erhöhten sich die CO2-Emissionen auf 6,1 t/Kopf. Damit lagen sie nach vorläufigen Daten weiterhin über dem Zielwert.

undefinedZur Studie

undefinedZur Pressemitteilung der vbw