Zurück zur Projektübersicht

Forschungsgutachten für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Auswirkungen der Satzungsleistungen nach § 11 Absatz 6 SGB V

Auftraggeber

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Jahr

2019

Die Erweiterung der Angebotsmöglichkeiten für Satzungsleistungen durch den § 11 Abs. 6 SGB V hat die wettbewerblichen Spielräume der Krankenkassen vergrößert und allen Hinweisen zufolge zu einer Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der GKV geführt. Für bestimmte Leistungen hat der Wettbewerb dazu geführt, dass diese in ähnlicher Form mittlerweile von vielen Krankenkassen angeboten werden und auf breiter Basis von den Versicherten genutzt werden können. Gleichzeitig sind durch den § 11 Abs. 6 SGB V aber auch Spielräume für die Krankenkassen entstanden, um sich voneinander abzugrenzen, eigene Schwerpunkte zu setzen und ihre Leistungsangebote an den individuellen Bedarfen ihrer Versicherten oder einzelner Versichertengruppen auszurichten.

Für den Wettbewerb auf dem gesetzlichen Krankenversicherungsmarkt bedeutet dies, dass für die Versicherten die Möglichkeit gegeben ist, aus verschiedenen Leistungspaketen zu wählen und sich entsprechend ihrem individuellen Bedarf für eine Krankenkasse oder für ein Leistungspaket zu entscheiden. Schließlich ist festzustellen, dass die Krankenkassen die Möglichkeiten des § 11 Abs. 6 SGB V auch dazu nutzen, um Versorgungslücken zu schließen sowie ihren Versicherten den Zugang zu neuen oder innovativen Versorgungsangeboten zu ermöglichen. Daher hat der § 11 Abs. 6 SGB V als Wettbewerbsinstrument zumindest in Teilen auch dazu beigetragen, die Qualität der medizinischen Versorgung zu erhöhen. Insgesamt lässt sich auf Grundlage des Forschungsgutachtens daher feststellen, dass die Satzungsleistungen nach § 11 Abs. 6 SGB V ein sinnvolles Wettbewerbsinstrument sind.

Mit Blick auf den Markt für private Zusatzversicherungen ist festzustellen, dass die Leistungsangebote nach § 11 Abs. 6 SGB V grundsätzlich nicht mit privaten Zusatzversicherungsangeboten vergleichbar sind und daher nicht in direkter Konkurrenz zu diesen stehen. Daher sind nennenswerte Auswirkungen auf den Umfang des privaten Zusatzversicherungsgeschäfts oder die Ausgestaltung privater Zusatzversicherungstarife bisher nicht zu beobachten. Festzustellen ist, dass zwischen einzelnen Angeboten an privaten Zusatzversicherungen und den Leistungsangeboten nach § 11 Abs. 6 SGB V gewisse Überschneidungen bestehen.

Für die Anbieter von privaten Zusatzversicherungen bedeutet dies, dass bei der Produktgestaltung neben den Angeboten von privaten Mitbewerbern auch die Leistungsangebote der gesetzlichen Krankenkassen zu berücksichtigen sind. Daher kann der § 11 Abs. 6 SGB V zumindest indirekt zu einem intensiveren Wettbewerb auf dem Markt für private Zusatzversicherungen führen. Darüber hinaus besteht für den Fall einer weiteren Ausweitung des Leistungsumfangs an den inhaltlichen Schnittstellen zu privaten Zusatzversicherungen – sei es innerhalb des bestehenden gesetzlichen Rahmens wie insbesondere auch bei einer weiteren gesetzlichen Ausweitung auf weitere Leistungsbereiche - die Möglichkeit, dass der § 11 Abs. 6 SGB V künftig direkt spürbare Auswirkungen auf den Markt für Zusatzversicherungen hat. Für das bislang analysierte Geschehen ist aber festzustellen, dass der § 11 Abs. 6 SGB V keine spürbaren Auswirkungen auf den Wettbewerb mit Anbietern privater Zusatzversicherungen hatte.

Zum Endbericht auf den Seiten des BMG

Autorinnen und Autoren:

Dr. Stefan Moog, Janko Vollmer, Carsten Maday, Prof. Dr. Stefan Fetzer (Hochschule Aalen)

Haben Sie Fragen?

Ihr Kontakt bei Prognos

Stefan Moog

Senior Experte

Profil ansehen

Janko Vollmer

Projektleiter

Profil ansehen

Unsere Arbeiten zu diesem Thema

Werfen Sie einen Blick in unsere neuesten Projekte und Aktivitäten.

zwei junge Menschen mit Mund-Nasen-Schutz laufen nebeneinander auf einer leeren Straße

Welche Folgen haben Homeoffice, Schulschließung & Co?

2020

Koordiniert durch Prognos und das Institut der deutschen Wirtschaft haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interdisziplinär ein Papier zu den gesundheitlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise zusammengestellt.

Zwei Senioren benutzen Laptop und Smartphone

Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf die Rentenentwicklung

2020

Hat(te) der gesetzliche Mindestlohn Einfluss auf Rentenentwicklung und individuelle Rentenansprüche? Dem ist Prognos im Auftrag der Mindestlohnkommission nachgegangen.

ein 50 Euro Schein wird aus einer Geldbörse entnommen

Lohneinkommensentwicklungen 2025

2020

Steigt die Produktivität der deutschen Wirtschaft, kommt das nicht bei jedem Einzelnen in gleichem Maße an. Das zeigt unsere Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Eine medizinische Fachkraft assistiert einem jungen Mann beim Laufen zwischen zwei Stützbalken

Antragsrückgang bei Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

2019

Im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund identifizierten wir Gründe für den Antragsrückgang sowie für die Nichtinanspruchnahme von medizinischer Rehabilitation.

zwei Senioren sehen sich die Auswertung ihrer Finanzinvestitionen an

Regionale Kosten der Altersvorsorge

2020

Die Studie zeigt: Gesetzlich Versicherte sollten zusätzlich privat vorsorgen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Der Sparbedarf unterscheidet sich je nach Region.

medizinisches Fachpersonal schreibt einen Bericht und benutzt Laptop

Stand der klinischen Krebsregistrierung zum 31.12.2019

2020

Für den GKV-Spitzenverband hat Prognos ein Gutachten erstellt, das den aktuellen Umsetzungsstand der Förderkriterien zum 31. Dezember 2019 in den 18 klinischen Krebsregistern in Deutschland beschreibt.

Eine junge Familie läuft durch ein Feld

Investiver Sozialstaat: Innovativ und wirksam.

2020

In einem Policy-Paper beschreibt Prognos die Entwicklung des Sozialstaates in Deutschland und zeigt dabei die Komplexität von Reformprozessen auf.

eine junge Frau reicht einer Seniorin einen Korb voller Lebensmittel an der Haustür

Förderung von Nachbarschaftshilfe durch Servicepunkte

2020

Prognos evaluierte das Modellvorhaben „Förderung und Unterstützung des Engagements von Nachbarschaftshelfern durch Servicepunkte“.

Junge Menschen in einem Business Meeting, eine Person sitzt in einem Rollstuhl.

Evaluation: Umsetzung UN-Behinderten​rechts​konvention in Schleswig-Holstein

2020

Prognos untersuchte u.a. die Konzeption des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Älterer Mann mit Gehstock läuft mit Pflegekraft auf der Wiese, am Rand steht ein Rollstuhl

Evaluation: Umstellung des Verfahrens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit

2020

Prognos hat die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und des neuen Begutachtungsverfahrens im Rahmen eines Monitorings begleitet.

Adobe Stock - CleverStock

Über Prognos

Wir geben Orientierung.

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert.

Mehr erfahren