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Zukunft Stromsystem Kohleausstieg 2035

Auftraggeber

WWF Deutschland

Jahr

2017

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Im Klimaabkommen von Paris haben sich die Staaten völkerrechtlich verbindlich dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) dürfen hierfür insgesamt maximal 890 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) an Treibhausgasemissionen weltweit in die Atmosphäre abgegeben werden. Welche Folgen sich hieraus für die deutsche Stromwirtschaft ergeben und welche Maßnahmen ergriffen werden können, zeigt die aktuelle Studie von Öko-Institut und Prognos für den World Wide Fund For Nature, WWF Deutschland.

Teilt man das weltweite Budget von 890 Gigatonnen auf die heutige Weltbevölkerung gleichmäßig auf, so verbleiben für Deutschland noch 10 Gigatonnen, die in Zukunft insgesamt emittiert werden dürfen. Der deutsche Stromsektor darf anteilig seiner heutigen Bedeutung demnach zukünftig maximal noch 4 Gigatonnen an Treibhausgas ausstoßen. Aktuell stößt die Energiewirtschaft rund 350 Mio. Tonnen pro Jahr aus. Rund 80 Prozent davon stammen aus Kohlekraftwerken. Würden die CO2-Emissionen auf dem heutigen Niveau verbleiben, wäre das deutsche Budget nach 12 Jahren aufgebraucht. In der Studie zeigen Öko-Institut und Prognos konkrete Maßnahmen auf, wie Deutschland sein Emissionsbudget einhalten – und gleichzeitig die Versorgungssicherheit mit vertretbarem Aufwand erhalten kann.

Nach den Berechnungen der Autoren dürfen Kohlekraftwerke insgesamt nicht länger als 30 Jahre betrieben werden. Spätestens im Jahr 2035 müssen diese insgesamt vom Netz gehen. Mit diesem Ansatz würden die alten und CO2-intensiven Kraftwerke, die sich bereits amortisiert haben, schnell abgeschaltet werden. Dafür können neue, effizientere Kohlekraftwerke länger am Netz bleiben und zur Versorgungssicherheit beitragen. Als zweite Maßnahme dürften Kohlekraftwerke, die älter als 20 Jahre sind nur eine begrenzte Menge an Emissionen ausstoßen. Dieses Budget beträgt 3,35 t CO2 je Kilowatt Kraftwerksleistung. Emissionsarme Gaskraftwerke wären damit nicht betroffen. CO2-intensive Kohlekraftwerke würden weniger Strom und damit weniger Treibhausgase produzieren. Dieses Emissionsbudget nach britischem Vorbild hat den Vorteil, dass es so wenig wie möglich die Erlöse der Anlagen reduziert. Denn die verbleibenden Kohlekraftwerke haben weiterhin die Möglichkeit, in den teuren Stunden ihren Strom zu verkaufen. Abgeschaltet würden die Kraftwerke vor allem in den Stunden, in denen sie ohnehin weniger Geld verdienen.

Ausbau von Windkraft und Photovoltaik massiv beschleunigen

Der aktuell im Erneuerbaren Energien-Gesetz (EEG) vorgesehene Ausbau reicht zur Erreichung der Pariser Klimaziele nicht aus. „Wir müssen im Durchschnitt jedes Jahr mindestens 5 Gigawatt Windkraft an Land und 5 Gigawatt Photovoltaik zubauen“, sagt Prognos-Projektleiter Frank Peter. Würden – wie im EEG geplant – nur rund 2 bis 3 Gigawatt zugebaut, müsste der fehlende Strom mit Erdgas erzeugt werden. Und dann würden die Klimaziele verfehlt, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Der Grund: Erdgas ist zwar emissionsärmer als Kohle, hat aber dennoch zu hohe Emissionen für die Einhaltung des ambitionierten Budgets.

„Der hier dargestellte Weg ist für die betroffenen Regionen, die Unternehmen und das Stromsystem sehr ambitioniert, aber machbar“, erklärt Prognos-Experte Peter weiter. Allerdings könne das Restbudget für Deutschland unter Umständen noch kleiner ausfallen, da der in der Studie berechnete Wert von 10 Gigatonnen noch keine historische Verantwortung berücksichtigt. Die Folgen der durch Menschen verursachten Treibhausgasemissionen seien schließlich seit den 1970er Jahren bekannt. Zudem habe sich Deutschland im Pariser Klimaschutzabkommen völkerrechtlich verbindlich dazu verpflichtet, die mittlere Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Würde man nicht 2 sondern 1,5 Grad als Erderwärmung anstreben, sei das Restbudget für Deutschland mit 4,3 Gigatonnen nur noch halb so groß. „Die Diskussion zu Gerechtigkeit und Fairness in der Klimapolitik werden wir national als auch international in den nächsten Jahren intensiv weiterführen müssen.“, so Frank Peter.

Zur Studie (PDF)

Zur Kursfassung der Studie (PDF)

Zur Pressemitteilung des WWF

Autorinnen und Autoren:

Inka Ziegenhagen, Frank Peter (beide Prognos), Dr. Felix Chr. Matthes (Öko-Institut), Lukas Emele (Öko-Institut), Hauke Hermann (Öko-Institut), Charlotte Loreck (Öko-Institut),

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