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Klimaschutz & Atomausstieg | Freitag, 31.01.2020

8. Monitoring der Energiewende

Die Energiewende in Deutschland und Bayern tritt auf der Stelle. Die Stromversorgung ist in den nächsten Jahren gesichert, in Bayern jedoch nur knapp. Praktisch alle Indikatoren zum Fortschritt der Energiewende verfehlen den Zielpfad. So das Ergebnis einer Studie für die vbw.

© iStock.com - querbeet

Zum achten Mal in Folge bilanziert Prognos im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. den bisherigen Verlauf der Energiewende in Deutschland und in Bayern. Die Faktoren Stromerzeugung und -versorgung stehen dabei im Zentrum der Untersuchung und werden durch die Aspekte Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit ergänzt.

Der nun veröffentlichte Monitoringbericht bezieht sich auf die zum Erstellungszeitraum neuesten gesicherten Daten für das Jahr 2018. Für die Bewertung des Fortschritts bei der Energiewende werden vier Kategorien betrachtet: Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Effizienz und Erneuerbare Energien sowie Umweltverträglichkeit. Als Neuerung im Vergleich zu den vorangegangenen Berichten werden in der Kategorie Umweltverträglich neue Indikatoren aufgeführt, die die zahlreichen Aspekte der Klimaverträglichkeit des gesamten Energiesystems beleuchten und die Nachfragesektoren Privathaushalte, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen, Industrie und Verkehr einbeziehen.

Die zentralen Ergebnisse der Studie lauten:

  • Hinsichtlich der Versorgungssicherheit in Deutschland gibt es im Vergleich zu 2017 kaum Veränderungen. Die Jahreshöchstlast ist zwar gedeckt, allerdings hängt der Netzausbau immer noch dem planmäßigen Fortschritt hinterher. Das kann für Bayern ab 2022 zu Engpässen führen.
  • Beim Strompreis sind im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügige Veränderungen zu beobachten. Der Strompreis für deutsche wie bayerische Privathaushalte erhält nach wie vor eine negative Bewertung, da seine Veränderung seit 2010 deutlich oberhalb des Konsumentenpreisindex liegt. Da sich die Preise in den verschiedenen Abnahmeklasse unterschiedlich entwickeln, zeichnet sich für den Industriestrompreis ein differenziertes Bild ab. Insgesamt erhält dieser Indikator aber weiterhin eine kritische Bewertung.
  • Hinsichtlich der Energieeffizienz und des Anteils Erneuerbarer Energien sind die politisch vorgegebenen Zielsysteme und Bemessungsgrößen in Bayern und in Gesamtdeutschland unterschiedlich. Gemessen an diesen jeweiligen Zielsystemen erhält Bayern eine positive Bewertung, während in Deutschland die Bewertung negativ ausfällt. Zwar erhöhte sich 2018 der Anteil der Erneuerbarer Energien im deutschen Energiemix weiterhin und liegt sogar deutlich oberhalb des (alten) Zielpfades, allerdings entfernten sich die Indikatoren der Entwicklung der Energieeffizienz gegenüber den Vorjahren weiter vom Zielpfad.
  • Obwohl die Treibhausgasemissionen in Deutschland 2018 um 4,5 % im Vergleich zum Vorjahr sanken, lagen die Emissionen im neunten Jahr hintereinander deutlich über dem Zielpfad, weshalb der Indikator nach wie vor negativ bewertet wird. Selbiges gilt für Bayern.
  • Insgesamt wird die Umweltverträglichkeit in Deutschland wie in Bayern negativ bewertet. Die energiebedingten Treibhausgasemissionen haben sich in den vergangen fünf Jahren immer stärker vom Zielpfad entfernt. Zwar ist die Emissionsreduktion der Energiewirtschaft im Vergleich zu anderen Sektoren überproportional, durch geringere Einsparungen in der Industrie, Landwirtschaft und im Verkehr wird diese jedoch überkompensiert.

„Die Energiewende ist in den vergangenen Jahren sehr viel langsamer vorangekommen als die Zielsetzungen dies erfordern“ sagte Studienleiterin Dr. Almut Kirchner bei der Vorstellung der Studie. „Insbesondere der Netzausbau, der für die Sicherung der Stromversorgung und die kostengünstige Verteilung der Erneuerbaren Energien notwendig ist, ist sehr stark verzögert. Sowohl in der Industrie, dem Gebäudesektor als auch im Verkehr gehen die Umsetzung der Energieeffizienz und die Einführung emissionsarmer bzw. emissionsfreier Wärmeerzeugungs- und Antriebssysteme langsamer voran als dies für die Zielerreichung notwendig ist. Und das bezieht sich noch auf die „alten“ Zielsysteme – wenn wir die Emissionsentwicklung insgesamt mit dem neuen Ziel der Klimaneutralität bis 2050 in Bezug setzen, zeigen sich noch größere Diskrepanzen – und damit auch Handlungslücken.“

Hintergrund

Im Herbst 2010 hat die deutsche Bundesregierung quantitative Zielgrößen definiert und danach weiterentwickelt, um langfristig eine sichere, wirtschaftliche und umwelt- sowie klimaverträgliche Energieversorgung zu erreichen. Entscheidende Bedeutung haben die Steigerung der Energieproduktivität sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Die damals vorgesehene Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wurde nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima durch die geordnete Ausstiegsplanung aus der Kernkraft ersetzt, die bis 2022 umgesetzt wird.

Mit dem im Dezember 2019 vom Bundestag beschlossenen Klimaschutzgesetz hat sich die Bundesregierung das Ziel einer langfristigen Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2050 gesetzt. Bis zum Jahr 2030 gilt weiterhin das Minderungsziel von 55 Prozent gegenüber 1990.

Im Oktober 2015 hat die Bayerische Staatsregierung das Bayerische Energieprogramm vorgelegt, das unter anderem quantitative Ziele bis 2025 enthält und eine Fortschreibung des Bayerischen Energiekonzeptes aus dem Jahr 2011 darstellt. In dem Programm spielen eine steigende Energieproduktivität sowie der Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidende Rollen.

Im November 2019 veröffentlichte die Bayerische Staatsregierung das Aktionsprogramm Energie, in dem die energiepolitische Agenda der Staatsregierung für die aktuelle Legislaturperiode dargestellt wird. Im Aktionsprogramm Energie sind unter anderem konkrete Ausbauziele für Erneuerbare Energien bis 2022 genannt. Die Klimaneutralität soll in Bayern spätestens 2050 erreicht werden, in der Verwaltung bereits 2030.

undefinedMonitoringbericht in der Prognos-Publikationsdatenbank

undefinedDirekt zum Monitoring (Webseite vbw)

undefinedVeranstaltungsrückblick der vbw

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